Kommunalwahlprogramm 2025-2030

Bochum sozial und gerecht: Unser Leben muss bezahlbar sein!

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Unser Plan für Bochum

1. Soziale Gerechtigkeit

2. Wirtschaft und Finanzen

3. Demokratie und Solidarität

4. Stadtentwicklung

5. Klima, Verkehr und Ökologie

Schlusswort: Gemeinsam für ein gutes Leben in Bochum

Vorwort

Bochum ist eine tolle Stadt. Hier leben Menschen, die anpacken, die für andere da sind, die jeden Tag unsere Stadt am Laufen halten. Ob im Krankenhaus, im Bus, an der Supermarktkasse, in der Schule, zuhause in der Familie oder ehrenamtlich im Sportverein: Ohne sie würde nichts funktionieren. Doch genau diese Menschen haben immer größere Probleme, sich das Leben noch leisten zu können: Die Mieten steigen, die Stromrechnungen werden höher, Lebensmittel kosten inzwischen so viel, dass viele Familien kaum noch wissen, wie sie am Monatsende satt werden sollen. Immer mehr Menschen in unserer Stadt spüren: So wie es ist, kann es nicht weitergehen.

Wer in Bochum eine neue Wohnung sucht, findet oft nur Angebote, die unbezahlbar sind. Das ist kein Naturgesetz, sondern die Folge von falscher Politik. Denn die Stadt hat rechtliche Mittel, um gegen Wuchermieten vorzugehen, aber Bochum nutzt sie nicht. SPD und Grüne haben in den vergangenen Jahren immer wieder versprochen, etwas gegen die Krise auf dem Wohnungsmarkt zu unternehmen. Doch nach der Wahl wurde weiter mit Konzernen wie Vonovia geklüngelt.

Wir sagen: Bochum bleibt unser Zuhause, die Mieten müssen runter! Deshalb fordert Die Linke: Schluss mit Mietwucher – die Stadt muss kontrollieren, eingreifen und bereits diejenigen, die in Wohnungsanzeigen überhöhte Mieten verlangen, darauf hinweisen, dass Bußgelder und Strafen drohen. Die mehrheitlich städtische Wohnungsgesellschaft VBW wollen wir gemeinwohlorientiert umbauen. Die aktuelle Rathauskoalition verlangt von ihr Millionengewinne. Wir sagen dagegen: Mieten runter, Überschüsse reinvestieren, neue Wohnungen mit dauerhafter Mietpreisbindung schaffen. Wir wollen klare Regeln auch für andere Vermieter*innen: Wer kommunales Geld für Modernisierungen bekommt, darf hinterher die Warmmieten nicht erhöhen.

Eine gute Wohnung, ein voller Kühlschrank, eine sichere Zukunft – das sollte für alle möglich sein. Doch die Realität sieht anders aus: Immer mehr Kinder gehen hungrig zur Schule. Wir sagen: Alle sollen satt sein! Deshalb kämpfen wir für ein kostenloses Mittagessen an allen Kitas und Schulen. Und wir wollen kommunale Stadtteil-Kantinen einrichten, in der es gutes, gesundes Essen zu kleinen Preisen gibt. Niemand soll sich zwischen einer warmen Mahlzeit und der Stromrechnung entscheiden müssen. Die Preisexplosion trifft nicht alle gleich: In Bochum nimmt die soziale Spaltung zu. Während immer mehr nicht mehr weiterwissen, ist mitten in der Krise auch die Zahl derjenigen stark gestiegen, die in unserer Stadt mehr als eine Million Euro pro Jahr verdienen: Innerhalb nur eines Jahres hat sich die Zahl der Einkommensmillionär*innen von 77 auf 107 Personen erhöht.

Während die Reichen immer reicher werden, werden die Armen immer zahlreicher. Wir dagegen wollen sozialen Ausgleich organisieren. Dafür braucht es gute Infrastruktur und gleiche Bildungschancen in allen Stadtteilen, aber auch eine andere Preispolitik bei den städtischen Unternehmen. Wir finden: Wer wenig Geld hat, sollte bei der Sparkasse ein komplett gebührenfreies Girokonto bekommen. Und wir schlagen einen neuen, sozialen Stromtarif bei den Stadtwerken vor: Die ersten Kilowattstunden für den Normalverbrauch einer Mietwohnung werden besonders günstig. Wer sich allerdings sehr große Häuser und beheizte Pools leisten kann, darf mehr bezahlen. Wir machen Politik für die Vielen, nicht für die Unternehmen und Konzerne. Deshalb fordern wir: Aufträge der Stadt nur an Firmen, die gute Arbeit garantieren. Das heißt: Kein Auftrag ohne Tariflohn, ohne Betriebsrat, ohne unbefristete Verträge – und niemals unter 15 Euro die Stunde. Und damit endlich alle ihren Beitrag leisten, wollen wir mehr kommunale Steuerprüfer*innen in Bochum, um illegale Steuertricks von Unternehmen aufzudecken und das Geld zurückzuholen, das uns allen zusteht. Wegen Steuergeschenken an Reiche und Konzerne, und weil staatliche Einnahmen ungerecht verteilt werden, hat die Stadt Bochum finanzielle Probleme. Diese Entscheidungen werden auf Bundes- und Landesebene getroffen. Zur Wahrheit gehört aber auch: SPD, CDU und Grüne machen in Bochum zu oft, was ihre Parteifreund*innen in Berlin und Düsseldorf wollen – und das bedeutet häufig: Kürzen auf Kosten der Menschen. Wir dagegen wollen eine Bochumer Stadtführung, die widerspenstiger ist, und die sich lautstark für eine gerechte Finanzierung der Kommunen sowie die dringend notwendige Übernahme der Altschulden stark macht.

Wir haben einen Plan, um Bochum gerecht und bezahlbar zu machen. Aber klar ist auch: Wir können das nicht allein schaffen. Wir haben an mehr als 10.000 Bochumer Haustüren geklingelt, haben zugehört, was die Menschen bewegt, was sie wütend macht, und was sich ändern muss. Für Veränderung braucht es Druck und die Bereitschaft, sich mit den Mächtigen anzulegen. Eine starke Linke im Rat und in den Bezirksvertretungen hilft dabei sehr.

Im Rathaus schauen wir der Verwaltung und den anderen Parteien auf die Finger, stellen die richtigen Fragen und machen das öffentlich, was sie unter den Teppich kehren wollen. Wir decken versteckte Kürzungen auf und arbeiten mit Vereinen, Verbänden und Bürger*inneninitiativen zusammen. Wir tragen dazu bei, dass aus passivem Unmut aktive Gegenwehr werden kann. Damit haben wir in der Vergangenheit schon kleinere und größere Erfolge erzielt. Um noch viel mehr verändern zu können, wollen wir weiterwachsen und noch viel mehr werden. Auf unseren Listen kandidieren Pflegekräfte, Lehrer, Schüler, Monteure, Student*innen, Lokführer, Verkäufer, Künstler*innen, Sozialarbeiter und viele mehr. Gemeinsam wollen wir die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse verändern.

Denn wir akzeptieren nicht, dass die Interessen weniger Besitzender über die Interessen der Mehrheit gestellt werden. Gemeinsam kämpfen wir für eine Stadt, in der niemand allein gelassen wird. Wir stellen uns gegen Armut, Hass und Hetze. In Bochum muss die soziale Gerechtigkeit an erster Stelle stehen.

Deshalb: Am 14. September Die Linke wählen!

1. Soziale Gerechtigkeit

Armut grenzt aus, macht krank und ist menschenunwürdig.

Armut ist aber vor allem keine Naturgewalt. Sie ist Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse, in denen ein kleiner Teil der Gesellschaft sich einen ständig wachsenden Reichtum aneignet. Dadurch wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer – auch bei uns in Bochum. Der Paritätische Wohlfahrtsverband gibt in seinem Jahresbericht 2024 für die Region Bochum/Hagen eine Armutsquote von 20,8 Prozent an. Damit liegt die Region sogar noch über der Armutsquote des gesamten Bundeslandes NRW, die mit 17,4 Prozent angegeben wird. Im Vergleich zur vergangenen Kommunalwahl konnten die gewählten politischen Vertreter*innen keine Verbesserung herbeiführen. Dies ist eine Katastrophe für die Menschen vor Ort, vor allem auch für die vielen Kinder, die in Armut aufwachsen. Wir finden uns mit dieser Armutsspirale nicht ab und wollen sie stoppen.

Armut und Bürgergeld bzw. Grundsicherung

Massenerwerbslosigkeit, Bürgergeld und die ständige Zunahme unsicherer Beschäftigungsverhältnisse sind im Wesentlichen verantwortlich für die Verarmungsprozesse in den Kommunen. Die Koalition aus Union und SPD auf Bundesebene hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, die Situation weiter zu verschärfen: Mit der Umbenennung des Bürgergelds in Grundsicherung will die Bundesregierung unter anderem den Jobcentern mehr Sanktionen gegen von Armut betroffene Menschen ermöglichen, bis hin zum kompletten Leistungsentzug. Wir als Linke stellen uns klar gegen diese menschenunwürdigen Vorschläge, gegen Arbeitszwang und weitere Bedrohungsszenarien.

Armut und Reichtum sind in unserer Stadt ungleich verteilt. In den Stadtteilen Wattenscheid-Mitte, Kruppwerke und Werne liegt die offizielle Arbeitslosenquote bei zwölf Prozent, in Stiepel und Wiemelhausen sind es nur zwei bis drei Prozent. In Bochums ärmsten Stadtteilen sind mehr als 20 Prozent der Menschen von Bürgergeld abhängig. Dabei sind rund 40 Prozent der armutsbetroffenen Personen Kinder. Besonders von Armut betroffen sind außerdem alleinerziehende Frauen, Langzeiterwerbslose, Rentner*innen sowie Menschen mit Migrationsgeschichte.

Längst nicht alle, die in unserer Stadt am Existenzminimum leben müssen, sind arbeitslos: Etwa 20 Prozent der Bürgergeldbeziehenden gehen regelmäßig zur Arbeit, erhalten dafür allerdings keinen Lohn, der zum Leben reicht.

Sie sind daher auf aufstockende Leistungen angewiesen. Weitere Bochumer*innen sind ebenfalls berechtigt, haben angesichts von Behördenstress, fehlender Beratung oder aus Schamgefühlen jedoch aufgegeben und leben mit noch weniger Geld.

Die Linke fordert:

  • Eine bedarfsgerechte Mindestsicherung in Höhe von mindestens 1.400 Euro statt Bürgergeld.
  • Ein individueller Anspruch statt Bedarfsgemeinschaften. Dies schützt die Menschenwürde und vermeidet Abhängigkeiten, die mit Gewalt einhergehen können.
  • Einen Mindestlohn von aktuell 15 Euro, der sich jährlich automatisch mindestens gemäß der Inflation erhöht. Alles andere bedeutet Altersarmut. Die Ausnahmen für Langzeiterwerbslose, Jugendliche unter 18, Menschen mit Behinderung und Praktika müssen gestrichen werden.
  • Eine Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen.

Kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten

Das Bürgergeld-System beruht auf einer bundesgesetzlichen Regelung. Auf kommunaler Ebene gibt es aber zahlreiche Möglichkeiten, besonders repressive Maßnahmen deutlich einzuschränken oder eine menschenwürdige Praxis durchzusetzen. Deswegen kämpfen wir auf kommunaler Ebene für Regelungen, die bestehende Spielräume im Sinne der von Armut betroffenen Menschen nutzt, um ihnen das Leben nicht noch zusätzlich schwerer zu machen.

Wir wollen eine Stadtspitze, die sich ebenfalls für eine sanktionsfreie Mindestsicherung stark macht. Wir sind nicht bereit, uns mit den unzureichenden Beratungen in den Jobcentern und dem oftmals fragwürdigen Umgang mit den zu beratenden Menschen abzufinden. Der Kreisverband der Bochumer Linken bietet auch jetzt schon eine Sozialberatung an. Dort können Menschen, die im Leistungsbezug sind, Hilfe bekommen. Jedoch steht die Stadt Bochum in der Verantwortung, ausreichende Beratungs- und Unterstützungsangebote zu finanzieren. Sie darf diese wichtige Aufgabe nicht auf die Zivilgesellschaft oder gar ehrenamtlich Engagierte abwälzen. Wir kämpfen gemeinsam mit Sozialverbänden und Gewerkschaften für die Überwindung der Armut. Entscheidend hierfür sind sichere Arbeitsplätze mit tariflicher existenzsichernder Entlohnung. Der aktuell wieder steigende Arbeitsplatzabbau führt in den Kommunen zu weiter sinkender Kaufkraft. In der Arbeitsmarktpolitik muss dringend ein Kurswechsel eingeleitet werden. Öffentlich geförderte Beschäftigungsprogramme sind ein Beitrag hierzu.

Die Linke fordert:

  • Die Übernahme der Wohnkosten durch die Jobcenter und Sozialämter muss sich an den tatsächlichen Kosten orientieren. Zusammengenommen mussten die Bochumer Bürgergeld-Haushalte im Jahr 2024 mehr als 1,8 Millionen Euro von ihren sowieso schon viel zu knappen Regelsätzen abzweigen, um damit einen Teil der Miete zu bezahlen.

Die Angemessenheitsgrenzen bei den Kosten der Unterkunft sind in Bochum trotz der enormen Preissteigerungen seit inzwischen drei Jahren nicht mehr angepasst worden. Eine spürbare Erhöhung muss schnellstmöglich erfolgen. Zwangsumzüge wollen wir abschaffen.

  • Perspektivlose und armutsfördernde Ein-Euro-Fünfzig-Jobs, Kombilohn-Stellen und prekäre Beschäftigung in allen ihren Formen wollen wir beenden. Stattdessen müssen unbefristete, tarifgebundene, sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen werden, die aufstockende Bürgergeldleistungen überflüssig machen. Sogenannte Arbeitsgelegenheiten, Billigjobs, Maßnahmen und Pseudoarbeitsplätze, die lediglich dazu dienen Menschen nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik aufzuführen, ohne jedoch ihre Lebenssituation zu verbessern, müssen abgeschafft werden.
  • Strom- und Gassperren sind menschenunwürdig und ausnahmslos zu untersagen. Wir wollen durchsetzen, dass die Stadt Bochum einen kommunalen Härtefonds einrichtet, der im Falle der Zahlungsunfähigkeit den Betroffenen hilft.
  • Damit Kulturangebote und öffentliche Einrichtungen für alle zugänglich werden, wollen wir den Bochum-Pass ausbauen. Statt des aktuell nötigen Online-Antrags wollen wir, dass der Pass allen Berechtigten, von denen die Stadt weiß, wieder automatisch zugesendet wird. Während es derzeit bei kommunalen Angeboten unterschiedlich hohe (und zum Teil nur geringe) Ermäßigungen gibt, wollen wir Menschen mit Einkommen unterhalb des Pfändungsfreibetrages die kostenlose Nutzung von städtischen Schwimmbädern, Bibliotheken, Museen, Theatern und öffentlichem Nahverkehr ermöglichen. An allen öffentlich bezuschussten Kultureinrichtungen soll die Stadt außerdem ein festes Kontingent an Eintrittskarten finanzieren, die für den Preis von maximal drei Euro abgegeben werden. VHS Kurse sollen mit dem Pass ebenfalls sehr stark ermäßigt zu besuchen sein.

Die Bochumer Linke wird ihren Einfluss nutzen, um diese Forderungen und Positionen im Sozialausschuss, im Rat der Stadt Bochum und gegenüber der Trägerversammlung des Jobcenters geltend zu machen.

Die Daten aus den Bochumer Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass Kinder aus ärmeren Wohngebieten schlechtere Ergebnisse in den Bereichen Hören, Sehen, Sprechen und Schwimmfähigkeit haben. Erkenntnisse aus der sogenannten Neurourbanistik, also der Verbindung von Psychiatrie- und Stadtforschung, zeigen: Das Leben in einer Großstadt geht mit einem höheren Risiko für psychische Krankheiten einher. Menschen in der Stadt haben zum Beispiel ein 1,5-fach erhöhtes Risiko für Depressionen gegenüber jenen, die auf dem Land wohnen – und zwar vor allem da, wo Menschen von Enge, Lärm, Feinstaub und schlechten Wohnverhältnissen besonders betroffen sind: in ärmeren Stadtteilen. Diese Ungerechtigkeit können wir nicht weiter zulassen!

Zu den weiteren Gesundheitsrisiken gehören Einsamkeit, mögliche sexuelle Übergriffe, Obdachlosigkeit und die Folgen des Klimawandels. Das alles sind keine Privatprobleme, sondern Probleme der Gemeinschaft. Darum ist die Kommune in der Verantwortung.

Wir fordern eine kommunale Politik, die das Thema Gesundheit in allen Ressorts mitdenkt: Umweltschutz, Bauen, Stadtentwicklung, Bildung, Arbeit – das sind nur einige der Felder, in denen die Stadt Bochum Gesundheitsfragen stärker berücksichtigen muss.

Dieser Ansatz wird auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO vertreten und „Health in all Policies“ genannt. Mit dem Beitritt zum Gesunde Städte-Netzwerk hat sich auch Bochum diesem Ziel verpflichtet. Soziale Gerechtigkeit ist ein wichtiger Faktor, um Gesundheit zu fördern und zu erhalten. Ein starkes öffentliches Gesundheitswesen verhindert Krankheit und rettet Leben. Deswegen muss die Gesundheitsfürsorge von Profitorientierung befreit werden. Gesundheit darf keine Ware sein, und Zweiklassenmedizin macht krank. Auch in bislang strukturschwächeren Stadtgebieten muss die Versorgung mit Kinder-, Haus-, Zahn- und Fachärzt*innen sichergestellt sein.

Hier muss die Stadt Bochum mit der Kassenärztlichen Vereinigung zusammenarbeiten, um die Unterversorgung zu beenden.

Bochum zur sorgenden Stadt machen

Wer sich zum Beispiel um Kinder oder ältere Angehörige kümmert, ist von einem besonders hohen Armutsrisiko betroffen. Gleichzeitig können sich viele die teuren Angebote des privatisierten und profitorientierten Care-Sektors nicht leisten. Wir fordern Bochum zu einer sorgenden Stadt zu machen, statt überforderte Familien und insbesondere Frauen in Bereichen wie Erziehung, Kinderbetreuung und bei der Pflege alleinzulassen. Wir denken Erziehungs- und Pflegearbeit feministisch und solidarisch. Darum wollen wir Gesundheits- und Nachbarschaftszentren auf- und ausbauen. Sie können Unterstützungsangebote für ältere Menschen sowie Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche anbieten und Räume für geteilte Sorgearbeit in Elterngruppen und Gemeinschaftsküchen schaffen.

Sozialer Kontakt und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind nötig, um zu genesen und gesund zu bleiben. Dazu gehört auch der Zugang zu Kunst und Kultur. Einsamkeit dagegen macht krank. Treffpunkte ohne Konsumzwang gehören ebenso zum Konzept der sorgenden Stadt wie öffentliche Kantinen mit günstigem und gesundem Essen.

Pflegenotstand bekämpfen

Der Pflegebericht der Stadt Bochum zeigt: Die Zahl der Menschen, die Pflege benötigen und von Demenz betroffen sind, wird in den kommenden zehn Jahren deutlich steigen. Dafür braucht Bochum ein gut ausgebautes Netz an Pflege und Unterstützungsangeboten. Auch die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen mit internationaler Familiengeschichte steigt. Darum müssen die Angebote sprach- und kultursensibel sein. Für all das wollen wir die Pflegeberufe mit guten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sowie fairen Löhnen stärken. Dazu gehört auch eine starke, würdevolle Hospiz- und Palliativarbeit.

Für Vorsorge und Gesundheitszentren

Prävention beginnt im Bildungsbereich: Gesundheitslehre, Ernährungslehre, Sport, Schwimmunterricht und Sexualerziehung gehören selbstverständlich an die öffentlichen Schulen.

Gemeindenahe Gesundheitseinrichtungen wie kommunale Pflegedienste, Polikliniken, Familienhebammen, Schulärzt*innen und sogenannte Gemeindeschwestern bieten barrierearme, niedrigschwellige Zugänge zu Informationen und Gesundheitsleistungen. In Wattenscheid gibt es den neugegründeten Gesundheitskiosk als Pilotprojekt. Angebote wie dieses sind wichtige Schritte, um Menschen in strukturschwachen Stadtteilen Lotsen zur Seite zu stellen, da die Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem für sie unüberwindbar sein können.

Das Konzept muss gefördert und auf andere Stadtgebiete übertragen werden, inklusive mehrsprachiger Information und Aufklärung.

Versorgungslücken schließen

Menschen in besonders unsicheren Lebensverhältnissen haben besondere Gesundheitsrisiken. Dazu zählen auch Geflüchtete. Wir wollen, dass ihnen der Zugang zum regulären Gesundheitssystem von Anfang an offensteht, und setzen uns für entsprechende Änderungen auf Bundesebene ein.

Um allen Zugang zu Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, wollen wir auch in Bochum einen anonymisierten Krankenschein für Menschen ohne Krankenversicherung einführen.

Sogenannte psychosoziale Zentren bieten eine psychotherapeutische und sozialarbeiterische Versorgung von Geflüchteten, denen der Zugang zum regulären Gesundheitssystem teilweise verwehrt wird. Diese Zentren müssen sicher finanziert sein – in Bochum macht das die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum.

Frauengesundheit fördern und schützen

Die Stadt Bochum muss sich stark machen für den Erhalt und die Finanzierung von Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen. Der Paragraph 218, der Abtreibung illegalisiert, gehört endlich abgeschafft – bundesweit.

Ein flächendeckender, niederschwelliger Zugang zu legalen und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen muss gewährleistet sein und von der Kommune aktiv gefördert werden, zum Beispiel durch die Förderung von Gynäkologiepraxen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Laut Pro Familia gibt es aktuell nur einen einzigen Standort in Bochum, an dem Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden.

Auch der kostenlose Zugang zu Verhütungsmitteln und Menstruationsprodukten ist wichtig. Der Hebammenberuf muss gestärkt werden: jede Frau hat das Recht, in Schwangerschaft und Wochenbett eine Hebamme an ihrer Seite zu haben. Hebammenpraxen müssen in das System der Kassenärztlichen Vereinigungen aufgenommen werden, um die flächendeckende Versorgung zu gewährleisten.

Suchthilfe stärken

Sucht ist keine persönliche Schwäche, sondern eine Krankheit, die oft mit sozialer Ungerechtigkeit, Obdachlosigkeit und Armut verknüpft ist.

Die Kommune muss Verantwortung für ihre suchtbetroffenen Bürger*innen übernehmen.

Akzeptierende gemeindenahe Strukturen wie aufsuchende Sozialarbeit und Angebote wie die Drogenberatung, die Methadonambulanz und der Drogenkonsumraum der Krisenhilfe Bochum müssen erhalten und gestärkt werden. Der Housing-First-Ansatz, in dem Obdachlose als erste Maßnahme eine Wohnung bekommen, ist richtig und rettet Leben.

Klimarisiken ernstnehmen

Der menschengemachte Klimawandel betrifft uns alle, aber nicht alle gleich. Ärmere, ältere und vorerkrankte Menschen in beengten Wohnverhältnissen und ohne eigenen Garten sind einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt. Städte heizen sich im Sommer zunehmend auf. Eine gesunde, lebenswerte Stadt setzt sich für Kühlung, beschattete Plätze und Trinkwasserzugang im öffentlichen Raum ein. Gut ausgestattete Freibäder gehören dazu, ebenso wie die Schaffung und der Erhalt von Grünanlagen, die Entsiegelung von Flächen und die Stärkung des Fuß- und Radverkehrs.

Die Linke fordert:

  • Alle städtischen Behörden müssen Gesundheit und soziale Gerechtigkeit zusammendenken, und Gesundheit muss in allen Politikbereichen berücksichtigt werden.
  • Die Stadt Bochum soll sich für die Abschaffung der Zweiklassenmedizin einsetzen, denn Gesundheit darf keine Ware sein.
  • Stärkung des öffentlichen Gesundheitssektors und der gemeindenahen Gesundheitsfürsorge. Der Gesundheitskiosk Wattenscheid als Pilotprojekt ist ein guter Schritt. Das Angebot soll ausgebaut und auf andere Quartiere übertragen werden.
  • Pflege- und Palliativsektor stärken, auch hier müssen faire und attraktive Arbeitsbedingungen herrschen.
  • Sorgearbeit raus aus dem privaten und profitorientierten Sektor, wir wollen sie solidarisch und gemeindenah organisieren. Als Standorte bieten sich zum Beispiel leerstehende Ladenlokale und ehemalige Warenhäuser an.
  • Die Bedarfe von besonders gefährdeten Gruppen wie älteren Menschen, Kindern, Migrant*innen und Frauen müssen stärker in den Fokus genommen werden.
  • Erhalt und Förderung von Einrichtungen der akzeptierenden Drogenhilfe.
  • Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für Obdachlose. Dabei ist eine eigene Wohnung der beste Gesundheitsschutz. Housing first!
  • Gesundheitsprävention beginnt in der Schule: gesundes Schulessen, Sexualerziehung, Sport- und Schwimmunterricht, Schulärzt*innen, Gesundheitsbildung.
  • Stärkung von Frauenhäusern, dem Hebammensektor und der Infrastruktur für Schwangerschaftsabbrüche. Die Ansiedlung von entsprechenden Praxen muss gefördert werden.
  • Anonymer Krankenschein für Geflüchtete ohne Papiere und Förderung des Psychosozialen Zentrums.
  • Bochum gesund und klimagerecht gestalten durch saubere öffentliche Toiletten, Straßenbeleuchtung, Schwimmbäder, Sportanlagen, Trinkwasserstellen, Grünflächen, Schattenplätze, Kühlung, Entsiegelung von Flächen, Stärkung des Rad- und Fußverkehrs.

Psychische Gesundheit und chronische Erkrankungen

Psychische und chronische Erkrankungen gehören für viele Menschen in Bochum zum Alltag. Dennoch fehlt es oft an Sichtbarkeit, Verständnis und passender Unterstützung im öffentlichen Leben. Gerade in Behörden, Bildungseinrichtungen und auf dem Arbeitsmarkt stoßen Betroffene noch immer auf Hürden, Vorurteile und fehlende Strukturen. Eine Stadt wie Bochum muss allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen – unabhängig von Diagnosen und Behinderungen. Das bedeutet, psychische Gesundheit ernst zu nehmen, chronische Erkrankungen nicht zu marginalisieren.

Die Erfahrungen und das Wissen von Betroffenen und ihren Organisationen sind dabei unverzichtbar. Die Linke steht in Bochum für eine solidarische Stadtgesellschaft, in der niemand übersehen wird – und in der Gesundheit, Teilhabe und Würde nicht vom Zufall abhängen.

