Nach Protesten in Essen und Gelsenkirchen: „Es reicht!“ kommt nach Bochum
Nach den Sozialprotesten in Essen und Gelsenkirchen kommt die Protestbewegung „Es reicht!“ nun nach Bochum. Das Bündnis ruft für Montag, den 29. Juni, zur Demonstration gegen steigende Lebenshaltungskosten, Sozialabbau und Kürzungspolitik auf. Start ist um 18 Uhr am Buddenbergplatz.
Mit den bisherigen Demonstrationen ist eine neue, laute Protestbewegung im Ruhrgebiet entstanden. Die Veranstalter:innen erwarten auch in Bochum zahlreiche Teilnehmende und wollen den Druck auf die Bundesregierung erhöhen.
„Die Proteste in Essen und Gelsenkirchen haben gezeigt: Die Geduld der Menschen ist am Ende. Während das Leben immer teurer wird, diskutiert die Bundesregierung über Kürzungen und weitere Belastungen für diejenigen, die ohnehin schon am Existenzminimum leben. Nicht die Menschen unten sind das Problem, sondern eine Politik, die Reichtum schützt und soziale Sicherheit abbaut, ist das Problem. Eine starke Sozialpolitik erkennt man daran, wie sie mit Menschen umgeht, die auf Hilfe angewiesen sind. Es ist an der Zeit einen radikal menschlichen Sozialstaat zu einzufordern“, erklärt Cansın Köktürk, Bundestagsabgeordnete der Linken aus Bochum.
Die Demonstration richtet sich gegen die geplanten Einschnitte in den Sozialstaat und die weitere Verschärfung sozialer Ungleichheit. Kritisiert werden unter anderem die Aufweichung des Acht-Stunden-Tages, Angriffe auf Arbeitnehmer:innenrechte, drohende Kürzungen in der Gesundheitsversorgung sowie die verschärften Sanktionen in der neuen Grundsicherung.
Für Kritik sorgt auch die Antwort der Bochumer Verwaltung auf eine Anfrage zu den Folgen der neuen Grundsicherung. Obwohl die Reform erhebliche Auswirkungen auf Betroffene und kommunale Hilfesysteme haben kann, plant die Stadt weder zusätzliche Maßnahmen noch einen gesonderten Austausch mit Wohlfahrtsverbänden.
„Die Antwort der Verwaltung blendet die sozialen Folgen der neuen Grundsicherung weitgehend aus. Die Stadt verweist auf Schulungen im Jobcenter und bestehende Angebote, geht aber kaum darauf ein, welche Auswirkungen verschärfte Sanktionen auf Familien, Wohnungsnotfälle und soziale Hilfesysteme haben werden. Wenn Menschen durch Leistungskürzungen in existenzielle Not geraten, verschwinden die Probleme nicht. Sie landen am Ende bei Jugendamt, Wohnungsnotfallhilfe und sozialen Beratungsstellen – also genau dort, wo schon heute Personal und Ressourcen fehlen. Besonders irritierend ist deshalb, dass weder zusätzliche Maßnahmen noch ein gesonderter Austausch mit Wohlfahrtsverbänden geplant sind. Wer die Reform umsetzt, muss sich auch mit ihren Folgen auseinandersetzen“, kritisiert Lara Lösch, Sprecherin der Bochumer Linken und Mitorganisatorin der Bündnisdemonstrationen.
„Während viele Menschen jeden Euro zweimal umdrehen müssen, wachsen die Vermögen der Reichsten weiter. Wir brauchen eine Politik, die die Mehrheit entlastet, statt soziale Sicherungssysteme weiter unter Druck zu setzen. Dagegen organisieren wir eine Gegenmacht: auf der Straße, in den Parlamenten und gemeinsam mit den Menschen, die jeden Tag mit diesen Problemen leben.“, ergänzt Cansın Köktürk.
Die Sozialproteste sind Teil einer wachsenden bundesweiten Bewegung. Weitere Aktionen in Duisburg und Dortmund sind bereits in Planung. Die Bochumer Laufdemonstration „Es reicht! Das Leben bezahlbar machen“ startet am Montag, den 29. Juni 2026 um 18:00 Uhr am Buddenbergplatz hinter dem Bochumer Hauptbahnhof und endet mit einer Kundgebung vor dem Schauspielhaus.
