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Pressemeldung

11. Januar 2012 Ratsfraktion

Eins schließen, eins aufmachen Rück- und Ausblick der Linksfraktion

Der Ort für ihren diesjährigen Neujahrsempfang – das Museum Bochum -
hatte die Linksfraktion nicht zufällig gewählt. Auch das Museum steht
unter dem Damoklesschwert der Haushaltskürzungen. FDP und Grüne blasen
bereits seit Längerem zur Schließung dieses wichtigen Kulturguts in
Bochum. „Man brauchte keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu ahnen,
dass auch das Museum von den Haushaltsberatungen betroffen sein
würde“, so der Fraktionsvorsitzende Uwe Vorberg. Darüber wie
brisant es für das Museum würde, war die Linksfraktion doch erstaunt.
Zur heutigen Sitzung des Lenkungsausschusses wird der Vorschlag, das
Museum ganz zu schließen, von der Bezirksregierung Arnsberg
unterbreitet. Als Begründung ist zu lesen: Das Kunstmuseum wird
zeitgleich mit dem Ausscheiden des Museumsleiters aus dem Dienst der
Stadt Bochum geschlossen. „Mit dem gleichen Grund könnte man
vorschlagen: Mit dem Ausscheiden der Oberbürgermeisterin wird das
Rathaus geschlossen“, erwiderte Vorberg in seiner Neujahrsrede.

Während ein wesentlicher Baustein der Bochumer Kulturszene abgewickelt
werden soll und die Gebühren an der Musikschule so steigen, dass sich
normale Familien keinen Unterricht mehr leisten können, hält die große
Mehrheit an dem – aus Sicht der Linksfraktion absurden - Plan fest,
ein Konzerthaus zu bauen. Obwohl die Finanzierung weiter offen ist und
die Unterhaltungskosten die Stadt dauerhaft stark belasten werden. „Hier
wird ein Potemkinsches Dorf aufgebaut, um über den Verlust von sozialer
und kultureller Substanz in der Stadt hinwegzutäuschen“, meint
Vorberg. „Mit unserer Ortswahl wollten wir auch deutlich machen, dass
sich DIE LINKE nicht nur gegen die Kürzungen im Jugend- und
Sozialbereich wendet, sondern dass uns auch die Kultur sehr wichtig
ist.“

Zum zweiten Schwerpunktthema des Abends „Interkulturelle Schulen“ war
eigens die Vizepräsidentin des Landtags und bildungspolitische
Sprecherin der Linksfraktion NRW angereist. Sie führte aus, dass schon
unter preußischer Herrschaft im Ruhrgebiet zweisprachig unterrichtet
wurde. Und natürlich durfte auf den Schulhöfen auch polnisch gesprochen
werden. Sie betrachtet den Unterricht in der Muttersprache als ein
Menschenrecht und kündigte entsprechende Initiativen der
Landtagsfraktion dazu an.

Doch neben diesen intellektuellen Ausführungen, wie es die
stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bianca Schmolze ausdrückte, gab es
auch sinnliche Genüsse für Augen, Ohren und Gaumen. Die vor Beginn des
Empfangs angebotene Einführung in die Ausstellung „Niemandslicht“ mit
Fotografien von Ursula Schulz-Domburg von Museumsleiter Hans Günter
Golinski fand regen Zuspruch, genauso wie die kleinen Häppchen und
Getränke. Abgerundet wurde der Abend durch Musik von Milli Häuser und
Martin Scholz und anregende Gespräche.

Trotz der zum Teil doch unerfreulichen Thematik ist die Linksfraktion
mit dem Verlauf des gestrigen Abends und die Resonanz auf den
Neujahrsempfang rundum zufrieden. Über 100 Gäste aus Gewerkschaften,
Initiativen, Wohlfahrtsorganisationen und der Bochumer Bevölkerung
interessierten sich für den Jahresrückblick und waren der Einladung
gefolgt. Der besondere Dank der Fraktion gilt neben der
Landtagsvizepräsidentin dem Team des Museums.