Die Linke fordert:

  • Ausbau kommunaler psychosozialer Versorgungsangebote. Dazu gehören Anlaufstellen, die besonders leicht zugänglich sind.
  • Schaffung eines kommunal getragenen Krisendienstes, welcher besonders für Notlagen rund um die Uhr erreichbar ist.
  • Stärkung und langfristige Förderung von Selbsthilfegruppen und -initiativen.
  • Mehr barrierearme und partizipative Angebote im Gesundheits- und Sozialbereich.
  • Schulungen für Lehr- und Verwaltungspersonal zu psychischer Gesundheit, chronischen Erkrankungen und zur diskriminierungsfreien Kommunikation.
  • Ausbau von Teilzeit- und Homeoffice-Modellen, vor allem in der Stadtverwaltung, aber auch in städtischen Unternehmen.
  • Anonyme Bewerbungsverfahren bei städtischen Stellen, um Diskriminierung aufgrund von Erkrankungen, Geschlecht, Herkunft oder Behinderungen zu vermeiden.
  • Barrierearme Gestaltung aller städtischen Räume für sowohl körperliche als auch sensorische und kognitive Einschränkungen. Einführung eines kommunalen Teilhabebeirats, der die Perspektive von Betroffenen einbindet und sichtbar macht.
  • Schaffung geschützter Räume für Menschen mit Reizsensibilität und hohem Stressempfinden, z. B. in öffentlichen Einrichtungen, im ÖPNV und im Einzelhandel.
  • Aufklärungs- und Antistigmatisierungs-Kampagnen, um mehr gesellschaftliches Verständnis für psychische und chronische Erkrankungen zu schaffen.
  • Sichtbarmachung der Lebensrealitäten psychisch und chronisch kranker Menschen in der städtischen Sozialberichterstattung.
  • Beteiligung von Betroffenen und Fachorganisationen an allen politischen Prozessen, die ihre Lebensrealität betreffen.

Die Linke Bochum setzt sich für eine kinder- und jugendgerechte Stadt ein. In Bochum leben rund 375.000 Menschen, darunter etwa 80.000 Kinder und Jugendliche. Jeder junge Mensch verdient es, gut und sicher aufzuwachsen. Wir fordern, dass alle – unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Geschlecht – die gleichen Chancen erhalten und sich frei entfalten können.

Gleiche Chancen schaffen

Gesellschaftliche Teilhabe beginnt bereits in der Kita. Ein gerechter Zugang zu frühkindlicher Bildung ist daher unerlässlich. Trotz des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz kämpfen viele Familien in Bochum um angemessene Betreuung. In unserer Stadt fehlt für jedes fünfte Kind ein Kitaplatz. Fachkräftemangel und schlechte Arbeitsbedingungen schränken das Angebot weiter ein. Auch Schulen müssen mehr als Lernorte sein – sie sind Lebensräume. Und Bildung endet auch nicht mit dem Schulabschluss. Darum kämpfen wir für eine Ausbildungsumlage für Betriebe, die keine Ausbildungsplätze bereitstellen. So sichern wir die Berufsausbildung der zukünftigen Generation.

Fast 30 Prozent unserer Jugendlichen in Bochum leben in Armut oder sind davon bedroht.

Um diesem Missstand entgegenzuwirken, kämpfen wir für eine kostenfreie Versorgung mit gesundem, regionalem Essen in Schulen, Ausbildungsstätten und kommunalen Kantinen.

Eine starke soziale Infrastruktur muss rund um die Uhr und das ganze Jahr über gewährleistet sein. In keinem Lern- oder Lebensort soll die Teilhabe Jugendlicher vom Geldbeutel der Eltern abhängen.

Die Linke fordert:

  • Das Kitaplatz-Angebot und die entsprechenden Stellen des Jugendamts müssen konsequent ausgebaut werden.
  • Gute Arbeitsbedingungen für pädagogische Fachkräfte, um Kontinuität in der frühkindlichen Förderung zu gewährleisten.
  • Kitas müssen Orte des Lernens und Zusammenlebens werden – flächendeckend, wohnortnah und gebührenfrei.
  • Kostenlose Ganztagsangebote, damit alle Kinder ihre Zeit sinnvoll verbringen können. Alle Bochumer Schulen ein flächendeckendes, offenes Ganztagsangebot, betreut von erfahrenen Sozialpädagog*innen. Nur so können stadtweit gleiche Bildungschancen geschaffen werden.
  • Eine Ausbildungsoffensive in kommunalen Eigenbetrieben.

Kinder und Jugendliche schützen

Gesundheit und Wohlbefinden stehen im Zentrum unserer Politik. Bewegungs- und niedrigschwellige Beratungsangebote im Bereich körperlicher und psychischer Gesundheit sind unverzichtbar.

Seit der Corona-Pandemie befinden sich viele Kinder und Jugendliche in einem psychischen Ausnahmezustand. In dieser angespannten Lage ist es besonders schwer, nach Unterstützung zu fragen.

Alle Angebote müssen daher barrierefrei, niedrigschwellig und inklusiv gestaltet werden. Der Schutz gefährdeter Kinder hat höchste Priorität. Häusliche Gewalt und unzureichende Betreuungsplätze sind leider häufig Realität. Das Bochumer Jugendamt und Schutzeinrichtungen leisten bereits wichtige Arbeit, kämpfen jedoch mit unzureichenden Kapazitäten. Alle Kinder und Jugendlichen in Bochum haben ein Recht auf ein Leben ohne Gewalt. Die Einhaltung dieses Rechts ist die Grundvoraussetzung für ein unbeschwertes Aufwachsen. Kinder- und Jugendfreizeithäuser sind wichtige soziale Orte für Heranwachsende. Sie bieten sichere Räume und werden bereits in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Offenen Türen, dem Kinder- und Jugendring und der Kommune als Orte der Prävention gefördert.

Die Linke fordert:

  • Niedrigschwellige, akute Hilfsangebote müssen dringend aufgestockt und ausgebaut werden. Eine engere interkommunale Zusammenarbeit ist notwendig, damit passgenaue Lösungen vor Ort geschaffen werden können.
  • Fortbildungen im Kinderschutz und in der Prävention sexualisierter Gewalt müssen regelmäßig angeboten werden.
  • Die Förderung der städtischen Kinder- und Jugendfreizeithäuser und der Häuser in freier Trägerschaft muss unbefristet fortgeführt und ausgebaut werden.
  • Wo Öffnungszeiten aus finanziellen Gründen oder wegen Personalmangel reduziert worden sind, trägt die Stadt Verantwortung, wieder ein vollständiges Angebot zu gewährleisten.

Mitbestimmung gestalten

Kinder und Jugendliche haben das Recht, ihre Meinung einzubringen und mitzureden. Die Ergebnisse der durch den Jugendring durchgeführten Jugendforen spiegeln direkt die Wünsche und Bedarfe der jungen Menschen. Auch in der Schule muss der Politikunterricht ausgebaut werden, um junge Menschen zu mündigen Bürger*innen zu erziehen. Demokratieförderung und der Einsatz gegen Ideologien der Ungleichheit gehören zur politischen Bildung. Die demokratische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist an vielen Stellen grundlos eingeschränkt – entgegen der UN Kinderrechtskonvention. Nach dieser haben Minderjährige jederzeit das Recht auf Mitsprache bei allen politischen Entscheidungen, die sie betreffen.

Die Linke fordert:

  • Bestehende Jugendforen in jedem Stadtbezirk sollen weiter etabliert und dauerhaft kommunal finanziert werden. Diese Ergebnisse müssen dort, wo es möglich ist, unmittelbar in die Stadtplanung einfließen.
  • Stärkung der Rolle der Jugendverbände als Orte der Willensbildung im Alltag.
  • Wer alt genug ist, um politische Folgen von Kriegen, Klimawandel oder Schulpolitik zu spüren, ist auch alt genug, mitzuentscheiden. Wir trauen Jugendlichen zu, ihre Zukunft selbst mitzugestalten – und setzen uns daher für die Absenkung des Wahlalters bei Kommunalwahlen auf 14 Jahre ein.

Für eine jugendgerechte Stadt

Die Bochumer Stadtentwicklung muss die Bedürfnisse junger Menschen berücksichtigen. Kinder und Jugendliche in Bochum wünschen sich einen Ausbau der Radwege und eine Verbesserung des ÖPNV. Sichere Radwege, verkehrsberuhigte Zonen und öffentliche Verkehrsmittel sind wichtige Bestandteile jugendlicher Selbstbestimmung und Mobilität. Mehr barrierefreie Grünflächen, Spielplätze und öffentliche Treffpunkte mit Sitzgelegenheiten, Überdachungen und kostenfreiem WLAN schaffen Raum zur Selbstorganisation und fördern Gemeinschaft. Freizeit, Kultur und Sport sollen für alle offenstehen. Private Angebote dürfen nicht zur sozialen Spaltung führen.

Die Linke fordert:

  • Ausbau öffentlicher, gebührenfreier Angebote: Jugendzentren, Sport- und Freizeitanlagen sowie Werkstätten für kreative Projekte müssen erhalten und ausgebaut werden.
  • Mehr Streetwork-Angebote und niedrigschwellige Anlaufstellen.
  • Erhöhung des Personalschlüssels in den Jugendfreizeithäusern und verstärkte Unterstützung freier Träger.
  • Die Stadt soll den Bochumer Kinder- und Jugendring als Dachverband der Jugendverbände personell und finanziell stärken.
  • Der Zugang zu Museen, Schwimmbädern und Theatern muss für Kinder und Jugendliche mittelfristig gebührenfrei werden. Als Übergangslösung muss ein diskriminierungsfreier und unkomplizierter Kinderpass sicherstellen, dass Freizeitangebote für alle Familien zugänglich sind. Die Ausstellung des Kinderpasses muss unkompliziert und antragslos erfolgen.
  • Ökologische Bildungsangebote, Projekte zur Müllvermeidung, Wiederverwertung und zum Ausbau der Fahrradinfrastruktur müssen gefördert werden. Ein Nachfolgeangebot für den jüngst von der Stadt abgeschafften Umweltspürnasenpass ist dringend nötig. Angebote wie die Waldjugendspiele, die Umwelt-Rallyes im Ferienpassprogramm und der Lange Tag der Stadtnatur müssen ausgebaut werden.
  • Multifunktionale grüne Quartierszentren wie das Urban Green in Riemke sollen in allen Stadtbezirken entstehen.

Kein Werben fürs Sterben

Der Alltag heutiger Jugendlicher ist von aufeinanderfolgenden Krisen geprägt. Die bedrohlichste ist der Krieg. Egal ob im Nahen Osten oder in Europa: Krieg ist in der Lebensrealität junger Menschen allgegenwärtig. Wir sind Friedenspartei und setzen und dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in einer Welt ohne Krieg aufwachsen.

Die Linke fordert:

  • Bundeswehrwerbung muss aus Bochumer Schulen, Jobcentern, Berufsmessen und an der Ruhr-Universität verschwinden. Stattdessen sollen soziale Träger über Freiwilligendienste im sozialen und ökologischen Bereich informieren.
  • Jugendliche müssen darüber aufgeklärt werden, dass sie der Weitergabe ihrer Daten an die Bundeswehr widersprechen können.

Die Linke macht Politik für alle Generationen. In Bochum sollen Kinder und Jugendliche nicht nur gehört werden, sondern aktiv mitgestalten. So schaffen wir eine Stadt, in der alle jungen Menschen gerne leben, lernen und ihre Zukunft in die eigene Hand nehmen.

Die Bochumer Schulen sollen Orte und Räume sein, in denen sich Schüler*innen wohlfühlen und gerne Zeit verbringen, um angst- und mobbingfrei mit- und voneinander zu lernen. Dafür braucht es multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Sozialarbeiter*innen, Verwaltungskräften und anderen, die gut ausgestattet sind, um sinnvoll und kräfteschonend gemeinsam zu arbeiten. Notwendig sind ebenso multifunktionale Räume, die intakt, gepflegt und barrierefrei sind. Gute Schulen brauchen schöne Gebäude und Sportstätten sowie grüne Schulhöfe und Schulgärten, die an den Bedürfnissen derer ausgerichtet sind, die sich täglich darin bewegen. Dazu gehört auch ein gesundes kostenloses Mittagessen, das allen schmeckt und nachhaltig aus regionalen Produkten zubereitet wird.

Leider wird nach wie vor vielen Kindern und Jugendlichen aufgrund ihrer sozialen Herkunft der Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen und Abschlüssen erschwert. Kinder und Jugendliche aus reichen Familien haben viel größere Chancen auf einen qualifizierten Schulabschluss. Wer in einer Familie mit weniger Geld aufwächst, hat es viel schwieriger, einen qualifizierten Ausbildungs- oder Studienplatz zu bekommen.

Wie groß die soziale Spaltung in unserer Stadt ist, zeigt sich auch an den Unterschieden zwischen den einzelnen Stadtteilen.

Im Jahr 2023 hat kein einziges Kind aus dem Stadtteil Stiepel nach der vierten Klasse eine Hauptschulempfehlung erhalten, wohingegen 90 Prozent ein Gymnasium besuchen konnten.

In Wattenscheid Mitte sieht es deutlich anders aus: 26 Prozent der Schülerinnen und Schüler wechselten von der Grundschule auf eine Hauptschule, und nur 24 Prozent auf ein Gymnasium. Dass sich die Bildungs- und Berufschancen unserer Kinder an der Postleitzahl ablesen lassen, ist ein Skandal!

Länger gemeinsam lernen

Wir wollen die frühe, auch soziale, Trennung der Kinder verhindern. Die Linke fordert deshalb eine Schule für alle. Längeres gemeinsames Lernen bringt höhere Bildungserfolge und schult alle im empathischen Umgang miteinander. Um die Spaltungen in unserer Gesellschaft zu überwinden, ist es wichtig, dass Menschen aller sozialen und kulturellen Herkünfte schon im Kindesalter Kontakt haben. Als Schritt dahin brauchen wir in Bochum weitere Gesamtschulen. Die Stadt Bochum hat für das Schuljahr 2025/26 erneut 149 Erstanmeldungen für die fünften Klassen an den Bochumer Gesamtschulen wegen Platzmangels abgelehnt. Die hohen Anmeldezahlen für die Gesamtschule zeigen, dass diese Schulform bei den Eltern, Kindern und Jugendlichen sehr beliebt ist. Um der Nachfrage gerecht zu werden, reicht es nicht aus, wie jetzt geplant die Nelson-Mandela-Schule in Langendreer zur Gesamtschule umzuwidmen. Besonders in Wattenscheid muss in naher Zukunft dringend eine neue Gesamtschule errichtet werden. Das dreigliedrige Schulsystem verursacht großen psychosozialen Stress und Kummer: Nicht nur werden Kinder früh getrennt.

Wenn Probleme auftreten, bietet es Kindern nicht in der jeweiligen Schule passende Bildungs- und Unterstützungsangebote an.

Stattdessen zwingt es sie dazu, vom Gymnasium auf die Realschule oder von der Realschule auf die Hauptschule zu wechseln. Das sollte niemandem zugemutet werden. Daher sollte auch die Gründung von Primusschulen ermöglicht werden, an denen Schüler*innen von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam und inklusiv lernen können.

Den Ganztag gut gestalten

Ab 2026 gilt der Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Ganztagsgrundschule. Die Kapazitäten zügig auszubauen ist für die Kommunen eine große, aber wichtige Herausforderung. Kinder und Jugendliche, die Ganztagsangebote wahrnehmen, verbringen sehr viel Lebenszeit in den Bildungseinrichtungen. Die Linke fordert, den Ganztag abwechslungsreich und anregend zu gestalten. Kooperationen mit Sportvereinen, Musikschulen und anderen außerschulischen Partnern sollen gefördert werden. Um die Investitionen in Räume für Mittagsverpflegung und erweiterte Räume für Ganztagsangebote zu finanzieren, sollten auch Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes bereitgestellt werden. Wir treten ein für vollständige Lehr- und Lernmittelfreiheit. Schule muss so organisiert werden, dass keine teure Nachhilfe notwendig ist, die sich reichere Familien viel eher leisten können. Auch sollten Familien unterstützt werden, damit sie die steigenden Kosten für Klassenfahrten, Ausflüge und Nachhilfe bezahlen können.

Kinder ärmerer Familien dürfen nicht benachteiligt werden. Die Unterstützung sollte unbürokratisch und ohne öffentliche Bloßstellung stattfinden.

Dafür kämpft Die Linke:

  • Kommunen benötigen ausreichend Finanzmittel, auch aus den Bundessondervermögen, um die schulpolitischen Aufgaben stemmen zu können.
  • Der Schulsozialindex soll dazu dienen, die Schulentwicklung voranzutreiben und Ungleichheiten auszugleichen.
  • Nachbarkommunen sollen für ein breitgefächertes Angebot zusammenarbeiten.
  • Lehr- und Lernmittelfreiheit durchsetzen: Kostenfreies Schulmaterial für gleiche Ausstattung unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.
  • Der Weg zur Schule sollte für Kinder und Jugendliche nach Möglichkeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad sicher zurückgelegt werden können. In diesem Sinne muss das Konzept der Schulstraßen ausgeweitet werden. Alle Schüler*innen sollen ein kostenfreies Deutschlandticket erhalten, auch um nach der Schule und am Wochenende an Freizeitmöglichkeiten teilnehmen zu können.
  • Die Kommune muss die Schulen auch mit Fachpersonal unterstützen, auch mit “digitalen Hausmeister*innen”, um die digitale Infrastruktur auf dem neuesten Stand zu halten sowie die Netze zu warten und zu sichern.
  • Alle Beschäftigten in den Schulen sollen gute Löhne erhalten.

Bildungsgerechtigkeit

Die Bochumer Linke setzt sich für ein Bildungssystem ein, in dem soziale Herkunft nicht über Bildungserfolg entscheidet.

Bildung ist ein Grundrecht und muss für alle zugänglich, kostenfrei und chancengleich sein. Derzeit starten viele Kinder mit ungleichen Voraussetzungen ins Schulleben. Das wollen wir ändern.

Wir fordern mehr Ganztagsangebote mit kostenloser Verpflegung, kostenlose Schulmaterialien und freie Fahrt für Schüler*innen. Schulen in benachteiligten Stadtteilen benötigen mehr Personal, gezielte Förderung und bessere Ausstattung. Wir setzen uns dafür ein, dass Ressourcen gerecht und bedarfsorientiert verteilt werden.

Die Linke fordert:

  • Frühkindliche Bildungsangebote und Elternarbeit, insbesondere in Stadtteilen mit hohem Unterstützungsbedarf.
  • Zurückdrängung des Fachkräftemangels in den Bochumer Kitas durch mehr Ausbildungsplätze und Übernahmeregelungen sowie Erhöhung der Betreuungsqualität durch weniger Kinder pro Kita-Fachkraft.
  • Die Ausstattung aller Schulen mit kostenloser Mittagsverpflegung, Schulmaterialien und Fahrkarten.
  • Den Ausbau der Ganztagsbetreuung mit Fokus auf Bildungsgerechtigkeit und individueller Förderung sowie Qualitätssicherung der Ganztagsbetreuung, etwa hinsichtlich des Betreuungsschlüssels und des Raumangebots.
  • Mehr Sozialarbeiter*innen, Lernbegleiter*innen und Schulpsycholog*innen – insbesondere an Schulen in benachteiligten Stadtteilen.

Inklusion

Die Linke Bochum setzt sich für den Umbau des Bildungssystems hin zu inklusiver Bildung ein. Auch hierfür braucht es mehr Gesamtschulen als Lebens- und Lernorte für alle Kinder. Schulen müssen so gebaut oder soweit möglich umgestaltet werden, dass sie den Bedürfnissen von Kindern mit Behinderung gerecht werden. Wie das funktionieren kann, zeigt etwa die Matthias-Claudius-Schule in Bochum-Weitmar. Hier lernen bereits seit 25 Jahren Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Allerdings handelt es sich um eine Schule in privater Trägerschaft. Inklusive pädagogische Konzepte müssen allen zugänglich sein und deshalb viel stärker Teil des öffentlichen Schulsystems werden. Es braucht außerdem kleinere Klassen und mehr Personal aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Lehrkräfte müssen für die Anforderungen inklusiven Unterrichts geschult und weitergebildet werden. Wir wollen jedem Kind mit Förderbedarf einen Platz an einer Regelschule anbieten können und Förderschulen langfristig auf das notwendige Minimum verkleinern.

Die Linke setzt sich ein für:

  • Die Verwirklichung des Rechts aller Kinder mit Behinderung an einer Regelschule unterrichtet zu werden.
  • Den Aus- und Umbau von Schulen, um den Bedürfnissen von Kindern mit Behinderung gerecht zu werden. Dazu gehören der barrierefreie Zugang mit Rollstuhl, die technische Ausstattung für die Bedarfe von Kindern mit Hör- und Sehbehinderungen sowie separate Räume für Differenzierungsunterricht.
  • Die Ausarbeitung und Umsetzung von inklusiven Konzepten an allen Bochumer Schulen, wobei der Schwerpunkt bei Grund- und Gesamtschulen liegen soll.
  • Mehr Personal mit unterschiedlicher Ausbildung an Schulen, also auch Fachkräfte für Heil- und Sonderpädagogik, Sozialarbeiter*innen und Schulpsycholog*innen (multiprofessionelle Teams).
  • Die Schulung von Lehrpersonen zum Thema inklusiver Bildung.
  • Die Begrenzung der Klassengröße auf 20 Kinder.
  • Dort, wo inklusive Beschulung (noch) nicht möglich ist, sollen kooperative Projekte zwischen Förder- und Regelschulen etabliert werden.

Mitbestimmung

Demokratie beginnt in der Schule. Die Bochumer Linke steht für eine Bildung, die Mitbestimmung, Selbstwirksamkeit und politische Bildung fördert. Kinder und Jugendliche sollen ihre Meinung äußern, mitgestalten und Verantwortung übernehmen können – nicht nur im Politikunterricht, sondern auch sonst im Schulalltag. Gerade der Rechtsruck der vergangenen Jahre und die damit verbundene Menschenfeindlichkeit machen deutlich, wie wichtig gerade jetzt Bildung zur aktiven Mitbestimmung in einer vielfältigen Gemeinschaft ist.Schüler*innenvertretungen brauchen mehr Rechte, Zeit und Unterstützung. Politische Bildung soll lebensnah, kritisch und aktuell sein – mit Raum für Diskussionen über Themen wie Klimagerechtigkeit, Rassismus oder soziale Ungleichheit. Beteiligungsprojekte, Jugendparlamente und Kooperationen mit Initiativen machen Demokratie erlebbar.

Die Linke setzt sich ein für:

  • Den Ausbau politischer Bildung als festem Bestandteil aller Schulformen – praxisnah, aktuell und kritisch.
  • Die Stärkung von Schüler*innenvertretungen durch Ressourcen, Zeit und Fortbildungen.
  • Die Hälfte der Stimmen in den Schulkonferenzen soll von Schüler*innen gestellt werden.
  • Beteiligung von Schüler*innen, Eltern und pädagogischem Personal bei Schulentwicklungsprozessen.
  • Kooperationen zwischen Schulen und zivilgesellschaftlichen Gruppen, zum Beispiel zu Themen wie Klimaschutz, Antirassismus, Frieden oder Demokratie.

Mehrsprachigkeit

Viele Kinder und Jugendliche in Bochum sind mehrsprachig, da sie in ihren Familien türkisch, italienisch, arabisch, kurdisch, farsi, urdu, griechisch, bosnisch oder eine andere Sprache sprechen. Das Recht auf Erhalt und Förderung der Familiensprache und liegt uns am Herzen. Genauso wichtig ist es, die mehrsprachigen Lernenden in ihren Lernprozessen zu unterstützen.

Die Linke fordert:

  • Der Zugang zu herkunftssprachlichem Unterricht muss für alle mehrsprachig aufwachsenden Kinder einfach sein, unter Umständen auch in digitaler Form.
  • Wir wollen, dass die Fertigkeiten und Kenntnisse in den Herkunftssprachen unbürokratisch anerkannt werden.

Lehrkräfte und Demokratie stärken

Die Linke setzt sich dafür ein, Lehr- und Fachkräfte zu stärken und Unsicherheiten zu beseitigen. Übergeordnete Stellen wie das Kommunale Integrationszentrum und das Regionale Bildungsbüro sollen ihr Qualifizierungsangebot erweitern. Demokratiebildung ist ein zentraler Bestandteil des staatlichen Erziehungs- und Bildungsauftrags. Angesichts der Angriffe von rechts müssen alle Lehrkräfte wissen, dass sie umstrittene Positionen durchaus als umstritten darstellen dürfen (Beutelsbacher Konsens).

Ausbildung, Erwachsenen- und Weiterbildung

Viele Jugendliche suchen nach der Schule nach einem Ausbildungsplatz, obwohl Stellen offen sind. Die Linke will Berufkollegs, Arbeitsagentur, Berufsinformationszentrum und kommunale Bildungsberatung verknüpfen, damit Jugendliche einen zentralen Anlaufpunkt erhalten. Wichtig ist, die Jugendlichen zu erreichen, die die weiterführende Schule ohne Abschluss verlassen haben, und jene, die lange der Schule ferngeblieben sind. Ebenso müssen junge Erwachsene Schulabschlüsse niederschwellig nachholen können und im Anschluss Perspektiven für eine Ausbildung oder schulische Weiterbildung erhalten.

Auch Bildung von Erwachsenen jeden Alters ist ein Kernthema linker Politik, denn für uns ist das Recht auf Lernen in jedem Alter wichtig.

Die Angebote der Volkshochschulen sollen ausgebaut werden. Wir wollen insbesondere auch Angebote für politische Bildung fördern, denn die Kommunen müssen sich der Verantwortung stellen, die Demokratie mit den Mitteln politischer Bildung wehrhaft zu machen.

Elementare Grundbildung und Orientierungsangebote in der komplexen digitalen Lebenswelt müssen auch Erwachsenen immer kostenlos zugänglich sein. Dazu gehören Alphabetierungsangebote sowie alle Lerninhalte, die zum Erwerb der ersten Schulabschlüsse führen. In den Bereichen der beruflichen Weiterbildung dürfen private Träger das öffentliche Weiterbildungsangebot nicht infrage stellen und ersetzen. Öffentliche Bildungseinrichtungen sollen nicht mit privaten Trägern um Projektmittel konkurrieren müssen, denn das führt zu Honorardumping bei den Lehrenden. Wir fordern einen Aufbau von Bildungszentren mit langfristiger Finanzierungssicherheit in öffentlicher Hand, deren Angebote alle Bochumer Stadtteile erreichen. Ein Prozent des Landesbildungsbudgets soll eingesetzt werden, um die Angebotsqualität und die Gestaltung der Arbeitsplätze zu verbessern. Das unter Finanzminister Christian Lindner verabschiedete Gesetz zur Einführung der Umsatzsteuer auf die Angebote der Volkshochschulen muss zurückgenommen werden.

Die Linke tritt ein für:

  • Gute Beratung für Jugendliche am Ende der weiterführenden Schule.
  • Erhalt und Ausbau der Möglichkeiten, Schulabschlüsse nachzuholen.
  • Sichere Finanzierung der Volkshochschule (VHS), Erhalt der Bildungszentren. Politische Bildung zur demokratischen Beteiligung stärken.
  • Kostenfreies Angebot zur Grundbildung aller, von der Alphabetisierung bis zum ersten Schulabschluss.
  • Gute Arbeitsbedingungen für die Lehrenden, keine Dumping-Honorare und Scheinselbständigen-Verträge.
  • Erhalt und Ausbau der Bildungsangebote der Volkshochschule, damit die VHS ihrem Bildungsauftrag auch gerecht werden kann.

Sponsoring und Privatisierung im Bildungswesen

Die fortschreitende Privatisierung in den Kommunen führt dazu, dass immer mehr Menschen vom gleichberechtigten Zugang zu Bildung ausgeschlossen werden. Werbung und Wirtschaft haben Schulen für sich entdeckt. Unter dem Einfluss privatwirtschaftlicher Faktoren wie Sponsoring und der damit verbundenen Produktwerbung verlieren öffentliche Schulen ihren zur Neutralität verpflichtenden Bildungsauftrag. Die Linke fordert eine gerechte, demokratische Bildung und spricht sich gegen jegliche Privatisierungstendenzen im Bildungswesen aus.

Die Weiterbildung ist der inzwischen am stärksten kommerzialisierte Bildungsbereich in Deutschland. Neben den privaten Weiterbildungseinrichtungen sind die allgemeinbildenden Privatschulen und private Schulen, die eine Berufsausbildung anbieten, auf dem Vormarsch. Auch hier gilt: Nur wer zahlt, darf hier lernen – das ist ein Aushebeln der demokratischen Bildungsangebote.

Die Linke lehnt ab, dass:

  • Sponsoring die pädagogische Freiheit und die Lehrpläne beeinflusst. Privatwirtschaftliche Interessen einseitig den schulischen Bildungsauftrag vereinnahmen.
  • Produktwerbung und Kommerz zum Alltag in Schulen werden. Eltern immer mehr zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden, entweder durch Geld- oder Sachleistungen.
  • Die Bundeswehr an Schulen und Berufsmessen auftritt und bei Minderjährigen für In- und Auslandseinsätze wirbt.

Bochum ist eine Stadt der Vielfalt, doch noch immer erleben Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-Binäre, Trans- und Agender-Personen (FLINTA) sowie queere Menschen Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt im Alltag, am Arbeitsplatz und im eigenen Zuhause. Eine gerechte Gesellschaft beginnt mit einer konsequenten Gleichstellungspolitik, die gleichberechtigte Teilhabe im Beruf, in der politischen Aktivität, in der Bildung und in der öffentlichen Wahrnehmung sichert und alle vor Diskriminierung und Gewalt schützt. Benachteiligungen wie der nach wie vor bestehende Lohnunterschied, der viel höhere Anteil von Männern in Positionen mit Entscheidungsmacht, Sexismus und Menschenrechtsverletzungen sind kein Zufall, sondern Folgen gesellschaftlicher Herrschaftsstrukturen, die überwunden werden müssen. Deshalb reicht uns Gleichstellung allein nicht aus. Geschlechtergerechte Politik ist Gesellschaftspolitik und betrifft die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen, Männern, Trans- und Inter-Personen, ohne dass ein Geschlecht oder eine Lebensweise als Norm gesetzt wird. Nötig sind Aufklärungsarbeit in den Bildungseinrichtungen, eine solidarische Anpassung der Sozialsysteme, professionelle Sorgearbeit und eine Aufwertung von personenbezogenen Dienstleistungen. Das Ziel unserer Politik ist eine offene und akzeptierende Gesellschaft, eine gerechte Aufteilung von bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten sowie eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung und Pflege ohne Benachteiligung der in diesen Bereichen arbeitenden Menschen. Hier hat die Stadt Bochum eine Vorbildfunktion, der sie gerecht werden muss.

Schluss mit geringeren Löhnen und ungerechter Arbeitsteilung

Frauen sind weiterhin strukturell benachteiligt: Sie verdienen im Durchschnitt deutlich weniger als Männer: Der sogenannte Gender Pay Gap liegt nach wie vor bei 16 Prozent. Frauen machen zwei Drittel der Menschen aus, die auf den Mindestlohn angewiesen sind. Dafür übernehmen sie rund 50 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit. Wer für Kinder Verantwortung übernimmt, braucht besondere Unterstützung.

Die Linke fordert:

  • Einführung eines kommunalen Gleichstellungs-Checks für Vergaben und Fördermittel: Bei öffentlichen Aufträgen und Förderungen sollen nur Unternehmen berücksichtigt werden, die faire Löhne zahlen und geschlechtergerechte Entgeltstrukturen nachweisen.
  • Städtische Betriebe und Beteiligungsgesellschaften wollen wir verpflichten, regelmäßig geschlechtsdifferenzierte Lohnanalysen zu veröffentlichen. Ungleichbehandlungen müssen öffentlich gemacht und korrigiert werden.
  • Ein Eltern-Mentoring für Beschäftigte der Stadt Bochum und der kommunalen Tochtergesellschaften, das Männer darin bestärkt, aktiv Sorgearbeit zu übernehmen und gleichberechtigt in Elternzeit zu gehen.
  • Besondere Maßnahmen zur Unterstützung alleinerziehender Elternteile unter anderem bei der Wohnungsbeschaffung, Kinderbetreuung und Versorgung im Krankheitsfall.
  • Die Förderung des beruflichen Wiedereinstiegs von Elternteilen durch den Ausbau der Kinderbetreuung, die wohnortnah und vollständig kostenlos sein muss.

Selbstbestimmung ermöglichen, Trans- und Queerrechte stärken

Trans- und intergeschlechtliche Personen sind besonders häufig von Benachteiligungen betroffen. Die Linke Bochum steht für eine Gesellschaft der Gleichheit, unabhängig von geschlechtlicher und sexueller Identität. Unsere Geschlechtergerechtigkeit denkt die Bedarfe queerer Personen immer mit, etwa in der Gesundheitsversorgung, im Umgang mit kommunalen Behörden oder im Kampf für soziale Gerechtigkeit. Wir treten für die vollständige rechtliche Gleichstellung und die Verteidigung der Selbstbestimmung ein.

Darunter fallen der selbstbestimmte Geschlechtseintrag, also die Vornamens- und Personenstandsänderung durch einfache Erklärung beim Standesamt. Die Reform des Familienrechts ist uns ein weiteres Anliegen: Dazu zählen die Einführung des Modells der Verantwortungsgemeinschaft, welche die Anerkennung aller Elternteile ohne bürokratische Hürden ermöglicht, und die Unterstützung von Regenbogenfamilien.

Wir fordern außerdem die Erweiterung von Artikel 3 des Grundgesetzes zur Gleichberechtigung um die Merkmale sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität. Wir wollen die Rechte der besonders vulnerablen Gruppen der trans* und intergeschlechtlichen Kinder und Jugendlichen stärken, und zwar durch Anerkennung der selbst benannten Geschlechtszugehörigkeit, das Verbot von nicht notwendigen Operationen an intergeschlechtlichen Kindern und die Schließung aller Lücken beim Verbot von Konversionstherapien.

Die Einführung eines bundesweiten Antidiskriminierungsgesetzes und eine Nachbesserung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes sind überfällig. Für all das kämpft Die Linke auf Bundesebene. Doch auch bei uns vor Ort in Bochum können wir viel für eine Stadtgesellschaft tun, in der alle ohne Angst verschieden sein können.

Die Linke fordert:

  • Aktive Förderung queerer und feministischer Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, etwa durch Kulturveranstaltungen sowie die Unterstützung von Projekten zur Erinnerung an weibliche und queere Geschichte sowie an die Verfolgung und Diskriminierung von Frauen und queeren Menschen.
  • Ausbau und Förderung queerer und feministischer Treffpunkte sowie Jugendzentren, auch in Bochums Randbezirken sowie queerer Angebote in bestehenden Einrichtungen (z. B. Bürgerhäuser, VHS, Bibliotheken).
  • Paritätische Besetzung und Quotierung aller städtischen Gremien, Ämter und Unternehmen, um die politische Teilhabe von FLINTA abzusichern, Verankerung queerer Themen und Perspektiven in allen kommunalpolitischen Ausschüssen.
  • Sensibilisierung und Unterstützung von Kitas, Schulen und Behörden im Umgang mit queeren Familienformen, regelmäßige und verbindliche Schulungen für alle städtischen Mitarbeitenden zu gendersensibler Sprache und diskriminierungsfreiem Umgang.
  • Einführung von Programmen zur politischen Bildung, die speziell auf FLINTA ausgerichtet sind und deren politische Teilhabe fördern.
  • Weiterentwicklung des kommunalen Gleichstellungsplans mit erweiterter Perspektive auf FLINTA und queere Menschen inklusive eines Fortschritts- Monitorings.
  • Jährlicher Bericht zur Lage queerer Menschen in Bochum, gemeinsam erarbeitet mit Organisationen und queeren Einrichtungen.

Sexismus und Gewalt bekämpfen

Gewalt ist allgegenwärtig, jeden zweiten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet. Wir sagen: solche Femizide sind keine Einzelfälle, sondern haben System – jede Tote ist eine zu viel! Wer zusätzlich zum Sexismus auch von Rassismus oder anderen Formen der Diskriminierung betroffen ist, etwa auf Grund von Behinderung, steht vor besonderen Herausforderungen. Seit mittlerweile sechs Jahren organisieren zivilgesellschaftliche Initiativen in Bochum starke Demonstrationen anlässlich des Internationalen Frauenkampftags am 8. März sowie die feministischen Aktionswochen, welche diese und viele weitere Themen in die Stadtgesellschaft tragen. Die Linke Bochum unterstützt selbstorganisierte feministische Sichtbarkeit und den Kampf gegen jede Form von Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt. Viele Frauen und queere Menschen machen nicht nur in Bochum auf ihren alltäglichen Wegen die Erfahrung unerwünschter Aufmerksamkeit und anzüglicher Kommentare. In den vergangenen Jahren hat eine feministische Gruppe diese “Catcalls” gesammelt und mit Kreide dort auf den Boden geschrieben, wo sich die Vorfälle ereignet haben. Eine großartige Weise das Problem sichtbar zu machen, denn Hinterherrufen oder pfeifen zeugen von fehlendem Respekt für die Grenzen anderer Menschen, erzeugen Angst und schränken Wohlbefinden und Bewegungsfreiheit ein. Das sind nur einige von vielen Beispielen, die zeigen, warum wir eine feministische Kommunalpolitik brauchen, die in der Stadt eine Atmosphäre schafft, in der sich alle Menschen wohlfühlen können.

Die Linke fordert:

  • Null Toleranz im Sinne Istanbul-Konvention gegenüber Sexismus, (sexualisierter) Gewalt und Diskriminierung im öffentlichen Raum, in der Verwaltung und bei öffentlichen Veranstaltungen.
  • Konsequente Strafverfolgung und gezieltes Vorgehen gegen geschlechtsspezifische und queerfeindliche Gewalt, inklusive Sensibilisierung von Polizei und Verwaltung.
  • Erhöhung der Sicherheit im öffentlichen Raum durch bessere Straßenbeleuchtung, Notrufsäulen und kostenfreie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.
  • Ausbau und Sicherstellung wohnortnaher, barrierefreier und bei Bedarf mobiler Präventions- und Schutzangebote für von Gewalt betroffene Frauen, queere Menschen und deren Kinder, eine städtischen Meldestelle für queerfeindliche Gewalt sowie die bedarfsdeckende und dauerhafte Finanzierung von Beratungsangeboten wie der Rosa Strippe e.V. sowie von feministischen und queeren Initiativen.
  • Erweiterung sicherer Rückzugsräume, Notunterkünfte und psychosozialer Beratung: Dazu gehören der Ausbau von Schutz- und Beratungsangeboten für queere Geflüchtete und Migrant*innen sowie die bedarfsabhängige Ergänzung von Notrufnummern und Krisendiensten.
  • Ausbau der Kapazität und kontinuierliche Finanzierung des Bochumer Frauenhauses sowie von FLINTA-Häusern, in denen auch Transpersonen und ihre Kinder Schutz finden und die kostenfrei und unabhängig von Aufenthaltsstatus oder Sozialleistungsanspruch zugänglich sind.
  • Schaffung flächendeckender FLINTA- und genderneutraler Toiletten in allen öffentlichen Gebäuden und im öffentlichen Raum.
  • Stärkung der Rechte von Sexarbeiter*innen: Ausbau von Ein- und Ausstiegsberatungen sowie die langfristige finanzielle Absicherung von niedrigschwelligen Beratungs- und Unterstützungsangeboten wie der Beratungsstelle des Madonna e.V.
  • Besondere Maßnahmen zur Unterstützung alleinerziehender Elternteile unter anderem bei der Wohnungsbeschaffung, Kinderbetreuung und Versorgung im Krankheitsfall.
  • Die Förderung des beruflichen Wiedereinstiegs von Elternteilen durch den Ausbau der Kinderbetreuung, die wohnortnah und vollständig kostenlos sein muss.

Empowerment gegen Antifeminismus und Queerfeindlichkeit

In Bochum wird seit einigen Jahren wie in vielen anderen Städten in Deutschland der Christopher Street Day gefeiert. Diese fröhlich-lauten Paraden erinnern an den Widerstand gegen polizeiliche Willkür und Gewalt gegenüber queeren Menschen. Die Feste machen das queere Leben in unserer Stadt sichtbar und sind außerdem ein wundervoller Anlass für Begegnungen und ausgelassenes Feiern. Was die Stimmung trübt, sind die Angriffe Rechtsradikaler auf CSDs: 2024 wurden hierzulande 20 Gegenaktionen gezählt, die Parade in unserer Nachbarstadt Gelsenkirchen musste im Mai 2025 sogar wegen einer “abstrakten Bedrohungslage” abgesagt werden.

Wir akzeptieren nicht, dass Nazis eine Atmosphäre des Ausschlusses und Hasses erschaffen, und dass sie durch Drohungen und Gewalt über die Nutzung des öffentlichen Raumes entscheiden. Wir werden auch nicht tolerieren, dass Rechte in den Parlamenten und in öffentlichen Debatten durch ihre Agitation gegen Selbstbestimmung und queeres Leben versuchen, die Gewalt auf der Straße ideologisch abzusichern. Bochums Orte des queeren Lebens, wie die vom KosmoPolis e.V. organisierte Oval Office Bar und das Zentrum für queere Kultur und Bildung Fluid, wollen wir nicht nur bestmöglich unterstützen. Wir fordern auch ein, sie wirkungsvoll gegen rechte Übergriffe zu schützen.

Die Linke fordert:

  • Unterstützung von und Beteiligung an Aktionstagen wie dem Internationalen Frauentag, dem Christopher Street Day und den Bochumer Frauenwochen.
  • Städtische Bildungsangebote sowie Präventions- und Aufklärungskampagnen gegen Sexismus, Antifeminismus und Queerfeindlichkeit zum Beispiel in Schulen, Vereinen und der Jugendarbeit.
  • Einrichtung einer städtisch finanzierten, unabhängigen und niedrigschwelligen Anlauf- und Meldestelle für queerfeindliche Gewalt in enger Zusammenarbeit mit queeren Bochumer Organisationen.
  • Einen kommunalen Aktionsplan gegen Queerfeindlichkeit in Bochum, Einführung einer städtischen Queer-Beauftragtenstelle mit eigenem Budget und Handlungsbefugnissen.
  • Einen kommunalen Fördertopf und Nutzungsmöglichkeiten städtischer Räume für feministische und queere Projekte und Einrichtungen, etwa Vereinsräume, Clubs, Bars und Cafés.
  • Förderung von Selbsthilfe- und Aufklärungsprojekten queerer und feministischer Initiativen sowie deren Unterstützung bei der Professionalisierung durch Beratung, Netzwerke und Zugänge zu städtischen Ressourcen.

Gendergerechtigkeit ist ein Gesundheitsthema

Wir wollen die kostenfreie Verfügbarkeit von reproduktiver Medizin und Verhütungsmitteln sowie die Sicherstellung eines wohnortnahen und diskriminierungsfreien Zugangs zu Schwangerschaftsabbrüchen. In Bochum leben grob geschätzt mindestens 80.000 Frauen im gebärfähigen Alter, aber es gibt bei uns laut Bundesärztekammer genau einen Frauenarzt, der Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Der § 218 im Strafgesetzbuch, der gegen den erklärten Willen der Bevölkerungsmehrheit die Abtreibung innerhalb der ersten zwölf Wochen kriminalisiert, muss gestrichen werden. Alle Menschen müssen den freien Zugang zu allen notwendigen medizinischen Leistungen (darunter auch Transition bzw. Geschlechtsangleichung) haben, deren Kosten durch die Krankenkassen übernommen wird, und das unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Dazu gehört auch, dass wir sicherstellen müssen, dass kommunale Gesundheitsdienste queerfreundlich und inklusiv arbeiten.

Die Linke fordert:

  • Sicherstellung eines diskriminierungsfreien Zugangs zur medizinischen Versorgung für alle. Besonders für Frauen, Trans-, Inter- und Nichtbinäre Personen müssen Versorgungslücken geschlossen werden.
  • Kostenfreie Bereitstellung von Menstruations- und Hygieneprodukten in allen öffentlichen Einrichtungen, insbesondere Schulen und Universitäten, und flächendeckende kostenlose Bereitstellung von Verhütungsmitteln als Teil der städtischen Gesundheitsversorgung.
  • Freier Zugang zu allen notwendigen medizinischen Leistungen (u.a. Transition, Psychotherapie und Schwangerschaftsabbruch) bei Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen, unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
  • Einrichtung und Ausbau dezentraler Gesundheitszentren mit Kompetenzen in den Bereichen der trans-, inter- und frauenspezifischen Gesundheit, der psychischen Gesundheit und der HIV-Prävention. Es muss sichergestellt sein, dass die kommunalen Gesundheits- und Sozialdienste queerfreundlich und inklusiv arbeiten.
  • Eine städtische Gesundheitskampagne, die FLINTA über ihre spezifischen Gesundheitsrechte und Angebote informiert sowie die Einführung einer queeren Bochumer Gesundheitswoche, um Angebote, Aufklärung und niedrigschwellige Beratung sichtbar zu machen.
  • Förderung von Schulungsangeboten zu sexualpädagogischen und geschlechtsspezifischen Themen sowie FLINTA-Rechten für Kitas, Ärzt*innen, Pflegekräfte und Therapeut*innen in Kooperation mit queeren Organisationen.

Wir sagen klar: Die Rechte von FLINTA und queeren Menschen sind Menschenrechte und dürfen niemals zur Disposition stehen. Unser Ziel ist ein Bochum, in dem niemand Angst vor Armut, Ausgrenzung oder Gewalt haben muss – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität oder anderen Merkmalen. Wir setzen uns für Freiheit, Selbstbestimmung, soziale Sicherheit und Schutz vor Gewalt für alle ein. Gemeinsam gestalten wir ein Bochum, in dem Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv gelebt und geschützt wird – für ein selbstbestimmtes, sicheres und solidarisches Leben aller Menschen.

Auch in Bochum nimmt die Zahl älterer Menschen deutlich zu. Inzwischen ist mehr als ein Viertel der Bochumer Bevölkerung älter als 60 Jahre. Dem muss die Stadt Rechnung tragen. Ziel einer aktiven kommunalen Seniorinnen- und Seniorenpolitik muss sein, die volle Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben in Bochum zu gewährleisten. Die Linke wendet sich gegen alle Versuche, unter dem Schlagwort der Generationengerechtigkeit Alte und Junge gegeneinander auszuspielen. Die meisten Älteren sind aktiver Teil der städtischen Gemeinschaft. Viele von ihnen wollen dauerhaft, auch im Alter, selbstständig in ihren bisherigen Wohnungen leben und an den gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Aktivitäten in der Stadt teilnehmen. Das unterstützen wir. Oberstes Ziel kommunaler Politik muss sein, auch älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu ermöglichen. Die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Leben unserer Stadt muss gewährleistet werden. In der Verkehrs- und Bauplanung ist auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen. Dabei sollen die älteren Menschen unmittelbar mitentscheiden. Der erste Schritt, um die Teilhabe von Seniorinnen und Senioren zu verbessern und gleichzeitig das Einbringen ihrer Anliegen in die kommunale Politik zu gewährleisten, ist die Stärkung des Seniorenbeirates. Wir wollen den Seniorenbeirat mit umfassenden Beratungsmöglichkeiten und der Entscheidung über einen festen Katalog an Fördermaßnahmen für Seniorinnen und Senioren sowie ein eigenes Budget ausstatten. Die Mitglieder des Seniorenbeirates sollen in direkter Wahl von den Menschen in Bochum gewählt werden, die über 60 Jahre alt sind.

Wohnen im Alter

Seniorinnen und Senioren sollen die Möglichkeit haben, weiter in ihrem Stadtteil zu wohnen und sich sicher und ohne Barrieren in der Stadt zu bewegen. Die kommunale Wohnungsbaupolitik steht vor der Herausforderung, für Seniorinnen und Senioren geeigneten Wohnraum zu schaffen. Hier ist insbesondere die mehrheitlich städtische VBW gefordert. Dabei sind neue Wohnformen, wie zum Beispiel Seniorenwohn- und Hausgemeinschaften, integrierte Wohnanlagen und Mehrgenerationenwohnungen, sowie eine Vernetzung mit bei Bedarf abrufbaren Hilfesystemen weiterzuentwickeln. Hierdurch wird die Selbstständigkeit älterer Menschen erhalten und gestärkt. Seniorinnen und Senioren sollen jederzeit selbstständig über ihren Wohnort bestimmen können.

Erreichbarkeit und Mobilität

Im Alter bekommt der Wunsch nach Mobilität eine neue Dimension. Die Fortbewegung mit Bus und Bahn, zu Fuß und mit dem Rad nimmt eine immer größere Rolle ein. Wir wollen die Verkehrssicherheit für ältere Menschen durch angemessene Fuß- und Radwege, Querungshilfen und einen sicher fließenden Verkehr erhöhen. Wohnstraßen sollen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Bei der Weiterentwicklung des Konzeptes für Busse und Bahnen müssen die Belange der älteren Menschen stärker berücksichtigt werden.

Ob es um die Vernetzung der verschiedenen Strecken geht, mit den jeweiligen Umsteigezeiten, um Ruhebänke oder schlicht und einfach den Zugang zu Bussen und Bahnhöfen. Die Planung muss den berechtigten Belangen von Seniorinnen und Senioren entsprechen. Fahrplaninformationen müssen einfacher verständlich sein. Die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren müssen sich auch in der Stadtplanung niederschlagen. Von der Nahversorgung mit Lebensmitteln und Dienstleistungen über wohnortnahe Grünflächen zum Spazierengehen bis hin zu erhöhten Ansprüchen an Sicherheit im öffentlichen Raum ist eine Verbesserung der Situation vor allem in den dicht bebauten Wohnquartieren dringend notwendig.

Weiterbildung und Teilhabe

Ältere Menschen sind in hohem Maße an Bildungs- und Weiterbildungsangeboten interessiert. Die Teilhabe an der modernen Wissensgesellschaft darf nicht auf junge in der Ausbildung oder im Beruf stehende Menschen beschränkt bleiben. Die Volkshochschule soll deshalb stärker als bisher den Zugang zur und das Erlernen der Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien für ältere Menschen ermöglichen. Die demografische Entwicklung bedingt auch, dass es nicht nur mehr aktive, sondern ebenfalls mehr pflegebedürftige ältere Menschen gibt. Auch erhöhte Pflegebedürftigkeit darf nicht den Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben bedeuten. Kommunale Wohnungspolitik muss auch die Voraussetzungen für häusliche Pflege schaffen.

Wenn Menschen alters- oder krankheitsbedingt dennoch nicht zuhause gepflegt werden können oder wollen, müssen kleine kommunale Wohneinheiten geschaffen werden. Ein Wechsel der Wohnform (eigene Wohnung, Wohngruppen, Heimunterbringung) muss jederzeit selbstbestimmt möglich sein.

Bochumer Senior*inneneinrichtungen kommunal weiterentwickeln

Den von SPD, CDU und Grünen sowie der Stadtverwaltung in die Wege geleiteten Teilverkauf der städtischen Senior*inneneinrichtungen (SBO) lehnen wir strikt ab. Mit diesem Schritt gibt die Stadt wichtige Einflussmöglichkeiten in einem zentralen sozialen Bereich aus der Hand. Die Versorgung älterer Menschen ist eine wesentliche Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge und sie darf nicht primär unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Wir treten für eine SBO in städtischem Eigentum ein und wollen sie gemeinsam mit den Beschäftigten weiterentwickeln – für bestmögliche Pflege und gute Arbeitsbedingungen.

Der Neubau von Alten- und Pflegeheimen für die SBO war ein wichtiger Schritt. Allerdings war es eine falsche Entscheidung, die Gebäude durch die Wohnungsgesellschaft VBW bauen zu lassen und nicht durch die SBO selbst. Die Pachtverträge führen jetzt zu zusätzlichen finanziellen Belastungen für die SBO – zumal die Rathauskoalition aus SPD und Grünen die VBW nach wie vor zur Erwirtschaftung hoher Gewinne verpflichtet.

Wir kritisieren, dass die Mehrheitsparteien unter anderem hiermit einen Teil des angeblichen Zuschussbedarfs produziert haben, mit dem sie nun ihren Plan begründen, die Stadt ganz aus der Versorgung von älteren Menschen mit Pflege und Unterkunft zurückzuziehen.

Trotz dieser Bedingungen: Dass der Betrieb der SBO in städtischer Hand zwangsläufig defizitär ist, er aber durch einen Verkauf an einen kirchlichen Träger plötzlich ohne Verschlechterung der Arbeitsbedingungen oder sonstiger Standards zu einer guten und werthaltigen Investition werden soll, ist wenig glaubwürdig. Die Linke wird daher im Bochumer Rat dafür kämpfen, 2026 die endgültige Übernahme durch die Diakonie zu verhindern und die SBO wieder in die Trägerschaft der Stadt zurückzuführen.

Bei der Neugestaltung von Alten- und Pflegeheimen ist besonders zu berücksichtigen, dass der Anteil von Pflegebedürftigen nichtdeutscher Herkunft ständig wächst. Sprachbarrieren müssen beseitigt werden, und die Einrichtungen müssen auf die Lebens- und Essgewohnheiten von allen eingehen können, unabhängig von ihrer Herkunft.

Die Linke tritt ein für:

  • Vollständige Rückführung der SBO in städtische Trägerschaft und Ausbau des Angebots, damit es den Bedürfnissen einer alternden Gesellschaft gerecht wird.
  • Möglichkeiten zum Verbleib älterer Menschen in ihrem gewohnten Wohnumfeld. Die Stadt Bochum muss eine Entmietung älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger verhindern.
  • Begegnungs- und Versorgungsangebote in erreichbarer Nähe.
  • Einen bedarfsgerechten Bau und Ausbau sozialer Wohnformen, die altersgerechtes und selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen, insbesondere durch eine am Gemeinwohl orientierte VBW.
  • Förderung von Wohnprojekten, in denen Alt und Jung zusammenwohnen können.
  • Förderung der Mobilität von Seniorinnen und Senioren durch den ÖPNV. Die Tarife sind so zu gestalten, dass diese auch bei geringer Rente bezahlbar sind. Unser Ziel ist ein öffentlich und solidarisch finanzierter Nahverkehr für alle.
  • Stärkung der Mitwirkung älterer Menschen durch Aufwertung des Seniorenbeirats.
  • Verbesserung der Hilfe für pflegende Angehörige, inklusive pflegefachlicher Beratung.
  • Qualitativ hochwertige Pflegeangebote in öffentlicher Trägerschaft und das Recht, auf Wunsch ein Einzelzimmer in einer Pflegeeinrichtung zu bekommen.
  • Bedarfsgerechte Weiterentwicklung des Bochumer Netzwerkes Palliativmedizin und des Hospizangebotes.
  • Ausbau und Schaffung von angemessenen, diskriminierungsfreien Seniorenbegegnungsstätten und Wohnprojekten.

Bochum muss eine Stadt für alle sein auch für behinderte Menschen. Doch der Alltag in unserer Stadt zeigt: Von echter Inklusion sind wir noch weit entfernt. Ob im öffentlichen Nahverkehr, im Bildungsbereich, auf dem Arbeitsmarkt oder beim Zugang zu Freizeitangeboten, Barrieren bestehen weiter, nicht nur baulich, sondern auch in den Köpfen. Dabei ist Behinderung keine individuelle Schwäche, sondern entsteht dort, wo Strukturen ausschließen anstatt einzubeziehen.

Eine solidarische Stadt erkennt die Vielfalt menschlicher Fähigkeiten an und gestaltet ihre Angebote, Räume und Institutionen von Anfang an barrierefrei physisch, kommunikativ und sozial. Inklusion ist kein Extra, sondern ein Menschenrecht. Das bedeutet: Bochum muss dafür sorgen, dass behinderte Menschen in allen Lebensbereichen mitbestimmen, mitgestalten und teilhaben können selbstbestimmt und gleichberechtigt.

Als Linke stehen wir an der Seite behinderter Menschen und ihrer Organisationen. Wir fordern eine Stadtpolitik, die Barrieren abbaut, Teilhabe fördert und Behindertenfeindlichkeit entschieden entgegentritt. Das beginnt bei barrierefreien Verwaltungswegen, geht über inklusive Bildungseinrichtungen und endet nicht bei bezahlbarem, rollstuhlgerechtem Wohnraum. Menschen mit Assistenzbedarf brauchen verlässliche Unterstützung und keine ständige Angst vor Leistungskürzungen oder Bürokratiehürden.

Bochum hat das Potenzial, eine inklusive Stadt zu werden eine Stadt, in der Vielfalt als Stärke gilt und niemand zurückgelassen wird. Dafür braucht es klare politische Prioritäten und eine starke Linke im Stadtrat, die sich für echte Inklusion einsetzt: im Alltag, in der Infrastruktur und im Denken.

Die Linke fordert:

Im Bereich Wohnen und Unterbringung:

  • Mehr barrierefreier Wohnraum in Bochum – öffentlich gefördert, bezahlbar und dezentral.
  • Verpflichtende Barrierefreiheit bei allen städtischen Neubau- und Sanierungsvorhaben.
  • Nutzung kommunaler Flächen und leerstehender Gebäude zur Schaffung inklusiver Wohnprojekte.
  • Förderung gemeinschaftlicher Wohnformen für Menschen mit und ohne Behinderung.
  • Ausbau von Assistenzangeboten im eigenen Zuhause, statt institutioneller Unterbringung.

Im Bereich Bildung und Arbeit:

  • Inklusive Bildung von Anfang an: barrierefreie Kitas, Schulen und außerschulische Angebote.
  • Mehr Schulassistenz und Unterstützungssysteme für Kinder mit Behinderung.
  • Ausbau von Arbeitsplätzen in inklusiven Betrieben und gezielte Förderung von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt.
  • Abschaffung von Barrieren in Verwaltung, Jobcenter und Ämtern, auch in leichter Sprache und Gebärdensprache.
  • Verbindliche Teilhabepläne in allen städtischen Einrichtungen. Ständige Wartung der öffentlichen Sanitäranlagen und Aufzüge.
  • Einsatz der Stadt Bochum für eine Erhöhung der Mindestbeschäftigungsquote. Die Ausgleichsabgabe für unbesetzte Pflichtarbeitsplätze muss deutlich erhöht werden.
  • Kommunales Engagement für verpflichtenden Mindestlohn in allen Behindertenwerkstätten.

Im Bereich Gesundheit:

  • Uneingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung – barrierefrei, wohnortnah, inklusiv.
  • Ausweitung psychosozialer Unterstützungsangebote auch für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.
  • Gesundheitszentren mit inklusivem Ansatz, z. B. barrierefreie Wartebereiche, Kommunikation in leichter Sprache.
  • Stärkere Unterstützung für Menschen mit Mehrfachbehinderungen und chronischen Erkrankungen.
  • Ausbau der persönlichen Assistenz und unabhängiger Beratung für Menschen mit Behinderung.

Im Bereich Teilhabe und Beteiligung:

  • Stärkung der Beteiligung von Menschen mit Behinderung an allen politischen Entscheidungen etwa durch mehr Kompetenzen für die Inklusionskonferenz.
  • Finanzielle und strukturelle Förderung von Selbstvertretungsorganisationen behinderter Menschen.
  • Barrierefreie Veranstaltungen und Räume für die Kultur-, Freizeit- und Vereinsarbeit.
  • Ausstattung öffentlicher Gebäude und kultureller Einrichtungen mit Höranlagen Ausbau inklusiver Sportangebote und barrierefreier Zugänge zu städtischen Sportstätten.
  • Einrichtung eines kommunalen Teilhabe-Budgets zur Umsetzung inklusiver Projekte in den Stadtteilen.

Im Bereich Stadtplanung:

  • Alle bestehenden Barrieren in kommunalen Einrichtungen und im öffentlichen Raum müssen erfasst und analysiert werden.
  • Barrierefreie Wegeführung im öffentlichen Raum sowie behindertengerechte Oberflächen, die leicht und erschütterungsarm nutzbar für Menschen sind, die einen Rollstuhl oder eine Gehhilfe (Rollator) benutzen.
  • Ausbau der Leitsysteme für blinde und sehbehinderte Menschen im öffentlichen Raum
  • Öffentliche Investitionen und die Vergabe von Fördergeldern sind an dem Kriterium der Barrierefreiheit auszurichten.
  • Barrierefreiheit bei Neubau und Sanierung von kommunalen Gebäuden.

Im Bereich Schutz vor Diskriminierung und Gewalt:

  • Konsequentes Vorgehen gegen Behindertenfeindlichkeit – in Behörden, Schulen und im öffentlichen Raum.
  • Gewalt- und diskriminierungssensible Schulungen für Verwaltung, Polizei, Rettungskräfte und Bildungseinrichtungen im Umgang mit Behinderung.
  • Einrichtung einer städtischen Beschwerdestelle für Diskriminierungserfahrungen von Menschen mit Behinderung.
  • Besondere Schutzmaßnahmen und Unterbringungsangebote für behinderte Frauen, queere Menschen und Betroffene mit Migrationsgeschichte.
  • Inklusionsförderung auch im Katastrophenschutz und bei Notfallplänen.

Im Bereich öffentliche Wahrnehmung und Kultur:

  • Aktive Aufklärungskampagnen gegen Ableismus (Diskriminierung von Menschen wegen abweichender körperlicher oder geistiger Fähigkeiten) in Schule, Medien und Stadtgesellschaft.
  • Inklusive Kulturförderung: barrierefreie Veranstaltungen, Honorare für behinderte Kulturschaffende.
  • Mehr Sichtbarkeit von behinderten Menschen im öffentlichen Raum und bei städtischen Projekten.
  • Erinnerungspolitische Arbeit, die auch die Geschichte behinderter Menschen sichtbar macht (z. B. NS-Euthanasie, institutionelle Gewalt).

2. Wirtschaft und Finanzen

Die Stadt Bochum ist für viele politische Entscheidungen zuständig, die unser Leben ganz direkt betreffen, und die oftmals Geld kosten. Ob der Bau einer neuen Kita, die Sanierung der Schule, der Betrieb von Parks und Sportplätzen oder ein pünktlicher Bus: Ein lebenswertes Bochum und ein gutes Leben für alle müssen auch finanziert werden. Gleichzeitig sind besonders in Nordrhein-Westfalen Städte und Gemeinden systematisch unterfinanziert. Vor Ort wird viel zu oft der Mangel verwaltet, so dass die Städte nicht sinnvoll und nach dem Bedarf der Menschen gestaltet werden können. Die kommunale Infrastruktur wird auf Verschleiß gefahren, Schwimmbäder, Bibliotheken und Jugendzentren werden geschlossen, oder ihre Öffnungszeiten werden verkürzt. Insgesamt ist das Öffentliche zugunsten privater Profitinteressen auf dem Rückzug.

Der zentrale Grund für die schlechte Finanzsituation auch hier bei uns in Bochum ist die ungerechte Steuerpolitik auf Bundesebene. Den Reichen, Banken und Großkonzernen wurden Steuergeschenke in enormer Höhe gemacht: Jährlich entgehen dem Staat durch Steuerprivilegien für Superreiche, Banken und Großkonzerne mindestens 75 bis 80 Milliarden Euro – etwa durch die Aussetzung der Vermögensteuer, die Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge und die Senkung des Spitzensteuersatzes.

Zusätzlich hilft ein Netzwerk von spezialisierten Banken und Anwaltskanzleien Vermögenden bei der Vermeidung von Milliarden Euro an Steuergeldern. Steuerschlupflöcher, von denen Konzerne und Superreiche profitieren, werden von der Politik nicht geschlossen.

Statt diese Probleme anzugehen, haben die Regierungsparteien einen Großteil des Problems der geleerten öffentlichen Kassen von der Bundes- und Landesebene auf die Ebene verschoben, die sich am schlechtesten dagegen wehren kann: die Kommunen. Damit verschlechtern sie unser Leben auch hier in Bochum.

Die Linke will einen grundlegenden Wechsel in der kommunalen Wirtschafts- und Finanzpolitik einleiten. Wir wollen eine solidarische Wirtschafts- und Finanzpolitik, die allen Menschen in Bochum dient, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sichert, den sozialen Zusammenhalt stärkt und ökologische Nachhaltigkeit gewährleistet. Dazu gehört eine gerechte Finanzierung, die sowohl das Land NRW und den Bund sowie vor allem die Superreichen und Unternehmen in die Pflicht nimmt, die sich bisher durch Steuersenkungen und Steuervermeidung aus der Verantwortung ziehen konnten.

Der Standortwettbewerb zwischen den Kommunen, der durch die neoliberale Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahrzehnte entfesselt wurde, hat in Bochum seine verheerenden Auswirkungen gezeigt. So verbleiben die sozialen Kosten bei den Menschen in Bochum, während die Unternehmen ihre Profite längst eingestrichen haben und weitergezogen sind.

Wenn sich das ändern soll, darf Bochum sich nicht weiter in den Ruin sparen, wie es die Ratsmehrheit aus SPD und Grünen in den vergangenen Jahrzehnten getan hat. Wir werden in den nächsten Jahren die Haushaltsentwürfe der Stadtverwaltung auf versteckte Kürzungen prüfen.

Investitionen

Seit Jahrzehnten hat Bochum notwendige Investitionen zum Beispiel für die Instandhaltung von Gebäuden in die Zukunft verschoben. Daraus hat sich ein riesiger Investitionsstau von bis zu 3 Milliarden Euro entwickelt. Das Verschieben von Reparaturen und notwendigen Modernisierungen spart jedoch kein Geld, sondern macht alles nur noch viel teurer. Darum braucht Bochum eine kommunale Investitionsoffensive, die weit über die aktuellen Pläne hinausgeht.

Die Stadt Bochum hat als kommunaler Investor eine ganz entscheidende Funktion, um das Wirtschaftsgeschehen in Bochum in Gang zu setzen und am Laufen zu halten: Jeder investierte Euro in die Infrastruktur zieht 1,3 bis 1,8 Euro weitere Investitionen von Unternehmen nach sich. Würde der milliardenschwere Investitionsstau zeitnah abgebaut, könnten besonders im Handwerk und in der Bauindustrie hunderte von Arbeitsplätzen entstehen.

Die im Bund regierenden Parteien versuchen nun, das unter demokratisch fragwürdigen Umständen vom alten Bundestag beschlossene Sondervermögen als Meilenstein in Sachen Infrastruktur-Investitionen zu verkaufen.

Bei den Städten und Gemeinden wird davon voraussichtlich viel zu wenig ankommen. Auch ein Mitspracherecht der Kommunen ist bisher nicht vorgesehen. Damit gibt es keine Planungssicherheit für die Stadt Bochum. Die Kommunen sollten unbürokratisch und schnell jährliche zusätzliche investive Schlüsselzuweisungen ausgezahlt bekommen, zum Beispiel anhand der Einwohner*innenzahlen.

Dabei muss auch eine Reform des Finanzausgleichs zugunsten strukturschwacher Regionen wie dem Ruhrgebiet diskutiert werden.

Die Linke tritt für umfangreiche Investitionen ein, denn diese stabilisieren die Wirtschaft und stärken den sozialen Zusammenhalt. Die teuersten Investitionen der Stadt Bochum sind nach aktuellen Plänen das Haus des Wissens in der Innenstadt und der Umbau des Ruhrstadions. Mit mehr als 70 Millionen Euro will die Stadt das in die Jahre gekommene Stadion modernisieren. Die Kosten dafür stehen nicht direkt im kommunalen Haushalt, da der Umbau durch die 2024 gegründete Bochumer Sportstätten-Besitzgesellschaft durchgeführt wird. Die Linke begrüßt die Sanierung des traditionsreichen und erhaltenswerten Stadions, da sie ökologischer und kostengünstiger ist als ein Neubau. Allerdings werden wir darauf achten, dass damit nicht nur diejenigen subventioniert werden, die am großen Geschäft Fußball ihr Geld verdienen.

Das Ruhrstadion muss ein sozialer Ort für alle bleiben. Wir werden das Bauprojekt kritisch begleiten, damit es nicht finanziell komplett aus dem Ruder läuft. Außerdem muss gelten: Was im Ruhrstadion möglich ist, muss auch für die Bochumer Turnhallen, Schwimmbäder und Schulen gelten.

Der Erhalt der Infrastruktur in der Breite darf unter den Großprojekten nicht leiden. Insgesamt müssen die Finanzmittel der Kommunen erheblich größer werden, damit sie den vielen Anforderungen gerecht werden können. Auch wer es mit der Generationengerechtigkeit ernst meint, muss diese Investitionen anschieben. Marode Schulen, zu wenig Forschung und Entwicklung und eine schlechte Infrastruktur bremsen die wirtschaftliche Entwicklung und behindern die nächsten Generationen. Hierbei ist besonders wichtig, dass es nicht bei einem kurzen Strohfeuer bleibt.

Wenn die Investitionen wirken sollen, müssen die Kommunalfinanzen langfristig besser aufgestellt werden. Nur dann können auch neue Stellen in der Verwaltung sinnvoll geschaffen und der sozial-ökologische Umbau verlässlich angegangen werden.

Wer soll das alles bezahlen?

Gegen die systematische Unterfinanzierung unserer Städte und Gemeinden hilft Steuergerechtigkeit. Um die öffentlichen Finanzen dauerhaft auf eine solide Basis zu stellen, fordert Die Linke eine Abschaffung der Schuldenbremse zugunsten von Investitionen und Infrastruktur und eine gerechte Steuerreform, die Superreiche und Konzerne endlich angemessen an den Kosten unseres Gemeinwesens beteiligt.

Dafür hat Die Linke ein detailliertes und durchgerechnetes Steuerkonzept vorgelegt, das Haushalte mit wenig Geld sowie die Mittelschicht stark entlastet und das Geld von den Superreichen holt. Als Faustregel gilt: Wer (als Single, Steuerklasse I) weniger als 7.100 Euro im Monat brutto hat, zahlt nach unserem Tarif weniger Steuern, wer mehr verdient, zahlt mehr. So entlasten wir die große Mehrheit der Bevölkerung.

Durch die Einführung einer Millionärssteuer, die Reform der Erbschaftsteuer, eine gerechte Unternehmensbesteuerung und einen entschlossenen Kampf gegen Steuerdiebstahl können bundesweit 260 Milliarden Euro mehr eingenommen werden. Unsere Entlastungen für die Bevölkerung, mit der wir das Leben für alle bezahlbarer machen wollen, kosten uns jährlich rund 125 Milliarden Euro. Damit bleibt noch mehr als genug Geld, um dringend benötigte Investitionen zu tätigen: in moderne Schulen und ausreichend Kitaplätze, funktionierende Krankenhäuser und Pflegeheime, ein pünktliches und bezahlbares Netz von Bus und Bahn und sozial gerechten Klimaschutz.

Die Linke fordert eine faire Verteilung der Gemeinschaftssteuern, wie größere Anteile an der Einkommens- und Umsatzsteuer für die Städte und Gemeinden. Die Gewerbesteuerumlage muss abgeschafft und eine höhere Beteiligung des Bundes zum Beispiel an den Kosten der Unterkunft für Geflüchtete eingeführt werden. Teil unseres Steuerkonzepts ist die Weiterentwicklung der Gewerbesteuer zu einer Gemeindewirtschaftssteuer. Alle privatwirtschaftlichen Einkünfte in einer Kommune würden erfasst und direkt besteuert werden – mit einem angemessenen Freibetrag für kleine Unternehmen. Diese Steuer würde den Kommunen insgesamt 18 Milliarden Euro im Jahr einbringen.

Wenn es gerechter zugeht, ist in einem der reichsten Länder der Welt selbstverständlich genug Geld für unsere Kommunen da. Deswegen beteiligt sich Die Linke Bochum auch nicht an Kürzungshaushalten, die durch angebliche Sachzwänge diktiert werden – auch dann nicht, wenn andere Parteien meinen, zusätzliche Härten gegenüber den Menschen in Bochum seien notwendig, um ein Abrutschen in einen genehmigungspflichtigen Haushalt zu verhindern. Denn wenn Politiker*innen auf kommunaler Ebene ihre Stadt kaputt kürzen und damit die Probleme auf die Bevölkerung abwälzen, statt die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen, verringern sie den Druck auf Land und Bund, endlich die Städte und Gemeinden gerecht zu finanzieren.

Wer bestellt, muss auch zahlen

Die bestehende Praxis von Bund und Land, den Kommunen Aufgaben insbesondere in sozialen Angelegenheiten zu übertragen, ohne gleichzeitig sicherzustellen, dass die erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, ist verfassungswidrig und muss beendet werden. Die Linke setzt sich für die konsequente Umsetzung und Einhaltung des sogenannten Konnexitätsprinzips („Wer bestellt, muss auch zahlen“) gemäß der NRW-Landesverfassung und des Grundgesetzes ein. Kommunen müssen bessere Möglichkeiten erhalten, die Einhaltung dieses Prinzips vor Gericht einzuklagen. Soweit in der Vergangenheit das Prinzip verletzt wurde, zum Beispiel hinsichtlich der Kosten der Unterkunft (KdU) beim Bürgergeld, müssen die Kommunen durch das Land nachträglich entschuldet werden.

Weg mit den kommunalen Altschulden

Aufgrund der jahrzehntelangen Unterfinanzierung ist auch die Stadt Bochum hoch verschuldet: Bochum hat mehr als 2,3 Milliarden Euro Schulden. Wegen dieses Schuldenbergs plant die Stadt Bochum im Jahr 2025 ungefähr 44 Millionen Euro und für das Jahr 2026 sogar 54 Millionen Euro allein für die Tilgung der Zinsen ein – Geld, das anderswo dringend gebraucht würde. Geplante Entlastungen, beispielsweise durch das Altschuldenentlastungsgesetz des Landes NRW, greifen angesichts des enormen Schuldenberges zu kurz.

Es soll insgesamt nur ein Volumen von jährlich 250 Millionen Euro für ganz NRW haben.Mit diesen viel zu knappen Mitteln sollen die Städte beim Abbau der sogenannten Kassenkredite unterstützt werden. Allein die Stadt Bochum hat allerdings über 500 Millionen solcher Kassenkredite angehäuft. In seiner jetzigen Form bleibt das Gesetz der von CDU und Grünen geführten Landesregierung vollkommen hinter den Erwartungen und Herausforderungen der kommenden Jahre zurück. Die überschuldeten Kommunen brauchen dringend mehr Unterstützung.

Die Linke fordert deshalb einen viel weitergehenden Altschuldenfonds. Gemeint ist ein gemeinsamer Finanztopf unter Beteiligung auch des Bundes. Die Beteiligung von Bund und Land wäre kein Geschenk, sondern ein Ausgleich für die mangelnde Finanzierung der Vergangenheit und damit nachholende Konnexität. Die betroffenen Kommunen wären dann wieder in der Lage, Haushaltsüberschüsse für notwendige Investitionen und wichtige Aufgaben bei Bildung, Verkehr, Sport und Kultur zu nutzen, statt sie im Haushaltsloch zur Schuldentilgung zu versenken. Für Bochum wäre das ein echter Fortschritt.

Die Linke fordert:

  • Einrichtung eines umfassenden Altschuldenfonds, durch den alle nicht-investiven Schulden der Kommunen übernommen werden.
  • Wiederanhebung des Steueranteils der Kommunen von derzeit 23 auf 28 Prozent.
  • Mehr Druck durch die Bochumer Stadtführung auf die Regierungsparteien im Land (CDU und Grüne) und auf Bundesebene (CDU und SPD) für eine gerechte Finanzierung der Kommunen. Bochumer Politiker*innen sollen ihren Parteifreund*innen in Berlin und Düsseldorf nicht mehr den Rücken freihalten oder sogar Wahlkampf für sie machen, solange sie die Kommunen nicht auskömmlich finanzieren.
  • Anwendung der Grundsteuer C, die in NRW neu eingeführt wurden, denn dadurch können baureife, aber noch nicht bebaute Grundstücke höher besteuert werden und somit der Spekulation entgegenwirken.
  • Falls das Landesmodell mit dem differenzierten Grundsteuerhebesatz vor Gericht für verfassungswidrig erklärt werden sollte, fordern wir einen Ausgleich der Steuerausfälle der Kommunen durch das Land.
  • Einheitliche Gewerbesteuerhebesätze für die Kommunen im Ruhrgebiet auf einem auskömmlichen Niveau, um einen Unterbietungswettbewerb zu verhindern. Bochum sollte die Anhebung auf die Höhe der Nachbarstadt Herne prüfen. Grundsätzlich streben wir eine Umwandlung der Gewerbesteuer in eine Gemeindewirtschaftssteuer an.
  • Einhaltung des Konnexivitätsprinzips: Wenn Bund und Land den Kommunen neue Aufgaben übertragen, müssen sie dafür auch bezahlen.
  • Mehr kommunale Steuerprüfer*innen für Bochum. Damit kann Steuerhinterziehung wirksamer bekämpft werden, und für die Stadt entstehen Mehreinnahmen.

Profitinteressen waren und sind die entscheidende Ursache dafür, dass in den vergangenen Jahrzehnten massiv Industrie-Arbeitsplätze vernichtet und aus Bochum weg verlagert worden sind. Denn diese Entwicklung, durch die zusätzlich mehrere tausend Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie weggefallen sind, ist keine Naturgewalt. Die Wirtschaftspolitik von CDU, SPD, FDP und Grünen hat die Weichen für den Standortwettbewerb und das Lohndumping der vergangenen Jahrzehnte gestellt. Außerdem wurde auf Kosten der Beschäftigten ein riesiger Niedriglohnsektor geschaffen. Auf der Strecke bleiben die Beschäftigten, von denen viele schlechter und nicht mehr tarifgebunden entlohnt oder gleich ganz entlassen werden, sowie die Kommunen, die zunächst auf Einnahmen verzichten und anschließend nichts gegen die vollständige Abwanderung der Unternehmen tun können. Dabei gilt das Prinzip: Gewinne werden privatisiert, die Verluste hat die Gesellschaft zu tragen – nicht zuletzt die Kommune.

Erwerbslosigkeit statt Erwerbslose bekämpfen

Unter diesen Bedingungen befindet sich der Bochumer Arbeitsmarkt in keiner guten Lage. Trotz massiver Rechentricks lag die offizielle Erwerbslosenquote in Bochum im Mai 2025 bei neun Prozent.

Die Unterbeschäftigungsquote, die etwas ehrlichere Angabe, betrug elf Prozent: Mehr als 22.000 Menschen sind in Bochum also offiziell arbeitslos gemeldet, befinden sich in einer Maßnahme oder sind ohne Arbeit und dabei nur kurzfristig erkrankt. Diesem Potenzial stehen weniger als 3.300 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Stellen gegenüber. Dass jede Person, die arbeiten will, auch eine Arbeit findet, ist also nachweislich ein Mythos. Doch anstatt erwerbslose Menschen zu fördern und ihnen zum Beispiel durch Weiterbildungen und Umschulungen eine Chance zu geben, will die Bundesregierung den Druck erhöhen und Sanktionen bis hin zur kompletten Streichung des Bürgergeldes verschärfen. Dies ist nicht nur unmenschlich und bestraft Menschen, die psychische oder kognitive Probleme haben oder sich in der Bürokratie nicht zurechtfinden. Es ist nach aktueller Rechtsprechung durch das Bundesverfassungsgericht auch illegal. Angesichts dieser Bedrohungen braucht Bochum eine Stadtpolitik, die sich schützend vor die betroffenen Bochumer*innen stellt. Die Sozialverwaltung soll ihre rechtlichen Möglichkeiten zugunsten der Menschen nutzen. Die städtischen Vertreter*innen in der Trägerversammlung des Jobcenters müssen die Jobcenter-Beschäftigten darin bestärken, diese und andere rechtswidrige Arbeitsanweisungen nicht zu befolgen – dazu sind sie arbeitsrechtlich nicht verpflichtet. Wie auch der Paritätische Wohlfahrtsverband wissen wir: Sanktionen und mehr Druck wirken kontraproduktiv. Notwendig sind dagegen Unterstützung und Förderung sowie mehr öffentliche Beschäftigung.

Weiterbildung organisieren

Wir wollen eine zielgerichtete und nachhaltige Unterstützung von Erwerbslosen entwickeln. Das fängt mit dem Nachholen von Schulabschlüssen an und endet bestenfalls mit einer beruflichen Ausbildung oder einem Studium. Aktuell vermittelt das Jobcenter Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung jedoch häufig in Leiharbeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, die oftmals nach wenigen Monaten wieder enden. Das Recht auf lebenslanges Lernen muss in Bochum unbedingt gewährleistet sein. Personen, die Bürgergeld bzw. Grundsicherung beziehen, brauchen einen durchsetzbaren Rechtsanspruch auf Weiterbildung und Qualifikation.

Die Linke fordert:

  • Gründung eines städtischen Bildungsträgers mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen und tariflicher Entlohnung der Mitarbeitenden. Wir wollen einen solchen Träger schaffen, der Weiterbildungen und Umschulungen in Arbeitsbereiche anbietet, in denen Bedarf besteht. Als Vorbild könnte das Berufsförderungszentrum der Stadt Essen dienen.
  •  Berufseinstiegsbegleiter*innen, die Jugendliche der 9. und 10. Klassen bei der Berufsorientierung, Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen unterstützen. Gerade junge Menschen in schwierigen Lebenslagen und aus prekären Verhältnissen brauchen sinnvolle und motivierte Unterstützung.

Gute Arbeit statt Lohndrückerei

Dass in Bochum zehntausende Menschen eine Arbeit suchen, ist eigentlich absurd – denn es gibt in unserer Stadt mehr als genug zu tun: An Schulen, Verwaltungsgebäuden, Schwimmbädern und anderen öffentlichen Einrichtungen herrscht ein enormer Sanierungsstau. Die Beschäftigten der Verwaltung klagen über Arbeitsverdichtung, hohe Krankenstände und Überstundenberge. Viele Straßen sind voll mit Schlaglöchern und müssten instandgesetzt werden, und insbesondere im sozialen Bereich herrscht eine Unterversorgung. Unsere Politik setzt an diesem Widerspruch an und möchte ihn auflösen. Wir wollen perspektivlose Arbeitsgelegenheiten abschaffen und sie dort, wo sinnvolle Aufgaben erfüllt werden, durch reguläre Arbeitsplätze ersetzen.

Statt der Kürzung von Eingliederungsmitteln wollen wir deren Aufstockung, damit alle arbeitslosen Menschen gefördert werden können. Die Linke steht insgesamt für ein Arbeits- und Beschäftigungsangebot, das Menschen nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen Möglichkeiten schafft. Jobangebote müssen ohne Sanktionen abgelehnt werden dürfen. Denn nur dann müssen sich Arbeitgeber*innen um erträgliche Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung kümmern. Arbeitszwang dagegen fördert Ausbeutung und Lohndrückerei.

Die Linke fordert:

  • Zuwendungen und Leistungen an private Unternehmen müssen an verpflichtende, einklagbare Arbeitsplatzzusagen gekoppelt werden. Die Leistungen sind zurückzufordern, wenn Zusagen nicht eingehalten werden.
  • Gewerbliche Flächennutzung muss an die Schaffung von existenzsichernden Arbeitsplätzen gebunden werden. Dabei muss es um die Schaffung von nachhaltiger, sinnvoller, tarifgebundener und unbefristeter Beschäftigung gehen.
  • Die Stadt und ihre kommunalen Unternehmen müssen Ausbildungsverbünde fördern und mit ihnen für überbetriebliche Berufsausbildungen kooperieren. So können sie dabei helfen, vielen jungen Menschen eine Perspektive zu schaffen.
  • Der Tätigkeitsbereich der Bochumer Beschäftigungsgesellschaft muss deutlich ausgeweitet werden. Sie soll breit aufgestellt die Aufgaben einer umfassenden Beschäftigungsförderung übernehmen. Die Gesellschaft muss befähigt werden, mit unterschiedlichen Ansätzen gesellschaftlich sinnvolle und tarifvertraglich abgesicherte kommunale Beschäftigung für Menschen aller Qualifizierungen und verschiedener Berufe zu schaffen. Finanziert werden soll sie über alle in Frage kommenden Fördermittel sowie Eigenmittel der Stadt Bochum, nicht nur über das Teilhabechancengesetz.

Bochum hat die massiven Arbeitsplatzverluste in der Kohle- und Stahlindustrie, aber auch die Schließung von Industriestandorten zum Beispiel von Nokia und Opel bis heute nicht restlos verkraftet. Mit den großen Fabriken sind außerdem von ihnen abhängige Zulieferbetriebe weggefallen. Auf der anderen Seite sind die Erwerbstätigen in Bochum inzwischen mehrheitlich im Dienstleistungssektor beschäftigt. Große Arbeitgeberinnen sind die Ruhr-Universität, die Knappschaft und die Stadt Bochum selbst. Gerade die Hochschulen sind für Bochum eine wichtige Säule und ein Treiber für wissenschafts- und wissensbasierte Gründungen. So sind in den vergangenen Jahren Unternehmen in wissensbasierten Branchen wie der Biomedizin, der Gesundheitswirtschaft und der IT-Sicherheit entstanden.

Die Hochschulen schaffen auch gute Rahmenbedingungen für andere Unternehmen, die in Bochum entsprechende Fachkräfte vorfinden und Entwicklungspartnerschaften eingehen können. An den Hochschulen in Bochum sind momentan mehr als 60.000 Studierende eingeschrieben. Allerdings verlässt über die Hälfte dieser jungen, gut ausgebildeten Menschen nach Beendigung des Studiums nicht nur Bochum, sondern das Ruhrgebiet insgesamt. Dies ist ein großer Verlust für die Stadt und die Region. Die Stadt Bochum muss den vielen jungen Menschen eine berufliche Perspektive in der Region bieten können.

Darüber hinaus arbeiten in Bochum viele Menschen in Handwerksbetrieben sowie Industrieunternehmen wie Eickhoff, Doncasters oder beim Thyssenkrupp-Konzern. Diese überwiegend tarifgebundenen Arbeitsplätze, an denen die Beschäftigten sich wichtige Mitbestimmungsrechte erkämpft haben, dienen auch heute noch vielen Menschen und ganzen Familien generationenübergreifend als Einkommensquelle. Sie bieten auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit mittleren Bildungsabschlüssen an und bilden daher eine wichtige soziale Klammer für unsere Stadt. Angesichts der Herausforderungen der Transformation, gestiegenen Energiekosten und veränderten Marktbedingungen darf sich die Stadt Bochum daher nicht einseitig auf die Förderung von wissensbasierten Start-ups fokussieren. Auch die klassische Wirtschaftsstruktur muss erhalten und verbessert werden. Die Linke Bochum setzt sich dafür ein, dass der Standort von Thyssenkrupp in Bochum mit den Arbeitsplätzen erhalten bleibt.

Die Stadt Bochum hat eine wichtige Funktion im Bereich der Wirtschaftsförderung, sei es bei der Ansiedlung von Unternehmen oder der Bereitstellung von Grundstücken und Infrastruktur. Mit diesen Ressourcen muss Bochum sorgsam umgehen. Mit einer konsequenten Bodenpolitik wollen wir verhindern, dass öffentlicher Grund und Boden verkauft wird. Die Wattenscheider Innenstadt als Ort mit besonderem Entwicklungsbedarf muss mit Hilfe der Wirtschaftsförderung stärker belebt werden. Sie muss zukünftig aus einem gesunden Mix aus Wohnen, Kultur und Einkaufsmöglichkeiten bestehen.

Wir fordern mehr Gelder aus dem Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“, um die Wattenscheider Innenstadt wieder lebenswerter zu gestalten und die zunehmende Spaltung der Stadt in arme und reiche Wohnlagen zu stoppen. Das Ruhrgebiet ist eine Region, in der viele Städte nebeneinander gewachsen sind, die jetzt dem Regionalverband Ruhr angehören. Allerdings ist das Ruhrgebiet bis heute kein eigener politisch-administrativer Akteur. Damit laufen die Kommunen des Ruhrgebiets Gefahr, beispielsweise bei der Neuansiedlung von Unternehmen in einen Unterbietungswettbewerb zu geraten. Dies muss durch die bestehenden übergreifenden Strukturen moderiert und verhindert werden. Die regionalen Wirtschaftsstrukturen in Bochum beispielsweise ein gesundheitswirtschaftliches Cluster sollen gemeinsam weiterentwickelt werden.

Die Linke fordert:

  • Ausrichtung der städtischen Wirtschaftsförderung am Gemeinwohl, nicht allein an den Profitinteressen einzelner Unternehmen. Das Ziel muss die Ansiedlung nachhaltiger und tarifgebundener Arbeitsplätze sein.
  • Regionale Zusammenarbeit über Städtegrenzen hinweg statt gegenseitige Abwerbeversuche und Konkurrenz der Kommunen um den niedrigsten Gewerbesteuersatz. Die regionalen Wirtschaftsstrukturen sollen gemeinsam weiterentwickelt werden. Dazu gehört auch, dass sich Kommunen bei Ansiedlungen von Unternehmen die Gewerbesteuer in den ersten Jahren teilen können.
  • Vergabe von kommunalen Aufträgen ausschließlich an Unternehmen mit Tarifbindung und weiteren sozialen Standards.
  • Vergabe von Gewerbeflächen im Erbbaurecht, um kommunales Eigentum an Boden zu erhalten und Gestaltungsmöglichkeiten für eventuelle Nachnutzungen zu sichern, während Unternehmen gleichzeitig langfristige Planungssicherheit erhalten.
  • Kommunale Kreislaufwirtschaft stärken, damit Rohstoffe nicht mehr durch Entsorgung und Müllverbrennung verlorengehen, die noch genutzt werden können. Wir wollen analog zur kommunalen Wärmeplanung eine kommunale Kreislaufwirtschaftsplanung. So können Wertschöpfungsketten verändert werden und auch neue Geschäftsmodelle entstehen.
  • Verankerung der Kreislaufwirtschaft auch beim kommunalen Beschaffungs- und Bauwesen. So können zum Beispiel Gebäude der Stadt Bochum so geplant werden, dass alle Materialien wiederverwertbar sind.

Antifaschistische Wirtschaftspolitik

Aufgrund der Krisenerfahrung der vergangenen Jahrzehnte und eines Strukturwandels, den die Regierenden auf Kosten der arbeitenden Menschen organisiert haben, misstrauen viele Menschen der herrschenden Politik. Extrem rechte Parteien wie die AfD feiern Wahlerfolge. Kaputte Straßen und marode Schulen, fehlende Kita- und Ausbildungsplätze, Wohnungsknappheit und Arbeitslosigkeit sind Faktoren, die auf die Narrative derer einzahlen, die von rechts hetzen. Indem wir diese Probleme angehen, ist unsere Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik nicht nur sozial, sondern auch antifaschistisch. Die eigene Stadt und der eigene Kiez sind die politischen Räume, in denen Menschen ihr Lebensumfeld selbst gestalten können. Hier können sie sich am ehesten selbst ermächtigen und ein demokratisches und tolerantes Miteinander organisieren. Dafür brauchen wir eine lebenswerte Stadt, in der Ausgrenzung und Existenzängste keinen Platz haben. Darum darf es in den kommenden Bochumer Haushalten nicht zu weiteren Kürzungen kommen, sie würden die Substanz unseres Gemeinwesens gefährden. Wichtige Investitionen in die kommunale Infrastruktur müssen zwingend umgesetzt und um weitere ergänzt werden. Die Stadt Bochum muss lautstark und kritisch von der Bundes- und Landesregierung weitere Entlastungen für die Kommunen einfordern und wo möglich auch den Druck auf die Verantwortlichen erhöhen. Sie muss ihre Angebote für Menschen mit niedrigem Einkommen ausbauen. Wir brauchen eine Politik, die dem sozioökonomischen Abstieg und damit auch den Abstiegsängsten vieler Menschen entgegenwirkt und ihr Leben besser macht. Das ist nicht nur gut für uns alle, sondern auch eine wichtige Maßnahme gegen Rechts.

Das verhängnisvolle Dogma „Privat vor Staat“ hat dazu geführt, dass seit 1990 mehr als die Hälfte aller sogenannten Normalarbeitsverhältnisse im öffentlichen Sektor abgebaut worden sind. So kam es zu einer deutlichen Steigerung der Arbeitsbelastung im Öffentlichen Dienst sowie zu einer spürbaren Verschlechterung der städtischen Angebote.

Durch Outsourcing ist auch in Bochum viel interne Fachkompetenz in der Verwaltung verloren gegangen. Im gleichen Maße ist die Abhängigkeit von teuren externen Dienstleistungs- und Beratungsfirmen gestiegen, insbesondere bei Bauleistungen und Infrastrukturprojekten. Diese Entwicklung wollen wir stoppen und rückgängig machen. Wir wissen aber auch: Trotz alledem ist die Stadt Bochum zusammen mit ihren Tochter- und Beteiligungsunternehmen die größte lokale Arbeitgeberin. Entsprechend hoch ist ihre Verantwortung für die Beschäftigung vor Ort. Die Stadt Bochum muss menschenwürdige, existenzsichernde und gute Arbeitsplätze schaffen und dauerhaft sichern, statt Mini-Jobs, Niedriglöhne und Leiharbeit zu fördern und auf befristete Beschäftigung zu setzen.

Bei der Stadt sind mehrere hundert kommunale Stellen unbesetzt. Allen voran fehlen Ingenieur*innen, Sozialpädagogen und Erzieher*innen, aber auch Verwaltungsangestellte beim Ausländeramt, Jobcenter und der KFZ-Zulassungsstelle.

Das führt nicht nur zu Überarbeitung und Unzufriedenheit und dadurch hohen Krankenständen, sondern auch zu langen Wartezeiten. Es kann nicht sein, dass Wohngeldempfänger*innen bis zu einem halben Jahr auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten müssen, und dadurch in finanzielle Not geraten oder sogar ihre Wohnung verlieren.

Mehr Ausbildung organisieren

In den nächsten zehn Jahren werden knapp 30 Prozent der Beschäftigten der Stadt Bochum und ihrer Tochterunternehmen in den Ruhestand gehen. Fehlendes Personal führt nicht nur dazu, dass die Stadt ihre kommunalen Aufgaben nicht erfüllt und dadurch Schaden anrichtet, sondern auch dazu, dass sie Fördergelder nicht beantragen kann, da das Personal für die fristgerechte Antragstellung fehlt.

Auf der einen Seite fehlen der Stadt also dringend benötigte Fachkräfte, andererseits schreiben sie und ihre Tochterunternehmen noch immer befristete Stellen aus. Wir dagegen wollen, dass die Stadt und ihre Unternehmen als Arbeitgeber ein Vorbild sind: Mit guter Bezahlung, Tarifbindung, ohne prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Leiharbeit – aber dafür mit wegweisender Qualifizierung und Ausbildung, interkultureller Kompetenz, Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit. Dafür setzen wir uns im Rat und in den Bezirksvertretungen ein.

Beschäftigte unterstützen

Die Linke vernetzt sich mit den zuständigen Personal- und Betriebsräten und unterstützt ihre Bemühungen, öffentliche Beschäftigung zu sichern und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Stellenabbau und die damit verbundene Arbeitsverdichtung, so wie sie andere Parteien im Bochumer Rat vorschlagen, lehnen wir entschieden ab. Bei Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst muss die Stadt Bochum ihre starke Rolle in der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) nutzen: Sie muss sich dafür einsetzen, dass die VKA faire Angebote vorlegt. Sollte es zu Arbeitskämpfen kommen, werden wir solidarisch an der Seite der Beschäftigten stehen.

Die Linke fordert:

  • Kein weiterer Stellenabbau im Öffentlichen Dienst, stattdessen die Erstellung eines Personalaufbau- und Entwicklungsplans für die Stadt Bochum, der dem Bedarf entspricht und gute Arbeitsbedingungen schafft.
  • Eine Ausbildungsquote von mindestens zehn Prozent ist nötig, um alle Stellen nachbesetzen zu können, bei denen die Beschäftigten in den kommenden Jahren in Rente gehen. Um die Ausbildungsplätze attraktiv zu machen, soll eine unbefristete Übernahme nach Bestehen der Prüfung garantiert werden.
  • Öffentliche Aufgaben sollen nicht mehr an private Dienstleister ausgegliedert werden. Statt teure private Beratungs- und Gutachterfirmen für alles Mögliche zu beauftragen, muss die Stadtverwaltung wieder Fähigkeiten und Fachwissen aufbauen, um ihre Planungs- und Verwaltungsaufgaben selbst zu erledigen.
  • Neue kommunale Beschäftigungsverhältnisse müssen sozialversicherungspflichtig, tariflich und attraktiv bezahlt sowie grundsätzlich unbefristet sein.
  • Keine Privatisierung öffentlicher Einrichtungen, sondern Ausbau öffentlicher Infrastruktur. Auch die Abfallentsorgung muss eine öffentliche Aufgabe bleiben. Die gesamte Entsorgung von Abfall und Wertstoffen einschließlich Verpackungen (gelber Sack) soll in den Händen städtischer Tochterunternehmen wie dem USB bleiben.
  • Stopp von Lohndumping, auch bei kommunalen Tochter- und Beteiligungsunternehmen.
  • Keine Spaltung der Belegschaft durch Outsourcing und Ausgliederung von Personal in Service-Gesellschaften. Keine Tarifflucht in der kommunalen Verwaltung und den Beteiligungsunternehmen.
  • Keine Vergabe städtischer Aufträge nach dem Prinzip „Der billigste erhält den Zuschlag“. Stattdessen Vergabe nur an Unternehmen, die verbindliche Standards einhalten, zum Beispiel unbefristete, tarifliche Beschäftigung, gute Löhne, kein Lohn unter 15 Euro pro Stunde und vorhandener Betriebsrat.
  • Stärkung der Sparkasse Bochum und Umstrukturierung des gesamten Sparkassen Gebührenmodells nach sozialen Kriterien. Erster notwendiger Schritt ist die Einführung eines kostenfreien Girokontos für Empfänger*innen von Sozialleistungen (ohne Zusatzgebühren für Kartenzahlungen, Überweisungen und Lastschriften).
  • Vollständige Kommunalisierung der mehrheitlich städtischen Wohnungsgesellschaft VBW und Umbau zu einem gemeinwohlorientierten Unternehmen. Durch die bereits jetzt bestehende Gestaltungsmehrheit der Stadt in allen VBW-Gremien kann dieser Umbau sofort beginnen.

3. Demokratie und Solidarität

Solidarische Politik muss in offener und gleichberechtigter Zusammenarbeit mit den Bürger*innen der Stadt Bochum entstehen. Sie muss unter Einbeziehung der Stadtgesellschaft erarbeitet werden. Für uns ist das eine Grundsatzfrage: Wählen gehen darf nicht bedeuten, die eigene Stimme für die nächsten fünf Jahre abzugeben.

Für uns ist klar: Eine Stimme für Die Linke ist eine Stimme für mehr Mitbestimmung und Beteiligung, auch zwischen den Wahlen. Wir verstehen uns als verbindendes Element zwischen der Stadtgesellschaft und den Institutionen der Stadt. Wir nutzen unsere Möglichkeiten im Rat und in den Bezirksvertretungen, um gelebte Beteiligung zu organisieren und Bürger*inneninitiativen bei berechtigten Anliegen zu unterstützen.

Beteiligungsformate ausbauen

In Sachen Beteiligung darf sich die Stadt Bochum nicht auf das gesetzlich vorgeschriebene Minimum beschränken, sondern muss mehr Möglichkeiten schaffen. Wir wollen die Hürden für Bürger*innenbeteiligung auf allen politischen Ebenen senken und Mitbestimmungs- sowie Beteiligungsformate erweitern.

Einwohner*innen müssen frühzeitig in Planungen und Entscheidungen einbezogen werden, die sie betreffen. Frühzeitige Information ist ein erster wichtiger Schritt, reicht aber allein nicht aus. Nötig sind Bürger*innenversammlungen und weitere Beteiligungsformate, die über reine Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie Möglichkeiten hinausgehen, der Verwaltung nur Anregungen zu geben. Wir wollen erreichen, dass die Stadtgesellschaft demokratisch in einem solidarischen Aushandlungsprozess Entscheidungen treffen kann.

Die Säulen, auf denen unser Konzept für mehr Mitbestimmung steht, sind Gemeingüter in öffentlichem Eigentum, gemeinsame Planung, direkte Demokratie und Beteiligung auf allen Ebenen. Es muss ein Dialog entstehen, in dem Chancengleichheit, Inklusivität und Transparenz an erster Stelle stehen.

Die Linke fordert:

  • Einführung erweiterter Beteiligungsformate, die echte Mitbestimmung bei kommunalen Planungen ermöglichen. Die Formate sollen sowohl organisierte bürgerschaftliche Interessenvertretung (Nachbarschaftsvereine, Bürger*inneninitiativen, Aktive aus Gewerkschaften, sozialen Bewegungen, Umwelt- und Sozialverbänden) als auch per Zufallsauswahl nominierte Bochumer*innen einbinden. Alle Perspektiven und Stimmen müssen ernst genommen werden.
  • Niedrigschwellige Bildungsangebote für Jugendliche und Erwachsene zu außerparlamentarischen Beteiligungsangeboten.

Die Bürger*innen müssen in unparteiisch geleiteten Veranstaltungen mit dem Wissen ausgestattet werden, das zur gleichberechtigten Teilnahme notwendig ist.

  • Die Verwaltung darf die Meinung einzelner Bürger*innen nicht dazu instrumentalisieren, um zum Beispiel Kritik von oftmals sehr sachkundigen Bürger*inneninitiativen zu delegitimieren.
  • Bildung von Betroffenenräten auf allen wichtigen kommunalpolitischen Handlungsfeldern und bei städtischen Eigenbetrieben und Beteiligungsunternehmen, zum Beispiel einen Fahrgastbeirat für die Bogestra und Mieter*innenräte bei der VBW.
  • Einführung von unbürokratischen Fragestunden im Rat der Stadt Bochum.
  • Stärkung der Rechte der Bezirksvertretungen. Sie müssen über einen Haushalt verfügen, der ihre Handlungsfähigkeit für die Stadtteile sicherstellt.
  • Einsatz der Stadt Bochum für eine Demokratisierung des Kommunalwahlrechts in NRW. Unser Ziel ist, dass sich alle Bochumer*innen an den Wahlen beteiligen dürfen – unabhängig davon, welchen Pass sie haben.
  • Demokratisierung städtischer Projekte, zum Beispiel der Planung und Ausgestaltung des Haus des Wissens.

Engagement unterstützen, Bochum-Fonds demokratisieren

Für Die Linke gilt der Grundsatz, dass das Engagement von Anwohner*innen, Bürger*inneninitiativen, Vereinen und zivilgesellschaftlichen Verbänden eine Bereicherung für die lokale Politik darstellt. Deshalb setzen wir uns für die stärkere ideelle und finanzielle Unterstützung von Initiativen, Verbänden und anderen Träger*innen dieses Engagements ein. Dafür wollen wir unter anderem den Bochum-Fonds ausbauen und demokratisieren, mit dem die Stadt gemeinnützige Projekte und Aktionen unterstützt. Für völlig falsch halten wir, dass der Fonds aktuell von der Bochum Marketing GmbH verwaltet wird, und dass die Marketinggesellschaft bei kleineren Projekten selbständig über die Vergabe entscheiden darf. Wir sagen: Zivilgesellschaftliche Projekte sind Kernbestandteil einer demokratischen Stadt und dürfen nicht als Teil des Stadtmarketings verstanden werden.

Die Linke fordert:

  • In einem ersten Schritt soll das Budget des Bochum-Fonds von derzeit jährlich 372.000 Euro (1 Euro pro Einwohner*in) auf 744.000 Euro verdoppelt werden.
  • Transparente und verbindliche Vergaberichtlinien und ein demokratisch besetztes Vergabegremium, das nicht nur Ratsmitglieder, sondern auch weitere Teile der Stadtgesellschaft mit einbezieht.
  • Organisation des Prozesses durch das Büro für Bürgerbeteiligung statt durch die Bochum Marketing GmbH.

Verwaltung neu organisieren

Mehr Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten auf Augenhöhe sind wichtig, reichen aber allein nicht aus. Auch die Verwaltung, die diesen Prozess mitorganisieren muss, muss sich strukturell und organisatorisch neu aufstellen. Die unterschiedlichen Ressorts, Dezernate und Fachämter müssen entsprechend der gesellschaftlichen Problemlagen vor Ort ihre Zusammenarbeit fachübergreifend organisieren. Die Kommunalverwaltung muss außerdem demokratisch orientierte Anträge und Begehren von Bürgerinnen und Bürgern unterstützen und darf sie nicht behindern.

Die Linke fordert:

  • Publikationen und Vorlagen der Verwaltung müssen lesbarer und verständlicher werden.
  • Umbau der Verwaltungsorganisation hin zu mehr projektorientierter Arbeit vor Ort. Ressortdenken und -handeln der Verwaltung sind heute nicht mehr zeitgemäß und erzeugen erheblichen Mehraufwand und hohe Kosten.Einrichtung einer Beschwerdestelle, bei der die Einwohnerinnen und Einwohner ihre Kritik anbringen und Probleme mit der Verwaltung vortragen können. Einmal im Jahr soll diese Beschwerdestelle einen Bericht veröffentlichen und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge für Verwaltungshandeln entwickeln.

Die Linke steht auch in Bochum für eine Politik, die allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben ohne Diskriminierung ermöglicht unabhängig davon, wo sie herkommen, und seit wann sie in unserer Stadt leben. Gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, verstehen wir als Pflichtaufgabe der Stadt. Sie muss sich aktiv einsetzen für mehr Bildungsgerechtigkeit, mehr Möglichkeiten der politischen Teilhabe und einen Alltag ohne Rassismus.

Auf Initiative der Linksfraktion im Bochumer Rat ist die Stadt Bochum der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) beigetreten. Das Ziel des Netzwerks ist es, sich gemeinsam für eine wirkungsvolle Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung einzusetzen. Die Mitgliedsstädte haben sich zur Umsetzung eines Zehn-Punkte-Aktionsplans verpflichtet. Der Plan sieht konkrete Verbesserungen vor, zum Beispiel eine stärkere Unterstützung für die Opfer von Rassismus sowie die Entwicklung konkreter Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung bei der Vermittlung von Wohnraum.

Wir begrüßen die durch uns initiierte Mitgliedschaft in dem Bündnis, müssen aber leider feststellen, dass konkrete zusätzliche Maßnahmen zur Erfüllung der Selbstverpflichtung bisher kaum entwickelt und umgesetzt worden sind. Mit einer starken Fraktion im Bochumer Rat wollen wir dafür eintreten, dass sich das in der kommenden Wahlperiode ändert.

Das ist dringend nötig, denn die Politik der vergangenen Jahre hat bei der Beseitigung des kommunalen Investitionsstaus ebenso versagt wie bei der Bekämpfung der zunehmenden Ungleichheit bei Einkommen, Vermögen und Bildungschancen. Überproportional betroffen sind davon Bochumer*innen mit internationaler Familiengeschichte. Die jahrzehntelange Verweigerung einer Einwanderungs- und Integrationspolitik gegenüber der ersten und zweiten Generation der Einwander*innen hat zu andauernden Benachteiligungen auch von jungen Menschen mit Migrationshintergrund geführt. Das wollen wir ändern.

Soziale Probleme, die aufgrund der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen arm und reich zunehmen, werden außerdem in öffentlichen Diskussionen immer wieder ethnisiert und kulturalisiert. Das verstärkt und schürt rassistische Vorurteile. Als Linke treten wir dagegen für den gemeinsamen Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung ein, unabhängig von Herkunft und kultureller Verortung.

Eine gleichberechtigte und solidarische Gesellschaft setzt voraus, dass Bund und Land entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Kommunen wie Bochum brauchen finanzielle Unterstützung aus einem sozial gerechten Steuersystem, damit sie Konzepte entwickeln und Maßnahmen wirksam umsetzen können. Wir treten für eine Stadtspitze ein, die den politischen Druck auf die Regierungen in Berlin und Düsseldorf erhöht, um dies zu erreichen.

Die Linke fordert:

  • Vollständige Umsetzung des Zehn-Punkte-Aktionsplans der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR) durch zusätzliche Maßnahmen und Programme.
  • Stärkere Förderung von Migrantinnen- und Migrantenselbstorganisationen und ihre Einbeziehung in die kommunale Politik
  • Stärkung und bessere finanzielle Ausstattung des Integrationsausschusses.
  • Mehr öffentlich geförderte interkulturelle Projekte, insbesondere in der Jugendarbeit.
  • Mehr Förder- und Beratungsangebote für Eltern mit Einwanderungshintergrund und Sprachförderangebote für alle Kinder mit entsprechendem Bedarf.
  • Kommunale Unterstützung bei der Beantragung von Doppel- und Mehrfach Staatsbürgerschaften.
  • Stärkere Förderung der antirassistischen Arbeit durch gezielte Unterstützung antirassistischer Initiativen und Gruppen.
  • Zusammenarbeit mit Hochschulen, Schulen, Handels- und Handwerkskammern sowie Unternehmen vor Ort zur Erarbeitung von Konzepten zur Anerkennung von Schul-, Hochschul- und Berufsabschlüssen.
  • Einrichtung und Förderung kommunaler Antidiskriminierungsstellen mit Beschwerdemöglichkeit.
  • Interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung, Gesundheit und Bildung (Schulung, Quoten, Personalpolitik).

Bochum ist und bleibt eine solidarische Stadt. Menschen aus der ganzen Welt haben hier in den vergangenen Jahrzehnten ein Zuhause gefunden ob auf der Suche nach Arbeit, einem besseren Leben oder auf der Flucht vor Krieg, Armut und Verfolgung. Als Linke stellen wir klar: Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Sicherheit, Würde und Teilhabe unabhängig von Herkunft, Pass oder Aufenthaltsstatus. Wir halten am Grundsatz fest: Kein Mensch ist illegal!

Wir setzen uns für eine Stadt ein, in der alle Menschen willkommen sind und gute Bedingungen vorfinden, um hier anzukommen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Bochum ist dem Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ beigetreten das war ein erster richtiger Schritt. Doch ein sicherer Hafen zu sein bedeutet mehr als symbolische Erklärungen. Es braucht konkrete Verbesserungen im Alltag der Menschen, die nach Bochum kommen, denn es gibt nicht zu viele Zugewanderte, sondern zu wenig bezahlbaren Wohnraum, zu wenig Kita-Plätze und eine chronisch unterversorgte Gesundheitsinfrastruktur. Im Bochumer Rat haben wir das Votum gegen die lokale Einführung der Bezahlkarte für Geflüchtete unterstützt. Diese Entscheidung muss auch über ihre Evaluation im kommenden Jahr hinaus beibehalten werden!

Die Realität zeigt: Aktuell leben mehr als 1.000 Menschen in unserer Stadt in Sammelunterkünften, oft unter beengten und belastenden Bedingungen. Noch immer sind Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen nicht für alle zugänglich.

Noch immer haben Menschen mit ausländischen Abschlüssen Schwierigkeiten, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten. Das alles ist kein Naturgesetz, sondern Ausdruck politischer Entscheidungen und viele davon können wir vor Ort ändern.

Als Linke in Bochum sagen wir: Integration beginnt nicht erst mit einem anerkannten Aufenthaltstitel, sondern vom ersten Tag an. Sie ist keine Bringschuld der Einzelnen, sondern eine gemeinsame Aufgabe der Stadtgesellschaft. Unsere Stadt muss alle vorhandenen Spielräume nutzen, um geflüchteten und zugewanderten Menschen ein gutes Ankommen zu ermöglichen mit dezentraler, menschenwürdiger Unterbringung, niedrigschwelliger Beratung, Zugang zu Sprachkursen und einem solidarischen Miteinander in den Stadtteilen.

Gleichzeitig kämpfen wir gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung ob auf dem Wohnungsmarkt, bei der Arbeitssuche oder in Schulen und Behörden. Bochum braucht starke Strukturen gegen Ausgrenzung und Räume, in denen Menschen mit Fluchterfahrung, Migrant*innen und ihre Selbstorganisationen mitgestalten können.

Bochum hat das Potenzial, ein Vorbild für eine soziale, menschliche und solidarische Migrationspolitik auf kommunaler Ebene zu sein. Dafür braucht es politischen Willen und eine starke Linke im Stadtrat.

Die Linke fordert:

Im Bereich Wohnen und Unterbringung

  • Abschaffung großer Gemeinschaftsunterkünfte zugunsten dezentraler Unterbringung in Wohnungen.
  • Nutzung kommunaler Spielräume, um Geflüchteten schnell Zugang zu Wohnraum zu ermöglichen.
  • Verbindliche hohe Mindeststandards für bestehende Unterkünfte (z.B. Privatsphäre, Hygiene, Gewaltschutz).
  • Abschaffung überhöhter Nutzungsgebühren für Unterkünfte bei eigenem Einkommen.
  • Keine Vergabe von Geflüchtetenunterkünften und Betreuungsleistungen an profitorientierte Unternehmen und Konzerne. Es darf kein Gewinn auf dem Rücken Schutzsuchender gemacht werden.

Im Bereich Bildung

  • Ausbau von Willkommens- und Intensivklassen an Bochumer Schulen. Außerdem soll die Integration in Regelklassen ermöglicht werden.
  • Sofortiger und kostenloser Zugang zu Sprach- und Integrationskursen für alle. Ausbau von Schulplätzen und Kita-Zugang unabhängig vom Aufenthaltsstatus.
  • Mehr Schulsozialarbeiter*innen und psychologische Begleitung für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche.

Im Bereich Arbeit und Ausbildung

  • Kommunales Engagement für die Abschaffung des Arbeitsverbots für Asylsuchende in den ersten drei Monaten und für den Wegfall der Vorrangprüfung bei der Jobaufnahme.
  • Aufenthaltserlaubnis für die gesamte Dauer einer Ausbildung.
  • Faire Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Im Bereich Menschenrechte und Bleiberecht

  • Verzicht auf Abschiebungen aus der Stadt Bochum, besonders in Krisengebiete.
  • Ausbau der Beratungsangebote für von Abschiebung bedrohte Menschen.
  • Verbindlichkeit von Härtefall-Entscheidungen für die Ausländerbehörde.
  • Zugang zu kostenloser Rechtsberatung für Geflüchtete. Volle Gesundheitsversorgung für alle unabhängig vom Status.
  • An der Ablehnung der diskriminierenden Bezahlkarte für Geflüchtete muss festgehalten werden.

Im Bereich solidarische Stadt Bochum:

  • Aktive Umsetzung des Anspruchs ein sicherer Hafen zu sein: zusätzliche Aufnahme von geflüchteten Menschen, Solidarität und Unterstützung der zivilen Seenotrettung.
  • Organisation eines menschenwürdigen Ankommens.
  • Kein gegeneinander Ausspielen der sozialen Interessen von Geflüchteten und anderen marginalisierten Gruppen.

Die rechte Szene ist eine alltägliche Bedrohung für zahlreiche Menschen in den Kommunen, auch in Bochum. Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt melden für das Jahr 2024 526 Angriffe in NRW mit 728 direkt Betroffenen. Das bedeutet, dass jeden Tag mindestens zwei Menschen Opfer rassistischer, antisemitischer oder anderer menschenfeindlich motivierter Gewalt werden. In Bezug auf Bochum wissen die Beratungsstellen von zwölf einschlägigen Gewalttaten im vergangenen Jahr. Das Erstarken der AfD ist ein deutlich sichtbares Zeichen einer bundesweiten Rechtsentwicklung, die wir gemeinsam mit Bochumer Initiativen bekämpfen. Ermutigende Aktionen dagegen waren die großen antifaschistischen Demonstrationen in Bochum, organisiert von einer stabilen Zivilgesellschaft.

Geflüchtete, Migrant*innen, Angehörige der queeren Community, Antifaschist*innen, Gewerkschafter*innen und viele andere, die nicht in ein autoritäres rechtes Weltbild passen, werden verbal und körperlich attackiert. Dabei umfasst das Spektrum rechter Organisationen in Bochum neben den klassischen Neonazi-Strukturen auch Burschenschaftler an der Universität, informelle Strukturen wie zuletzt die inzwischen geschlossene Nazi-Kneipe Linie 5, sowie die rechtsradikalen Grauen Wölfe, die sich in der Türk Federasyon organisieren. Die Stadt Bochum darf ihnen keine Räume oder Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Wir treten dafür ein, die Verbrechen des Faschismus in Erinnerung zu rufen, denn diese Erinnerung bildet einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Rechts. Da die Zeitzeug*innen immer weniger werden, sind Orte des Erinnerns und kulturelle Beiträge der Erinnerungskultur von größter Bedeutung. Das Andenken an den vielfältigen Widerstand gegen das Naziregime verpflichtet uns zu einer klaren Haltung, insbesondere unter den aktuellen Umständen. Angesichts der Verharmlosung der Verbrechen des Faschismus durch die extreme Rechte ist es wichtig, dass wir Orte des Gedenkens an die Strukturen und Opfer des Nationalsozialismus sowie an den antifaschistischen Widerstand erhalten.

Wir wollen Bochum noch deutlicher als bisher weltoffen und engagiert gegen jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aufstellen. Wir berücksichtigen die Bedürfnisse und Interessen aller Einwohner:innen, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Aufenthaltsstatus, von Geschlecht oder sexueller Orientierung, sozialem Status, Alter oder Behinderung.

Im kommunalen Alltag setzen wir auf offene Diskussionen und wollen alle beteiligen, um fremdenfeindlichen und nationalistischen Deutungen entgegenzuwirken. Darum unterstützen und stärken wir breite Bündnisse auf lokaler Ebene, die unsere demokratische Kultur am Leben halten und helfen, neonazistische und rassistische Strömungen zurückzudrängen.

Die Linke fordert:

  • Kommunale Gremien und die Verwaltung müssen sich klar gegen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit positionieren, und zwar durch öffentliche Stellungnahmen und die Förderung zivilgesellschaftlicher Projekte.
  • Unterstützung und Vernetzung mit selbstorganisierten Gruppen, interkulturellen und rassismuskritischen Vereinen sowie Initiativen zur Geflüchtetenhilfe.
  • Finanzierung und organisatorische Hilfen für Beratungsstellen und Schutzräume, die sich Antidiskriminierung, Antirassismus und der Unterstützung von Opfern rechter Gewalt widmen.
  • Einrichtung einer Opferberatung in Bochum als Anlaufstelle für Bedrohte und Betroffene rechter Gewalt.
  • Einrichtung einer Koordinierungsstelle gegen Rechts bei der Stadt. Bochum braucht dringend mehr professionelle und bezahlte Kräfte in diesem Bereich, um dem Rechtsruck effektiv zu begegnen.
  • Neues Leben in Städtepartnerschaften, vor allem über kontinentale Grenzen hinaus und mit dem globalen Süden, um gegen Nationalismus vorzugehen.
  • Deserteursdenkmäler gegen die Militarisierung und Mobilmachung der Gesellschaft.

Antifaschismus ist ein zentraler Auftrag linker Kommunalpolitik, die sich entschlossen dafür einsetzt, rechten Organisationen und deren Raumnahme den Nährboden zu entziehen. Wir setzen auf einen konsequenten Antirassismus sowie Antifaschismus und legen dabei Wert auf:

  • Widerstand und Selbstschutz gegen rechte Angriffe.
  • Entwicklung übergreifender, dauerhaft finanzierter Maßnahmenpläne gegen Faschismus und Rechtspopulismus. Einführung verpflichtender Schulungen für Mitarbeitende in Behörden, Schulen und Verwaltungen zu Alltagsrassismus, rechter Ideologie und diskriminierungsfreier Praxis.
  • Eine stabile Brandmauer im Umgang mit Rechten.
  • Konsequente Strafverfolgung rechter Gewalt- und Wiederholungstaten sowie Ausbau präventiver Maßnahmen.
  • Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften gegen Rechts.
  • Ein Verbot aller (neo-)faschistischen Organisationen einschließlich der AfD.
  • “Nie wieder Krieg” und “Nie wieder Faschismus” gehören zusammen! Die Militarisierung der Gesellschaft führt sehr direkt zur Verbreitung faschistischer und rechter Ideologie.
  • Langfristige und verlässliche Unterstützung des Stolperstein-Projekts sowie eine breitere Präsentation in der Öffentlichkeit.
  • Einrichtung einer Gedenkstätte zum Thema Euthanasie-Verbrechen, verbunden mit lokaler Aufklärung und Bildungsarbeit.
  • Lokale Aufarbeitung der Schicksale von Zwangsarbeiter*innen.
  • Unbürokratische und verlässliche Förderung für Projekte der Erinnerungskultur – von Ausstellungen und Veranstaltungen über Theater und Film bis hin zu Websites, Social Media und anderen digitalen Formaten.
  • Aufklärung über bestehende Fördermöglichkeiten für Fahrten zu Gedenkorten für Schulen, Jugendorganisationen, Volkshochschulen und Initiativen.
  • Ausstellungen zur Erinnerungskultur in Museen, Rathäusern und anderen öffentlichen Gebäuden, Aufführungen von entsprechenden Theaterstücken – regelmäßig, öffentlich sichtbar und für alle zugänglich.

Um der Gefahr von Rechts zu begegnen, brauchen wir breite gesellschaftliche Bündnisse und gelegentlich auch zivilen Ungehorsam. Im Bochumer Rat und den Bezirksvertretungen darf es deshalb keinerlei Zusammenarbeit extrem rechten Parteien geben. Ihre Anträge dürfen nicht unterstützt werden, und es darf keine interfraktionellen Initiativen mit ihnen geben, denn sie so einzubinden normalisiert rechte Positionen. Wir treten für einen breiten Konsens und klare Absprachen ein, die das vermeiden.

Wir wollen friedensfähig sein, nicht kriegstüchtig. Denn kriegstüchtig sein heißt: zum Sterben bereit und zum Töten. Wir sind es nicht. Die Linke will eine Gesellschaft, die friedfertig und friedensfähig ist.

Die Abermilliarden, die für grenzenlose Hochrüstung ausgegeben werden, fehlen verschuldeten Städten wie Bochum, um ein gutes Leben vor Ort zu organisieren. Sie fehlen für Bildung, Soziales, Gesundheit, Umwelt, Infrastruktur- und Zukunftsinvestitionen. Wir wehren uns gegen eine zunehmende Mobilmachung der Bevölkerung für Krieg. Wir sind gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Auch Schulen sollen unsere Kinder nicht auf Krieg einstimmen, sondern für Frieden begeistern. Sie sollen sich der Werbung für den Kriegsdienst widersetzen.

Frieden beginnt vor Ort. Darum fordern wir einen Schulterschluss von unten: Städte, Gemeinden und Landkreise sollen gemeinsam mit lokalen Friedensinitiativen gegen eine Militarisierung unserer Gesellschaft aktiv werden. Bochum soll vorne mit dabei sein.

Das ist uns wichtig:

  • Ein Krieg mit Atomwaffen wäre der letzte. Auf Initiative der Linken hat der Bochumer Rat deshalb gemeinsam mit zahlreichen anderen Kommunen die Bundesregierung aufgefordert, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Der neue Rat muss diesen Städteappell bekräftigen und sich erneut mit den Nachbarstädten sowie landes- und bundesweit für eine kommunale Kampagne zur Ächtung von Atomwaffen einsetzen.
  • Bochumer Friedensglocken läuten in Hiroshima. Wir erwarten, dass auch die künftigen Oberbürgermeister*innen die Organisation Mayors for Peace unterstützen und gemeinsam mit dem Stadtoberhaupt von Hiroshima und vielen anderen Städten weltweit für eine atomwaffenfreie Welt eintreten. In guter Friedenstradition soll die Stadtspitze dies unter anderem am Mayors Day for Peace und am Hiroshimatag öffentlich zum Ausdruck bringen.
  • Erinnerung und offizielles Gedenken an Kriege sowie ihre Opfer sollen Kriegsverweigerung als Friedensperspektive stets einschließen. Alten Kriegsopferkult lehnen wir ebenso ab wie neue Veteranenfeiern für Soldaten.
  • Bochum soll nie wieder Waffenschmiede der Nation sein. Wir wollen keine Rüstungsindustrie und keine militärischen Einrichtungen in unserer Stadt – nicht nur, um nicht zur Zielscheibe künftiger Kriegsvernichtung zu werden. Gemeinsam mit Studierenden und Beschäftigten an unseren Hochschulen kämpfen wir für starke Zivilklauseln, die Forschung und Lehre für Aufrüstung und Kriegsvorbereitung ausschließen.
  • Wir sind aktiv gegen die Militarisierung von Verwaltung, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen und gegen die Verschwendung öffentlicher Mittel für Bunkerbau. Zivil-militärische Übungen lehnen wir ab. Katastrophenschutz muss zivil bleiben.
  • Friedenskultur sowie Erziehung und Bildung zum Frieden haben in Bochum höchste Priorität. Wir wollen deshalb, dass die Stadt in städtischen und bürgerschaftlichen Kultureinrichtungen Projekte zu den Ursachen und Folgen von Krieg, Aufrüstung und gesellschaftlicher Militarisierung fördert. Die VHS soll darin einen ständigen Bildungsauftrag sehen. Im neuen Haus des Wissens sollen eine Bibliothek und eine Mediensammlung für den Frieden entstehen. Für das Stadtarchiv regen wir ein Archiv der lokalen Friedensbewegung an. Kunst gegen Krieg ist ein wichtiges und förderungsbedürftiges Anliegen im kulturellen Angebot des Schauspielhauses, der Bochumer Symphoniker, des Museums und der freien Kultur.
  • Wir wollen keinerlei Kooperation von Rüstungskonzernen mit kulturellen Einrichtungen, Sportvereinen und Bildungsstätten.
  • Mit der UN-Kinderschutzkonvention sagen wir: „Unter 18 nie!“ Wir wehren uns deshalb gegen Bundeswehrwerbung für Schüler*innen in städtischen Bildungseinrichtungen sowie bei Jobmessen und setzen uns für Erziehung zum Frieden und zu gewaltfreien Konfliktlösungen ein. Wir wollen, dass Jugendliche und Eltern über das Menschenrecht der Kriegsdienstverweigerung voll informiert werden – und auch über ihr Recht, die Weitergabe von Meldeamtsdaten an die Bundeswehr zu untersagen.
  • Wir regen an, dass die Stadt Bochum einen jährlichen Wettbewerb für Friedensprojekte an Bochumer Schulen initiiert.
  • Menschen, die aus Kriegen nach Bochum geflüchtet sind, heißen wir solidarisch willkommen. Wir unterstützen Solidaritätsprojekte für politisch Verfolgte sowie Kriegs- und Bürgerkriegsopfer. Medizinische Flüchtlingshilfe und psychosoziale Unterstützung für Kriegs- und Folteropfer sind dringend notwendig und unverzichtbar. Bund und Land müssen ihre nachhaltige Finanzierung sichern.
  • Wir schützen verfolgte Deserteur*innen und Menschen, die den Kriegsdienst verweigern in Bochum vor der Abschiebung in ihr Herkunftsland, egal ob sie aus Russland, Belarus, der Ukraine, dem Sudan, Syrien oder Eritrea kommen.
  • Wir pflegen unsere Städtepartnerschaften. Die persönliche Verbundenheit der Menschen über Grenzen und frühere Feindschaften hinweg fördert Frieden von unten. Sie bestärkt die gemeinsame internationale Verantwortung für die großen Aufgaben unserer Zeit, für globale Gerechtigkeit, für Menschenrechte und Völkerrecht. Wie immer der Ukrainekrieg endet: Wir halten an der Partnerschaft mit den Menschen in Donezk fest und helfen ihnen auf ihrem Weg in eine friedliche Zukunft.

Alle Menschen, die hier leben, haben die gleichen Menschenrechte. Das ist das Fundament des friedlichen Zusammenlebens in unserer bunten, multikulturellen Stadt. Wir werben für eine gemeinsame kommunale Friedenspolitik auf dieser Grundlage. Wer anderen Menschen Menschenrechte verwehren will, Gewalt verherrlicht, Kriegsverbrechen relativiert, Frieden und Friedensvölkerrecht schmäht, schließt sich davon aus.

4. Stadtentwicklung

Die Linke sagt: Ein anderes Bochum ist möglich. Ein Bochum, das bei der Stadtentwicklung die Bedürfnisse der Menschen in unserer Stadt in den Mittelpunkt stellt, statt immer neuen Prestigeprojekten hinterherzujagen. Ein Bochum, das bestehende Probleme benennt und angeht, anstatt zu versuchen, sie mit teuren Marketing-Kampagnen nur zu überspielen. Ein Bochum, in dem niemand mehr in die soziale Isolation gedrängt wird. Ein Bochum, das für alle die gleiche soziale, kulturelle und demokratische Teilhabe sichert: Bezahlbaren und komfortablen Wohnraum, ausreichend gute und sichere Arbeitsplätze, wenig Verkehrsbelastung und eine intakte Umwelt, gute Schulen und Kindereinrichtungen, bezahlbare Kultur- und Sportangebote sowie ein dichtes solidarisch finanziertes Nahverkehrssystem, das ohne den Kauf von Tickets nutzbar ist. Ein weiteres Beispiel dafür, wie wir das Leben in Bochum für alle einfacher und bezahlbarer machen wollen, ist unsere Forderung nach kommunalen Stadtteil Kantinen: Während die Lebensmittelpreise steigen, und viele sich kaum mehr gutes Essen leisten können, wollen wir städtische Kantinen mit hoher Aufenthaltsqualität schaffen, die ohne Profitinteresse günstiges, gesundes und leckeres Essen für alle anbieten. So entstehen neue Orte für bezahlbare Nahversorgung, für alltägliches Miteinander und mehr sozialen Zusammenhalt. Auch Bochumer*innen, die sich zusätzlich zu Arbeit und anderen Verpflichtungen um Familien und Kinder kümmern, erhalten eine sehr preisgünstige Alternative dazu, jeden einzelnen Tag selbst kochen zu müssen.

In der Innenstadt wollen wir eine solche Kantine entweder nach dem Umzug der Musikschule in ihrem bisherigen Gebäude oder im bisherigen Bildungs- und Verwaltungszentrum (BVZ) einrichten, dass wir nicht abreißen, sondern umbauen und mit sozialem Wohnraum und öffentlicher Infrastruktur nachnutzen wollen. In weiteren Stadtteilen wollen wir gemeinsam mit den Einwohner*innen und der Verwaltung nach geeigneten Standorten suchen.  In einer sozialen Stadt müssen sich außerdem alle Menschen wohl und zuhause fühlen können egal wie alt sie sind, wieviel Geld sie haben und wo sie in Bochum wohnen. Und egal, ob sie neu nach Bochum gezogen sind oder schon seit Jahrzehnten hier leben. Dafür sind gleichwertige Lebensbedingungen und soziale Infrastrukturen in allen Stadtteilen notwendig. Eine soziale und solidarische Stadt kümmert sich um alle und beteiligt alle am öffentlichen Leben. Sie schafft Arbeitsplätze und gesicherte Beschäftigung und bekämpft so Arbeitslosigkeit und Armut. Sie bietet bedarfsgerechte, barrierefreie und integrative Sozialeinrichtungen für alle Generationen und Bevölkerungsgruppen. Eine soziale und solidarische Stadt muss sich daran messen lassen, wie sie mit benachteiligten Menschen umgeht. Die Linke setzt sich für eine Stadt ein, die sich auf Solidarität als gemeinsame Selbstbestimmung gründet also für ein Gemeinwesen, das seine Lebensverhältnisse selbst, demokratisch und sozial regelt. Deswegen engagieren wir uns für mehr demokratische Teilhabe aller Menschen in Bochum an kommunalen Entscheidungsprozessen.

In Bochum steigen die Mieten. Es wird immer schwieriger, in unserer Stadt eine bezahlbare Wohnung zu finden. Die krass gestiegenen Energiekosten sorgen für zusätzliche Notsituationen. Besonders knapp ist das Wohnungsangebot für Alleinstehende und für große Familien. Auch barrierearme Wohnungen und solche, die sich fürs Wohnen im Alter eignen, fehlen. Über die Hälfte der Bochumer Miethaushalte gelten als durch Wohnkosten überlastet, sie müssen mehr als 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgeben.

Riesige Probleme hat in Bochum, wer umziehen will oder muss. Denn die inserierten Angebotsmieten liegen immer häufiger beim Doppelten der Mietspiegelwerte. Mit dramatischen Folgen: Selbst bei Instandhaltungsstau, Gesundheitsgefährdung durch Schimmel oder nach Trennungen ist ein Umzug kaum möglich. Das führt zu einem historischen Tiefstand bei den Umzugszahlen in unserer Stadt: Sie befinden sich auf dem niedrigsten Niveau seit der Wohnungsnot in den 1990er Jahren.

Abbau sozialen Wohnraums stoppen

Gleichzeitig gibt es in unserer Stadt nur noch gut 12.000 mietpreisgebundene Sozialwohnungen, seit dem Jahr 2004 hat sich der Bestand mehr als halbiert. Aufgrund ihres Einkommens hat die Hälfte der Bochumer Bevölkerung Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Den nur noch 12.000 Sozialwohnungen stehen also 183.000 Berechtigte gegenüber. Und die aktuelle Rathauskoalition aus SPD und Grünen nimmt in Kauf, dass sich die Situation weiter verschlechtert: In dem von ihnen beschlossenen Handlungskonzept Wohnen haben sie sich das Ziel gesetzt, in den kommenden fünf Jahren nur 300 neue Sozialbindungen pro Jahr zu erreichen, obwohl durchschnittlich 450 Wohnungen pro Jahr aus der Bindung fallen. Dabei ist es höchst unsicher, ob Bochum mit der aktuellen Wohnungspolitik dieses viel zu niedrige Ziel überhaupt erreichen wird.

Wuchermieten bekämpfen

Ein immer größeres Problem sind auch Wuchermieten, die Vermieter*innen in Bochum verlangen. Recherchen des Mietervereins auf der Online-Plattform ImmoScout24 haben ergeben: Rund die Hälfte aller Neuvermietungsangebote dort weisen Mietpreise auf, die zwischen 20 und sogar 150 Prozent über den Mietspiegelwerten liegen. Gerade solche Neuvermietungsmieten treiben den Mietspiegel in die Höhe und beschleunigen die Mietpreisspirale.

Dabei kann die Kommune eine Mietpreisüberhöhung von 20 Prozent und mehr unter bestimmten Bedingungen als Ordnungswidrigkeit verfolgen – und laut § 5 Wirtschaftsstrafgesetz mit Bußgeldern bis 50.000 Euro belegen. Überhöhungen von mehr als 50 Prozent können laut § 291 Strafgesetzbuch als Mietwucher sogar strafrechtlich relevant sein. Die Anwendung der Paragraphen ist aus verschiedenen Gründen eine Herausforderung, aber durchaus möglich. In Bochum passiert das bisher nicht.

Auch beim Wohnen: Gemeinwohl geht vor

Wir wollen den Marktanteil von öffentlichen und gemeinwohlorientierten Vermieter*innen wie Stiftungen und Genossenschaften sowie der mehrheitlich städtischen VBW systematisch erhöhen. Und wir wollen die VBW umbauen: Der Zweck der städtischen Wohnungsgesellschaft ist unserer Meinung nach die Sicherung von gutem und mietpreisgünstigem Wohnraum, nicht die Erwirtschaftung von Profiten für den städtischen Haushalt.

Aktive Wohnungspolitik statt Bodenprivatisierung

Insgesamt darf Boden keine Ware sein wie jede andere. Denn Boden ist im Unterschied zu mobilen Waren nicht vermehrbar. Das Argument der fehlenden Wohnungen wird vielfach dazu benutzt, um den Verkauf von Grundstücken an Investor*innen zu legitimieren. Dies führt zu Bauprojekten, deren Mietpreise größtenteils weit über den Bochumer Durchschnittsmieten liegen. Solche Neubauprojekte wirken als Preistreiber in der ganzen Stadt. Stattdessen brauchen wir eine Politik, welche die Wohnraumversorgung nicht mehr privaten Investoren überlässt. Die Stadt muss eine aktive Wohnungspolitik zu ihrem eigenen Schwerpunkt machen – mit den entsprechenden Konsequenzen für den Einsatz der städtischen Haushaltsmittel und des städtischen Personals. Wenn neu gebaut wird, müssen Projekte für dauerhaft preisgebundene Mietwohnungen in kommunaler und gemeinwohlorientierter Trägerschaft im Vordergrund stehen. Ebenso begrüßen wir die Zusammenarbeit mit anderen nicht renditeorientierten Bauträgern, etwa gemeinwohlorientierten Genossenschaften, Wohnungsbauvereinen und Stiftungen.

Gegen Leerstand und Abriss

Trotz Wohnraummangel stehen in Bochum rund 3,6 Prozent der Wohnungen leer – das sind rund 7.000 Wohneinheiten. Dabei handelt es sich häufig um strukturelle Leerstände, die zum Beispiel auf Grund von Instandhaltungsstau kaum vermietbar sind. Obwohl in solchen Fällen weitere Wohnraumvernichtung durch Abriss droht, unternimmt die Stadt allzu häufig nichts. Eine sozial gerechte Nutzung des existierenden Wohnungsbestands sowie die Aktivierung von Leerstand sind ökologischer und nachhaltiger als es zusätzliche Bodenversiegelung durch Neubau ist. Um den Bestand stärker im Sinne der Menschen in Bochum zu nutzen, wollen wir auch die Kommunalisierung von Wohnungsbeständen in den politischen Fokus rücken. So kann es gelingen, mehr Wohnraum in Bochum bezahlbar und Leerstände wieder bewohnbar zu machen sowie insgesamt das Mietpreisniveau zu stabilisieren.

Mieter*innen-Selbstorganisation fördern

Eine soziale, demokratische und ökologische Wohnungspolitik lässt sich nur durchsetzen, wenn sich auch die Mieterinnen und Mieter selbst dafür engagieren. Daher begrüßen wir die Selbstorganisation der Mieter*innen sowie deren Proteste, und wir unterstützen stadtpolitische Initiativen und Bündnisse. Wir treten dafür ein, dass die Stadt Bochum ihre Zusammenarbeit mit dem Mieterverein intensiviert und sie die Selbstorganisation von Mieter*innen sowie selbstorganisierte Wohnprojekte stärker unterstützt.

Die Linke fordert:

  • Privatisierungs-Stopp für kommunale Grundstücke, Gebäude und Wohnungen. Der Bestand an öffentlichem und gemeinwohlorientiert genutztem Boden muss erhöht werden, um eine gemeinsame und demokratisch organisierte Flächenentwicklung zu ermöglichen.
  • Eindeutige Priorität für kommunalen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau gegenüber profit- und renditeorientierten Projekten.
  • Städtische Grundstücke sollen kommunalen und anderen gemeinwohlorientierten Wohnungsunternehmen nach dem Erbbaurecht für den Bau von Wohnungen im Preissegment der öffentlichen Wohnungsbauförderung zur Verfügung gestellt werden. Die Stadt Bochum muss ihren Grundsatzbeschluss zur Vergabe nach dem Erbbaurecht nachschärfen und endlich ernstnehmen, anstatt in fast jedem Fall davon abzuweichen.
  • Erhaltenswerte Gebäude, welche die Stadt nicht mehr selbst nutzen will (zum Beispiel die aktuelle Musikschule, das Gesundheitsamt und das BVZ) sollen nicht abgerissen, sondern gemeinwohlorientiert umgenutzt werden.
  • In den Bedingungen aller kommunalen Förderprogramme für Wohnungsmodernisierungen und Sanierungen muss festgeschrieben werden, dass nur Maßnahmen förderfähig sind, durch die sich die Warmmiete nicht erhöht.
  • Deutliche Erhöhung der Ziele für öffentlich geförderten und mietpreisgebundenen Wohnraum: Dazu sollen die Quoten bei allen noch nicht rechtsgültigen und zukünftigen Bebauungsplänen erhöht werden und verbindlich ohne Ausnahmen gelten. Zusätzlich kann die Stadt stärker auf Modernisierungsförderungen und den Ankauf von Belegrechten setzen.
  • Nutzung des Instruments der sozialen Erhaltungssatzung (Milieuschutzsatzung) nach §172 des Baugesetzbuch, um der Verdrängung von Mieter*innen und dem Verlust mietpreisgünstigen Wohnraums entgegenzuwirken.
  • Kungelei mit der Immobilienwirtschaft beenden. Der in Bochum ansässige Vonovia Konzern ist nicht nur der größte Immobilienkonzern Deutschlands, sondern auch der größte strategische Mietpreistreiber der Republik. Er steht wegen überteuerter Modernisierungen, falscher Abrechnungen, und immer weiter steigender Unternehmensgewinne auf Kosten der Mieter*innen massiv in der Kritik. Trotzdem genießt der Konzern im Bochumer Rathaus eine privilegierte Sonderbehandlung. Wir stehen für eine Stadtverwaltung ein, die sich nicht auf die Seite des Großkonzerns stellt, sondern an die Seite der Mieter*innen, die von der unsozialen Vonovia-Unternehmenspolitik betroffen sind.

Für die mehrheitlich städtische Wohnungsgesellschaft VBW:

  • Umbau der VBW zu einem vollständig gemeinwohlorientierten Unternehmen. Das bedeutet auch: Mieten runter! Statt die Mietpreise an überhöhten Marktpreisen zu orientieren, sollen sie nach dem Kostendeckungsprinzip unter Einbeziehung des gesamten Bestands gebildet werden. Mit einer dauerhaften Zweckbindung des VBW-Bestands wollen wir außerdem Privatisierungen unmöglich machen.
  • Einführung von Mieter*innenräten für echte Mitbestimmung.
  • Bis der Umbau zum gemeinwohlorientierten Unternehmen mit günstigeren Mieten abgeschlossen ist, wollen wir einen Mietendeckel für alle VBW-Wohnungen einführen, der Mieterhöhungen ausschließt. Neuvermietungen dürfen keinesfalls zu Preisen vorgenommen werden, die oberhalb der Werte im Mietspiegel liegen.
  • Schluss mit den millionenschweren Gewinnausschüttungen, welche die Rathauskoalition aus SPD und Grünen aktuell jedes Jahr von der VBW verlangt. Überschüssiges Geld soll der Wohnungsgesellschaft nicht mehr entzogen, sondern reinvestiert werden – in den Bestand und in den Neubau von preisgünstigem Wohnraum. Erhöhung des Wohnungsbestands der VBW von aktuell 12.900 auf mittelfristig 20.000 Wohnungen in Bochum, 10.000 davon mit Mietpreisbindung. Neben Neubau wollen wir dabei auch auf den Wohnungsankauf zum Verkehrswert setzen, insbesondere auch von überforderten und problematisch handelnden Vermieter*innen.

Für ein aktives Wohnungsamt, das auf der Seite der Menschen steht:

  • Die Bochumer Wohnraumschutzsatzung, für welche die Bochumer Linke seit vielen Jahren gekämpft hat, muss nachgebessert werden. Die im Mai 2025 beschlossene Satzung macht endlich Wohnungsleerstände und Abrisse melde- und genehmigungspflichtig. Anders als in vielen anderen Kommunen verzichtet Bochum jedoch darauf, auch die Umnutzung von Wohnraum zu kommerziellen Ferienwohnungen (Kurzzeitvermietung) und zu Gewerbeflächen aktiv zu regulieren. Auch gegen diese Formen von Zweckentfremdung muss die Stadt vorgehen und sie im Rahmen einer überarbeiteten Satzung verfolgen.
  • Sobald der Stadt Leerstände, geplante Abrisse und andere Zweckentfremdungen gemeldet werden, muss sie die Gründe ermitteln und gezielte Maßnahmen ergreifen. Das Wohnungsamt muss auch aktiv ermitteln und in jedem Einzelfall entschlossen reagieren. Das Handlungsspektrum soll von maßgeschneiderten Förder- und Beratungsangeboten bis hin zur Verhängung von Ordnungsgeldern gegen spekulativen Leerstand reichen.
  • Entschlossene Maßnahmen gegen Instandhaltungsstau: Auch hier muss die städtische Wohnungsaufsicht tätig werden, bevor die Unbewohnbarkeit unmittelbar droht. Zur Durchsetzung von bauordnungsrechtlichen Anordnungen kann sie außerdem Ersatzvornahmen durchführen, also selbst notwendige Arbeiten in Auftrag geben, und die Kosten von den Vermieter*innen zurückfordern.
  • Aktionsplan gegen Wuchermieten: Das städtische Wohnungsamt soll diejenigen kontaktieren und schriftlich ermahnen, die versuchen überhöhte Mietpreise oder sogar Wuchermieten zu verlangen, und sie darauf aufmerksam machen, dass Bußgelder drohen bzw. dass sie sich sogar strafbar machen könnten. Zu signalisieren, dass die Behörden die Machenschaften im Blick haben, kann bereits eine disziplinierende Wirkung haben, bevor es zu spät ist.
  • Mit der aktuell viel zu geringen Personalausstattung kann das Wohnungsamt all diesen wichtigen Aufgaben nicht vollständig nachkommen. Darum wollen wir einen Personalaufbauplan für das Wohnungsamt durchsetzen, damit es handlungsfähig wird. Eine Personalaufstockung ist auch wichtig, um die Möglichkeiten einer verbesserten Wohnraumschutzsatzung in vollem Umfang zu nutzen. Dass die Koalition aus SPD und Grünen bisher nur eine einzige Vollzeitstelle für die Überwachung der Regeln bei den mehr als 150.000 Bochumer Mietwohnungen schaffen will, ist absurd.

In einer reichen Stadt wie Bochum sollte niemand gezwungen sein, auf der Straße zu leben. Und doch gehört Obdachlosigkeit für viele Menschen zum Alltag sichtbar auf öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen und in Notunterkünften. Die Ursachen sind vielfältig: Wohnraummangel und überhöhte Mietpreise, Armut, psychische oder chronische Erkrankungen, Diskriminierung, familiäre Krisen oder das Scheitern von Hilfesystemen. Die sichtbare Straßen-Obdachlosigkeit ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Zahl der wohnungslosen Menschen, die über keinen mietvertraglich abgesicherten eigenen Wohnraum verfügen, ist viel größer. Viele kommen zeitweise bei Bekannten oder Familienangehörigen unter, leben in Unterkünften oder in anderen unsicheren und häufig wechselnden Verhältnissen.

Die Linke in Bochum steht an der Seite wohnungsloser Menschen. Wir setzen uns für einen Paradigmenwechsel in der kommunalen Wohnungspolitik ein: Wohnen ist ein Menschenrecht und kein Luxusgut. Die Wohnungspolitik, für die wir kämpfen, erhält und schafft bezahlbaren Wohnraum. Wir treten ein für eine Stadt, die Armut aktiv bekämpft und von Armut Betroffene schützt.

Eine solidarische Stadt versteht Wohnungslosigkeit nicht als individuelles Versagen, sondern als gesellschaftliche Verantwortung. Das bedeutet, Menschen nicht zu verdrängen oder zu kriminalisieren, sondern ihnen würdevoll zu begegnen mit Schutzräumen, echter Unterstützung und langfristigen Perspektiven. Wohnungslose Menschen brauchen keine Vertreibung, sondern Zugang zu bezahlbarem Wohnraum, zu psychosozialer Beratung, zu medizinischer Versorgung und zu menschenwürdiger Existenzsicherung.

Die bestehenden Hilfesysteme schaffen es aktuell nicht, alle Menschen wirkungsvoll vor Wohnraumverlust zu schützen. Eine Zwangsräumung ist die härteste Art, eine Wohnung zu verlieren. Wie eine Anfrage der Linken im Rat ergeben hat, sind im Jahr in Bochum 225 Zwangsräumungen vollstreckt worden das ist durchschnittlich eine an jedem Arbeitstag! Damit hat sich die Anzahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als neun Prozent erhöht. In 51 von diesen Fällen sind Menschen zwangsweise aus einer Wohnung der mehrheitlich städtischen Wohnungsgesellschaft VBW geräumt worden. Die Zahl der angesetzten Räumungen, die Gerichtsvollzieher*innen an die Stadt gemeldet haben, ist mit insgesamt 317 sogar noch viel höher.

Wir wollen Zwangsräumungen verbieten und Prävention zur obersten Priorität machen: Wer davon bedroht ist die Wohnung zu verlieren, braucht schnelle, unbürokratische Hilfe, bevor es zur Wohnungslosigkeit kommt. Wer bereits betroffen ist, braucht mehr als Notlösungen nämlich das Recht auf Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben mit eigenem Wohnraum.

Wir wollen die Housing-First-Modelle stärken, den Bestand an Sozialwohnungen ausbauen und kommunale Flächen für gemeinwohlorientiertes Bauen sichern.

Gleichzeitig fordern wir ein Ende repressiver Maßnahmen wie Zwangsräumungen, Platzverweise oder die Verdrängung aus dem öffentlichen Raum. Stattdessen braucht es niedrigschwellige Angebote, mobile Hilfen und Räume, in denen Betroffene selbst mitreden und mitentscheiden können. Wohnungslosigkeit ist kein Schicksal. Sie ist Ausdruck von politischem Versagen und kann durch eine andere Politik vor Ort bekämpft werden. Bochum hat die Ressourcen und die Verantwortung, jedem Menschen ein Leben in Sicherheit, Würde und mit einem Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Wir kämpfen für eine Stadt, in der niemand auf der Straße leben muss.

Die Linke fordert:

  • Housing First zur Regel machen: zuerst eine eigene Wohnung, dann freiwillige Hilfen statt jahrelanger Notunterbringung.
  • Das Bochumer Shelter-Projekt und die Landesinitiative “Endlich ein Zuhause” ausbauen.
  • Kleine, dezentrale Wohneinheiten mit Privatsphäre statt Sammelunterkünften für wohnungslose Menschen.
  • Kein Profit mit Obdachlosigkeit: Notunterkünfte und Hilfsangebote kommunal und mit gemeinwohlorientierten Trägern organisieren.
  • Verbindliche Mindeststandards in Notunterkünften: Schutz vor Gewalt, Rückzugsräume, Zugang zu Sanitäranlagen.
  • Schutz queerer Menschen, Jugendlicher und Frauen vor Obdachlosigkeit durch gezielte Wohnprojekte und Notunterkünfte. Das bedeutet Ausbau und Ergänzung bestehender Projekte wie mosaiQ* der evangelischen Jugendhilfe Bochum, das zur Zeit 13 Jugendliche und junge Erwachsene aufnehmen kann.

Zur Prävention

  • Um Wohnungslosigkeit zu verhindern, braucht es besseren Mieter*innenschutz. Die Stadt Bochum muss lokale Strukturen stärken und gegenüber der Bundesregierung Verbesserungen wie Reformen zur Schonfristzahlung im Mietrecht und besseren Kündigungsschutz aktiv einfordern.
  • Frühe Hilfe bei Mietschulden durch soziale Schuldenberatung und Notfall-Fonds.
  • Schluss mit viel zu langen Bearbeitungszeiten von Wohngeldanträgen und Sozialleistungen. So können schnell zwei Monatsmieten Zahlungsrückstand entstehen, was ein Kündigungsgrund ist. Das Sozialamt braucht genug Personal und ist in der Verantwortung, alle Anträge sehr zeitnah zu bearbeiten.
  • Zwangsräumungen verhindern! Die VBW als mehrheitlich kommunaler Vermieter muss mit gutem Beispiel vorangehen und auf die menschenunwürdige Praxis verzichten.
  • Ausbau des städtischen Frühwarnsystems bei drohender Wohnungslosigkeit.

Im Bereich Nothilfe und Gesundheit

  • Anlaufstellen mit 24-Stunden-Erreichbarkeit für wohnungslose Menschen, insbesondere im Winter.
  • Hitzekonzept, Kältekonzept und das zuletzt 2022 überarbeitete Wohnungsnotfallhilfekonzept der Stadt Bochum weiter ausbauen.
  • Kostenfreier Zugang zu medizinischer Versorgung auch ohne Krankenversicherung, Gesundheitszentren speziell für obdachlose Menschen mit ganzheitlichem Ansatz (z. B. Trauma, Sucht, chronische Erkrankungen).
  • Verstärkte Förderung mobiler Sozial- und Gesundheitsdienste, die Menschen auf der Straße erreichen.
  • Mehr leicht erreichbare Beratungsstellen und Tagestreffs für obdachlose Menschen. Psychosoziale Hilfen gezielt auch für Frauen, queere Personen und Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Im Bereich Teilhabe und Beteiligung

  • Förderung von Selbstvertretungsstrukturen und Empowerment-Initiativen Betroffener.
  • Keine Kriminalisierung von Armut: Keine Platzverweise, keine Bußgelder fürs Schlafen im Freien.
  • Öffentliche Toiletten, Duschen und Schutzräume, zugänglich und kostenfrei.
  • Programme zur beruflichen (Re-)Integration mit niedrigem Zugang, zum Beispiel leichte Weiterbildungen.

Im Bereich Bildung und öffentliche Wahrnehmung

  • Programme in Schulen und Fortbildungen für Lehrkräfte zum Abbau von Vorurteilen gegen Wohnungslose.
  • Öffentliche Kulturprojekte, die Perspektiven wohnungsloser Menschen sichtbar machen.
  • Jugendarbeit für wohnungslose junge Menschen stärker fördern.

Im Bereich Schutz vor Gewalt

  • Schulung von Polizei und Ordnungsamt im Umgang mit obdachlosen Menschen (gewaltsensibel, diskriminierungsfrei).
  • Schutzräume speziell für Frauen, queere Menschen und Menschen mit Migrationsgeschichte.
  • Einrichtung einer städtischen Beratungsstelle für wohnungslose Opfer von Gewalt.

Planungsprozesse dürfen nicht mehr über die Köpfe der Menschen in Bochum hinweg organisiert werden. Die kommunale Planung, die wir wollen, ist ausgerichtet an den konkreten Bedürfnissen in den Stadtteilen, und nicht an Profitinteressen von Investor*innen, Wohnungsunternehmen und anderen Konzernen. Sie ist sozial ökologisch und hat das Ziel, zusätzlichen Flächenverbrauch zu vermeiden. Um das zu erreichen, brauchen wir mehr Beteiligungsmöglichkeiten und mehr Mitbestimmung für alle, die in Bochum leben. So wollen wir gleichwertige Lebensbedingungen, soziale Vielfalt und Sicherheit sowie quartiersnahe Versorgung überall in der Stadt sicherstellen.

Beteiligung auf Augenhöhe ermöglichen

Wie die Zukunft der Bochumer Innenstadt und der Stadtteile aussehen soll und wie mit öffentlichen Ressourcen, den Grundstücken, Gebäuden und nicht zuletzt den Bedürfnissen der Menschen umgegangen wird, sind Entscheidungen von großer Tragweite. Eine nur symbolische Beteiligung der Stadtgesellschaft bei der Beantwortung dieser Fragen ist nicht ausreichend. Stattdessen fordern wir ressortübergreifende Planungsprozesse und Mitbestimmungsformate, die sicherstellen, dass das lokale Wissen der Anwohner*innen in die Planung einfließt.

Der Planungsprozess muss zugänglich, demokratisch, ergebnisoffen, breitgefächert und vor Ort organisiert stattfinden. Geeignete Räumlichkeiten für diese Beteiligungsprozesse sind zum Beispiel die Quartiersräume von Vereinen und Initiativen sowie die Bezirksverwaltungsstellen.

Die Linke fordert:

  • Neue Möglichkeiten der Mitbestimmung und Planungsbeteiligung zum Beispiel in Form von fachgebietsübergreifenden Planungszellen vor Ort. In ihnen sollen Stadtteilbewohner*innen, Verwaltungsbeschäftigte und Experten*innen gleichberechtigt zusammenarbeiten. Die Planungszelle organisiert gemeinsam den Beteiligungsprozess und legt die Ergebnisse den Entscheidungsgremien zur Beratung und Abstimmung vor. Um eine Beteiligung auf Augenhöhe zu ermöglichen, soll während des Prozesses die Selbstorganisation der Stadtteilbewohner*innen gestärkt werden, zum Beispiel durch unabhängige Stadtteilversammlungen.
  • Als Pilotprojekt fordern wir die Gründung einer solchen Planungszelle für das städtische Gelände am Appolonia-Pfaus-Park (BVZ, Turnhalle, Musikschule und Gesundheitsamt).
  • Einschränkung beschleunigter Verfahren, die die Beteiligung verschlechtern.

Freiflächen erhalten, Stadtklima verbessern

Der Stadtumbau, für den wir eintreten, ist ökologisch nachhaltig. Freiflächen müssen erhalten und geschaffen werden, denn sie erhöhen nicht nur die Aufenthaltsqualität, sondern sind auch für die Verbesserung des Stadtklimas und der Luftverhältnisse unerlässlich. In der Bochumer Innenstadt hat sich die Temperatur besorgniserregend erhöht. Das hat gravierende Folgen für die Aufenthaltsqualität und die Gesundheit.

Die Linke fordert:

  • Bebauungspläne müssen auf ihre Klima- und Umweltverträglichkeit geprüft werden.
  • Entwicklung eines Handlungskonzepts gegen urbane Hitzeinseln, um Wärme Hotspots effektiv zu bekämpfen. Es soll bei allen zukünftigen städtebaulichen Maßnahmen berücksichtigt werden. Als Maßnahmen kommen u.a. in Frage: Konsequentes Anpflanzen und Nachpflanzen von geeigneten Bäumen und Straßenbegleitgrün im gesamten Innenstadtbereich, Pflege und Ausbau von Brunnen und Wasserflächen, mehr Dach- und Fassadenbegrünung, Dachgärten, Aufwertung und Ausweitung von Grünflächen und Parks, Hochbeete, Rankgerüste und vertikale Raumbegrünung (grüne Wände) in den Bereichen, in denen das Anpflanzen tiefwurzelnder Bäume und Sträucher nicht möglich ist.
  • Bei Nachverdichtungen müssen der lokale Freiraumbedarf und stadtklimatische Anforderungen unbedingt berücksichtigt werden. Mögliche Maßnahmen sind die Schließung von Baulücken, der Ausbau von Dachgeschossen und die Aufstockung von Gebäuden.

Flächenfraß stoppen

Um das Zubauen von Freiflächen zu stoppen, brauchen wir ein Umsteuern in der städtischen Bauleitplanung. Der Umbau im Bestand muss nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis Vorrang vor neuer Flächenversiegelung haben. Wir setzen uns dafür ein, vorrangig alte, ungenutzte Industrieflächen aufzuarbeiten und einer neuen Nutzung zuzuführen. Die Strategie einiger Eigentümer*innen, solche Flächen brachliegen zu lassen, um keine Altlasten entsorgen zu müssen, ist nicht akzeptabel.

Die Linke fordert:

  • Reduzierung des Flächenverbrauchs mit dem Ziel des Nullverbrauchs durch Umnutzung im Bestand und Vorrang für Innenverdichtung. Begrenzung von Baumaßnahmen im Außenbereich (§35 Baugesetzbuch).
  • Entwicklung eines Umnutzungskonzepts für gewerblichen Leerstand in bezahlbaren Wohnraum, mit dem die Potentiale zum Umbau von leerstehenden Gewerbeimmobilien (Ladenlokale, ehemalige Gaststätten, Büroflächen etc.) erhoben und konkrete Vorschläge entwickelt werden. Dabei werden auch Konzepte zur Kommunalisierung und gemeinwohlorientierten Bewirtschaftung geprüft, um den dringend benötigten preisgünstigen Wohnraum zu schaffen.
  • Die knappen Wohnbauflächen sollen für inklusiven, gemeinwohlorientierten Wohnungsbau genutzt werden, statt sie für neue Ein- und Zweifamilienhäuser mit großem Flächenverbrauch zu verschwenden, von denen nur wenige profitieren würden.

Die Kultur, die wir wollen, ist barrierefrei, inklusiv und für alle zugänglich – unabhängig von Herkunft, Einkommen, Geschlecht oder Alter. Eine vielfältige und lebendige Kulturszene ist kein verzichtbarer Luxus, sondern die Grundlage für ein solidarisches Miteinander in unserer Stadt.

Ob Theater oder Straßenfest, Museum oder Graffiti-Freiflächen, Musikschule oder selbstorganisiertes Konzert – für uns stehen alle kulturellen Ausdrucksformen gleichberechtigt nebeneinander. Sie bereichern sich gegenseitig und machen Bochum lebenswerter. Diese Vielfalt verdient Förderung, und nicht den Konkurrenzkampf um viel zu knappe Mittel. Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, die kulturellen Angebote in unserer Stadt zu erhalten. Kürzungen in diesem Bereich lassen sich nicht so einfach wieder rückgängig machen.

Wir setzen uns daher unbedingt dafür ein, dass die bestehenden kulturellen Akteur*innen in Bochum finanziell abgesichert werden und eine Perspektive haben.

Wir wollen nicht, dass Clubs, Konzerträume, Ausstellungsorte, Kunsträume, Museen und Büchereien schließen müssen, sondern eine lebendige, solidarische Stadt.

Wir wollen mehr in kulturelle Bildung investieren. Ein breites Kulturangebot für Kinder und Jugendliche trägt dazu bei, dass auch morgen selbstbewusste, kritische und solidarische Menschen in unserer Stadt leben.

Wir wollen die freie Szene stärken. Sie braucht sichere Finanzierung in einem Drei Stufen-Modell, das Projektförderungen für temporäre Projekte, mehrjährige Konzeptförderungen sowie den Zugang zu institutioneller Förderung umfasst. Wir wollen ein flächendeckendes Netz soziokultureller Einrichtungen in allen Stadtteilen schaffen, nicht nur im Stadtzentrum. Wir wollen die Entwicklung des Hauses des Wissens kritisch begleiten mit dem Ziel, einen offenen, nichtkommerziellen Ort für alle zu schaffen.

Kultur darf kein Luxusgut sein. Alle müssen mitmachen können, auch ohne Geld. Es ist Aufgabe der öffentlichen Hand, das zu ermöglichen. Deshalb setzen wir uns für eine gerechte und solidarische Kulturförderung ein, die Vielfalt sichert und Zugang schafft.

Anfeindungen gegenüber der Kunst- und Kulturfreiheit weisen wir entschieden zurück. Kulturelle Förderung muss unabhängig von politischen Machtinteressen gewährleistet sein und darf nicht als Mittel zur Einschränkung unliebsamer oder kritischer Akteur*innen genutzt werden.

Die Linke fordert:

  • Eine Kampagne für den Bochum-Pass: Er ist ein bedeutendes Instrument zur Förderung sozialer Gerechtigkeit und kultureller Teilhabe und soll ausgebaut werden. Der Pass soll mehr Menschen mit geringem Einkommen zugänglich sein und kostenlose Eintritte ermöglichen. An öffentlich bezuschussten Kultureinrichtungen, an denen ein ganz kostenfreier Eintritt nicht gut organisierbar ist, soll die Stadt ein festes Kontingent an Eintrittskarten finanzieren, die für den Preis von maximal drei Euro abgegeben werden.
  • Ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung der Stadtbücherei, der Musikschule, der Museen und anderer kommunaler Kultureinrichtungen.
  • Erhalt und Ausbau dezentraler Kultur- und Freizeiteinrichtungen in allen Stadtteilen – etwa von Stadtbücherei-Zweigstellen, soziokulturellen Zentren, Jugendkulturzentren und zivilgesellschaftlichen Projekten, wie zum Beispiel dem Angebot von X-Vision Ruhr in Wattenscheid.
  • Unbürokratische Bereitstellung öffentlicher Plätze für Stadtteilfeste und kulturelle Veranstaltungen. Die Stadt soll Kosten für Sicherheitsauflagen und Gesundheitsamt übernehmen sowie bürokratische Hürden abbauen.
  • Erhöhung des Medienetats sowie eine bessere materielle Ausstattung der öffentlichen Bibliotheken, zum Beispiel mit Lesekabinen und Tischleuchten.
  • Förderung der Vielfalt der Clubkultur in Bochum.

Für eine lebendige freie Szene

  • Erhöhung des Etats für die freie Kulturszene auf zehn Prozent des gesamten Kulturetats.
  • Jährliche Anpassung der Förderung in Höhe der Inflationsrate des Vorjahres.
  • Anhebung der Förderungen auf Grundlage der Honorarmatrix des Landes NRW – ohne Reduzierung der geförderten Projekte.
  • Verlängerung der Laufzeit institutioneller Förderverträge von zwei auf drei Jahre für bessere Planbarkeit.
  • Schaffung zusätzlicher Produktions-, Arbeits-, Ausstellungs- und Aufführungsräume für Künstler*innen aller Sparten.
  • Unterstützung der freien Szene in Bochum bei der Umsetzung eines gemeinsamen Bühnenbildlagers.
  • Förderung temporärer Nutzungsmöglichkeiten von Leerstand für Kulturschaffende und soziale Initiativen. Das Tapetenwechsel-Programm, über das die Stadt Leerstandsimmobilien an Kunstschaffende vergibt, soll verbessert werden. Es sollen mehr Vermieter*innen überzeugt werden, Teil des Programms zu werden. Damit die Nutzenden besser planen können, muss für sie klar sein, wie lange sie ein Ladenlokal nutzen können. Mittelfristig soll ein begleitendes Förderprogramm entwickelt werden, das Arbeits- und Materialstipendien für die Projekte vergibt.

Für junge Menschen

  • Deutliche Erhöhung der Förderung langfristiger Beteiligungsprogramme und Kulturvermittlung für Kinder und Jugendliche in allen Kunstformen und an allen Schulen.
  • Unterstützung von Projekten, die junge Menschen aktiv mitgestalten können, statt ausschließlich von Erwachsenen entwickelte Programme zu konsumieren.
  • Rückführung des auf zwei Jahre gekürzten Landesprogramms JeKits auf die ursprüngliche vierjährige Förderung durch kommunale Mittel.
  • Gründung eines Hauses der bildenden Kunst nach dem Vorbild der Musikschule – mit Ateliers, Werkstätten und öffentlicher Galerie.

Für demokratische Kontrolle

  • Transparente, verlässliche und demokratisch kontrollierte öffentliche Kulturförderung.
  • Rederecht für die Mitglieder des Kulturbeirats im Kulturausschuss.
  • Keine Einmischung der Bochum Marketing GmbH in die Kulturpolitik – Rückführung der Aufgaben in demokratische Gremien und die städtische Verwaltung.

Gegen Hass und Hetze

  • Nachhaltige Förderung von Erinnerungskultur und Gedenkstätten.
  • Verstärkte Förderung von Diversität, Interkulturalität und Inklusion in Projekten und Institutionen.
  • Die Bekämpfung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wie etwa Sexismus, Rassismus und Antisemitismus muss als integraler Bestandteil der Kulturförderung anerkannt bleiben. Die Stadt Bochum muss sich solidarisch vor Kulturschaffende stellen, die von rechts für ihr Engagement angegriffen werden.

Sport ist ein wichtiges gesellschaftliches Gut. Er hat für die Menschen in unserer Stadt einen hohen Stellenwert – beim Zuschauen und Anfeuern wie beim selbst aktiv sein. Sport bringt Menschen zusammen und fördert Kommunikation und Integration. Wir wollen Angebote für alle: für Kinder im Vorschulalter, guten Schul- und Vereinssport für Schüler*innen, Möglichkeiten für sportliche Betätigung während der Berufsjahre sowie für qualifizierte Bewegung im Alter. Viele Menschen in Bochum sind Mitglied in einem Sportverein oder betätigen sich ohne Verein sportlich. Wir finden: Insbesondere der nicht von Kommerz getriebene und bürgerschaftlich organisierte Vereinssport ist ein unverzichtbarer Bestandteil des sozialen Lebens und eine enorme Bereicherung.

Sportstätten erhalten, ausbauen und aufwerten

Der Stadt Bochum kommt eine wichtige Aufgabe beim Erhalt und Ausbau der kommunalen Infrastruktur zu. Sporthallen und Sportplätze müssen den Schulen und Vereinen, aber auch Kneipen- oder Betriebsmannschaften sowie vereinslosen Sporttreibenden in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. Im Moment ist es bereits schwierig, Hallenzeiten für Trainings und Kurse zu finden – insbesondere für neue Vereine.

Gebäude und Ausstattung müssen besser instand gehalten werden, um nicht langfristig auszufallen. Innovative Projekte wie die Freilufthalle auf dem Urban Green in Riemke bereichern das Angebot.  

Gerade im Winter sind in Bochum die Folgen einer Kürzungspolitik zu spüren, die bei Schwimmbädern und dem Personal den Rotstift ansetzt. Die Linke Bochum strebt an, dass mit einer Investitionsoffensive wieder mehr Schwimmbäder und Lehrschwimmbecken eröffnet werden. Es muss genügend Personal eingestellt werden, sodass der Betrieb auch bei erhöhtem Krankenstand gewährleistet ist. Wir wollen eine städtische Notfallnummer und einen Bereitschaftsdienst zur Sicherstellung von Sportangeboten am Wochenende einrichten. So wollen wir Vorfälle vermeiden, bei denen Ligaspiele kurzfristig abgesagt werden mussten, weil zuständige Hausmeister*innen zur Öffnung der Sporthallen nicht erreichbar sind. Diese Situationen waren für die zum Teil von weither angereisten Sportler*innen sehr frustrierend.

Alle sollen schwimmen lernen

Immer mehr Kinder können nicht schwimmen. Die Kurse für Nichtschwimmer*innen sind in Bochum meist binnen eines Tages ausgebucht und die Wartezeit beträgt oft über ein Jahr. Das muss sich ändern. Statt Lehrschwimmbecken kaputt zu sparen und dann zu schließen oder die Öffnungszeiten von Schwimmbädern zu verkürzen, muss das Angebot erweitert werden.

Es darf nicht sein, dass das Einkommen der Eltern daran abgelesen werden kann, ob ein Kind schwimmen kann oder nicht, wie auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) festhält. Dass über 20 Prozent der Grundschulkinder in Deutschland nicht schwimmen können, ist ein Zeichen für ein bundesweites Politikversagen. Auch unter geflüchteten und zugewanderten Menschen, in deren Herkunftsländern das Schwimmenlernen weniger weit verbreitet ist, beobachtet die DLRG vermehrte Badeunfälle. Wir wollen, dass alle Kinder in der Grundschulzeit im Rahmen des Sportunterrichts verbindlich schwimmen lernen. Nicht nur für Schwimmanfänger*innen, sondern für alle Menschen in Bochum ist wichtig: Die Anzahl der Schwimmbäder muss wieder dem Bedarf entsprechen.

Die Linke fordert:

  • Erhalt und Ausbau wohnortnaher Sportstätten, insbesondere der Lehrschwimmbecken.
  • Transparente kommunale Sportentwicklungs- und Investitionspläne und Förderrichtlinien für die Sportvereine, die gemeinsam mit den Vereinen bzw. Sportbünden erarbeitet werden.
  • Kommunale Hilfestellung und Beratung für Sportvereine bei der Erarbeitung von Förderanträgen für Investitionen und Projekte an Land und Bund.
  • Öffentliche Anerkennung des sportlichen Ehrenamtes und seine Förderung als sozial wichtige Arbeit im Rahmen öffentlicher Beschäftigungsmaßnahmen.

Sport für alle, ohne Ausnahmen

Der Zugang zu öffentlichen Sportstätten muss allen möglich sein. Niemand soll mehr auf Sport verzichten müssen, weil die Angebote zu teuer sind. Denn das ist einer der vielen Wege, wie Armut einsam und krank macht.Wir wollen Bochum zu einer inklusiven Sportstadt machen, in der Vielfalt als Stärke angesehen wird und Diskriminierung keinen Platz hat. Dabei gibt es noch Luft nach oben. Ein regelmäßiger Sportbetrieb für Nutzer*innen von Rollstühlen kann zurzeit in unserer Stadt zum Beispiel nur in zwei Hallen stattfinden. Das muss sich ändern. Die Stadt Bochum soll außerdem Initiativen und Vereine unterstützen, die inklusiven und barrierefreien Sport anbieten.Sport muss auch ein sicherer Raum für alle sein. Um Diskriminierung im Sportbereich gezielt zu bekämpfen, soll die Stadt ein anonymes Meldesystem für Diskriminierungserfahrungen einführen. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Beobachtung und Auswertung von Diskriminierungsvorfällen im Sport und hilft dabei, gezielte Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Wenn, wie 2024 in der Bochumer Fußball Kreisliga C geschehen, Spieler*innen sich öffentlich rechtsradikal äußern, erwarten wir eine stabile demokratische Positionierung gegen jede Form der Menschenfeindlichkeit. Auf unsere Unterstützung können die Betroffenen dabei zählen. Sport kann und muss ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Integration sein. Dabei geht es nicht nur darum, Barrieren abzubauen, sondern auch um die aktive Förderung einer Gemeinschaft, in der sich alle willkommen fühlen und respektiert werden.

Die Linke fordert:

  • Bezahlbare Nutzungsentgelte für städtische Sportanlagen und Schwimmbäder sowie kostenlosen Eintritt für alle, die staatliche Transferleistungen erhalten.
  • Die Einrichtung eines Fördertopfes zur Übernahme der Kosten von Vereinsmitgliedschaft und Sportausrüstung für Bochumer*innen mit weniger Geld, und um kostenfreie Sportangebote durch die Stadt bereitzustellen.
  • Vollständige Inklusion im Bochumer Sport. Alle müssen die gleichen Chancen haben, am Sport teilzunehmen und sich dabei wohlfühlen zu können – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Beeinträchtigung oder sozialer Lage.
  • Barrieren abbauen! Turnhallen und Sportplätze rollstuhlfähig machen, Toilettenanlagen umbauen, Wartungsintervalle für Rolltreppen und Aufzüge zum Beispiel an U-Bahn-Haltestellen verkürzen, damit alle anreisen können.
  • Städtische Unterstützungsangebote für Sportvereine und -verbände, um Angebote inklusiv und für alle zugänglich zu gestalten.
  • Queere Sportgruppen, Angebote für intergeschlechtliche und transgender Sportler*innen sowie Sportvereine der Migrant*innenselbstorganisation müssen als Teil eines vielfältigen Bochumer Sportangebots in ihrer Arbeit unterstützt werden.
  • Prävention gegen Diskriminierung im Sport durch Aufklärung und Schulungen von Trainer*innen und Vereinsvorständen und Einrichtung einer kommunalen Meldestelle für Fälle von Diskriminierung.
  • Anregung und Unterstützung zur Einführung von Antidiskriminierungsklauseln in den Satzungen von Sportvereinen und -verbänden. Zudem sollen Vereine Ansprechpersonen für betroffene Sportler*innen benennen, an die sich diese im Falle von Diskriminierung wenden können.
  • Förderung von Fanprojekten für eine kreative, an demokratischen Werten orientierte und selbstbestimmte Fankultur in Kooperation mit den Fußballvereinen.

Smart City ist eines der Schlagwörter, wenn es um die Digitalisierung der Kommunen geht. Damit sind Entwicklungskonzepte gemeint, die zum Beispiel vernetzte Verkehrsangebote, einen effizienteren Lieferverkehr oder einfacheren Zugang zu Informationen versprechen. Aber nicht alles, was als smart beworben wird, ist automatisch gut. Smart-City-Projekte können auch ein Einfallstor für Großkonzerne und Datenraub sein.

Die Digitalisierung, die wir wollen, ist sicher, transparent und unkommerziell. Dafür brauchen wir einen Digitalisierungsprozess, der den Interessen aller Menschen in Bochum und nicht denen von privaten Unternehmen verpflichtet ist. Denn auch die digitale Stadt soll kein Renditeprojekt sein, sondern ein demokratisches Gemeinwesen. Dafür müssen alle Menschen in Bochum konsequent in einen demokratisch organisierten Digitalisierungsprozess eingebunden werden.

Die Linke fordert:

  • Schnelles und bezahlbares Internet für alle. Dazu gehören neben Breitbandanschlüssen auch der Ausbau öffentlich zugänglicher WLAN-Punkte in einer nichtkommerziellen Infrastruktur, die außerdem Netzneutralität gewährleistet (zum Beispiel Freifunk).
  • Alle Planungen und Umsetzungen von Smart-City-Projekten müssen kritisch darauf geprüft werden, ob sie tatsächlich eine Erleichterung des täglichen Lebens, der Mobilität und der Partizipation bedeuten.
  • Förderung demokratischer und unkommerziell organisierter Smart-City-Projekte, welche die Lebensumstände der Menschen verbessern, mehr Teilhabe ermöglichen und niemanden zurücklassen.

Digitale Souveränität statt digitaler Enteignung

Die großen Software-, Hardware- und Dienstleistungskonzerne sehen in der Digitalisierung der Kommunen vor allem einen milliardenschweren Markt. Mit großen Lobby-Bemühungen und viel Werbeaufwand wollen sie ihre Produkte in den Städten positionieren. Unternehmen wie Siemens, Google, Uber und Co. nutzen dabei die fehlende Investitionskraft und manchmal auch fehlende Kompetenz in den zusammengekürzten Stadtverwaltungen aus. So versuchen sie, sich den Zugriff auf Teile der kommunalen Infrastruktur anzueignen, um sie langfristig für ihre Profitinteressen zu nutzen. Vielfach werden von den Kommunen Verträge mit problematischen Klauseln abgeschlossen und anschließend geheim gehalten. Eine öffentliche Kontrolle der Verträge ist so nicht möglich. Stattdessen lassen sich die Städte mitunter in Werbemaßnahmen privater Unternehmen einspannen.

Die Linke fordert:

  • Verbleib digitaler Infrastruktur in öffentlicher Hand und Kommunalisierung der Netze. Der Ausbau weiterer Breitbandanschlüsse soll mit Unterstützung von Bund und Land unmittelbar durch die Kommune bzw. gemeinwohlorientierte Tochterunternehmen erfolgen, und nicht durch die Subventionierung profitorientierter Konzerne.
  • Kommunale Vertragsabschlüsse und Verpflichtungen müssen im Vorfeld in den demokratischen Gremien und in der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Datenschutz und Datensparsamkeit

Wir treten außerdem für höchste Datenschutz-Standards und größtmögliche Datensparsamkeit ein. Die Stadt Bochum muss sicherstellen, dass Smart-City-Projekte und andere digitale Angebote so wenig persönliche Daten wie möglich generieren. Wo doch personenbezogene Daten gesammelt werden, ist ein transparenter und nachhaltiger Umgang mit den Daten nötig. Alle Daten, die durch die Kommune oder von ihr beauftragte Unternehmen erhoben werden, dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden. Die Kommune muss immer selbst entscheiden können, was mit ihren Daten passiert. Werden externe Unternehmen beauftragt, muss genau festgelegt werden, wo und unter welchen Umständen erhobene Daten verarbeitet werden und wer auf sie Zugriff hat. Wir wollen eine bessere Aufklärung darüber, welche Daten erhoben werden und dass eine explizite Zustimmung zur Datenverarbeitung abgefragt wird. Keinesfalls dürfen erhobene Daten zum Eigentum der Unternehmen werden.

Open Data zur Pflicht machen

Bürger*innen haben das Recht auf Informationen von Behörden und öffentlichen Unternehmen. Alle kommunalen Behörden und städtischen Unternehmen müssen von sich aus sämtliche öffentlichen Daten und Informationen online in einem Open-Data Portal zur allgemeinen Verfügung stellen. Das betrifft auch Verträge, Treffen mit Interessenvertreter*innen und Gutachten. Das Portal muss leicht zugänglich und verständlich sein. Gleichzeitig muss es offene Schnittstellen anbieten. Um das Open Data-Prinzip für alle städtischen Behörden und Gesellschaften verbindlich umzusetzen, setzen wir uns für die Einführung einer Transparenzsatzung ein.

Digitale Teilhabe organisieren

Allen Menschen in Bochum muss der digitale Einstieg einfach möglich gemacht werden. Gleichzeitig ist es eine Kernverantwortung der Stadt, darauf zu achten, dass Menschen ohne Zugang zu digitalen Technologien nicht von Informationen und öffentlichen Dienstleistungen ausgeschlossen werden. Bereits bei der Konzeption muss sichergestellt werden, dass älteren Menschen, Menschen mit Behinderung und auch alle mit geringem Einkommen gleichermaßen von den Neuerungen profitieren.

Die Linke fordert:

  • Öffentliche Mitbestimmung bei allen Digitalisierungsprojekten und ausreichende Information der Öffentlichkeit vor allen Entscheidungen. Da demokratische Einbindung Zeit und Transparenz benötigt, dürfen Beschlüsse nicht überhastet und nicht unter Geheimhaltung der Vertragsbedingungen getroffen werden.
  • Zur Organisation dieses Teilhabeprozesses soll die Stadt einen Digitalisierungs Beirat aus der Bevölkerung ins Leben rufen, der die Interessen der Menschen in Bochum gegen die Interessen der Unternehmen vertritt.
  • Kostenfreie Weiterbildungsangebote für alle, die wenig Erfahrung mit digitalen Angeboten haben. Auch in den Schulen muss gewährleistet werden, dass Schüler*innen früh den selbstbestimmten, sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Computern und Software erlernen.
  • Durch die Einführung digitaler Angebote darf sich der Zugang zu Informationen und Dienstleistungen für Menschen, die den digitalen Weg nicht nutzen, nicht verschlechtern.

KI nur reflektiert und maßvoll einsetzen

Die sogenannte Künstliche Intelligenz gehört zu den Begriffen der digitalen Welt, die aktuell verschiedene Erwartungen, Hoffnungen und Sorgen auslösen. Der Einsatz von großen Sprachmodellen und anderen Formen generativer KI erfährt zur Zeit einen Hype. Die Entwicklung ist stark von ökonomischen Interessen geprägt, schließlich handelt es sich um einen Milliardenmarkt.

Über allem steht die Frage, wer auf dem intransparenten und von wenigen Großkonzernen geprägten Plattform-Markt welche Daten sammelt und wie die Daten der Bürger*innen geschützt werden. Zu einer stabilen ethischen Basis für den sinnvollen Einsatz von KI gehören unter anderem Transparenz, Diskriminierungsfreiheit, Verbraucher*innenschutz und die Einhaltung der Menschenrechte. Oftmals ist für kommunale Behörden kaum überschaubar, ob diese Anforderungen erfüllt werden. Unter dem Schlagwort KI versuchen Konzerne den Kommunen Anwendungen anzudrehen, die oftmals mit anderen Techniken besser gelöst werden könnten. Schließlich ist generative KI äußerst rechenaufwendig und hat einen sehr hohen Energiebedarf. Es muss außerdem ein hoher Aufwand betrieben werden, um Fehlinformationen zu vermeiden. Hinzu kommen die Risiken des Abbaus menschlicher Entscheidungsfähigkeiten und der Fortsetzung struktureller Diskriminierung, da die Modelle immer auf bestehenden Daten trainiert werden. Wenn generative KI eingesetzt wird, muss also sichergestellt sein, dass kein derartiger Fehler (Bias) in den Trainingsdaten vorliegt. Handelt es sich um Cloud-Lösungen, verlassen die Daten oftmals den Einflussbereich der Stadt, und es stellen sich neue Probleme für den Datenschutz.

Die Linke fordert:

  • Zurückhaltenden Einsatz generativer KI-Modelle. Falls die Stadt im Einzelfall den Einsatz in Erwägung zieht, müssen die genannten Problemfelder im Vorfeld kritisch berücksichtigt werden. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die Technik nach Bedarf genutzt werden kann, ohne sich von ihr abhängig zu machen.

Open Source fördern: Public Money – Public Code

Die Stadt Bochum nutzt aktuell hauptsächlich Betriebssysteme und Programme großer Digitalkonzerne. Durch Abomodelle und Dateiformate, deren Spezifikationen nicht frei zugänglich sind, befindet sich die Stadt Bochum in einem Abhängigkeitsverhältnis zu diesen Großkonzernen und muss ihnen immer weiter Geld zahlen. Ein weiteres Problem ist, dass nicht genau nachvollzogen werden kann, wie die Systeme arbeiten. Gerade Behörden sollten nicht den Regeln und Machenschaften dieser Unternehmen ausgeliefert sein. Eine Alternative ist, Programme und Betriebssysteme einzusetzen, die einen offenen Programmcode zur Verfügung stellen. Bei diesen sogenannten Open-Source-Betriebssystemen und -Programmen sind Strukturen einsehbar und transparent. So wissen alle Beteiligten, woran sie sind. Die Stadtverwaltung sollte daher darauf hinarbeiten, auf Open-Source-Software umzusteigen. Quelloffenheit führt außerdem dazu, dass von einer Kommune entwickelte oder verbesserte Software allen anderen zur Verfügung steht. So werden öffentliche Gelder sinnvoll und zum Wohle aller eingesetzt. Insgesamt wollen wir die kommunale Zusammenarbeit im Bereich digitale Infrastruktur und Software stärken.

Die Linke fordert:

  • Nutzung offener Standards und Einführung von Open-Source-Software, um die Unabhängigkeit von digitalen Großkonzernen zu gewährleisten. Jeglicher Programmcode, der durch öffentliche Gelder finanziert wird, soll über eine Open Source-Lizenz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

5. Klima, Verkehr und Ökologie

Bochum hat das Potential, zu einer grünen und lebenswerten Stadt zu werden, die den Wandel von der Industriemetropole zur nachhaltigen Zukunftsregion erfolgreich gemeistert hat. Nutzen wir das! Wir wollen Bochum zu einem Vorbild für nachhaltige Stadtentwicklung im Ruhrgebiet und darüber hinaus machen, damit auch unsere Enkelkinder noch gern hier leben. Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und eine solidarische Wirtschaftsentwicklung gehen dafür Hand in Hand. Wir setzen auf erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilität und eine ressourcenschonende Stadtentwicklung. Grüne Quartiere, urbane Gärten und autofreie Zonen sollen das Stadtbild prägen. So schaffen wir Aufenthaltsqualität statt Hitzeinseln, Grünflächen statt Beton- und Blechwüsten, Gemeinschaftsgefühl und ein verantwortungsbewusstes Miteinander statt Hetze und Gewalt. Wir lassen nicht zu, dass ökologische Nachhaltigkeit gegen soziale Gerechtigkeit ausgespielt wird. Wir achten darauf, dass die Kosten der Transformation von denen bezahlt werden, die den Klimawandel hauptsächlich verursacht haben und die es sich leisten können: Die Superreichen und Konzerne dürfen sich nicht drücken. Die Stadt Bochum muss die Herausforderungen zusammendenken, denn funktionierender Klimaschutz setzt soziale Gerechtigkeit voraus und umgekehrt.

So können und sollen alle Menschen in Bochum vom Klimaschutz profitieren: Durch sauberere Luft und gesündere Städte, geringere Energiekosten, besseren ÖPNV und besseren Schutz vor Extremwetterereignissen.

Nachhaltigkeit statt Klimanotstand Global denken, lokal handeln! Kommunen wie Bochum stehen in besonderer Verantwortung, denn hier werden zentrale Entscheidungen getroffen, die das tägliche Leben direkt beeinflussen: von Mobilität über Energieversorgung bis hin zur Stadtplanung. Nur wenn auch Bochum aktiv vorangeht, können wir die Klimaziele erreichen und lebenswerte Räume für heutige und kommende Generationen schaffen. Die Stadt Bochum hat sich das Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu werden. Außerdem will die Stadt bis zum Jahr 2030 in Bochum 65 Prozent weniger CO als im Basisjahr 1990 ausstoßen. Dazu nennt sich die Stadt seit 2013 Fairtrade-Town. Bislang sehen wir aber nicht, dass diese wichtigen Bestrebungen engagiert verfolgt werden. Die Stadtverwaltung steht hier als erstes in der Verantwortung. Gleichzeitig unterstützen wir die Klimabewegung und zivilgesellschaftliche Organisationen.  Denn Klimaschutz und ein lebenswertes Bochum sind keine Elitenthemen, sondern gehen uns alle etwas an. Wir werden alles daran setzen, dass die Stadt Bochum ihrer Verantwortung gerecht wird, um die Ziele zu erreichen.

Klimaschutz ist eine notwendige Voraussetzung für ein lebenswertes Bochum – heute, in zehn Jahren und darüber hinaus.

Die Linke fordert:

  • Die Stadt soll enger mit zivilgesellschaftlichen Initiativen und der Wissenschaft zusammenarbeiten. Wir haben neun Hochschulen und mehrere Forschungseinrichtungen in der Stadt. Die Bochumer Regionalgruppe der Scientists for Future hat ein Gutachten mit Analysen und Empfehlungen zum Klimanotstand in Bochum herausgegeben. Wir haben die Expertise vor Ort, nutzen wir sie auch!
  • Koordinierte Bemühungen um Fördergelder für nachhaltige und klimafreundliche Projekte. Diese Vorhaben dürfen aber nicht nur als schöne Zusatzprojekte gesehen werden. Sie müssen ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, damit Bochum wirklich klimafreundlich wird.
  • Bauvorhaben dürfen nur umgesetzt werden, wenn die Klimafolgenabschätzung keine schwerwiegenden Klimabeeinträchtigungen erwarten lässt. Ist das nicht der Fall, muss umgeplant werden.

Klimaschutz durch die öffentliche Hand

Damit Bochum die Klimaziele erreicht, muss die Stadtverwaltung entschlossen mit gutem Beispiel vorangehen. Es reicht nicht aus, die Menschen in Bochum zum Energiesparen, zum bewussten Konsum und zum Mülltrennen aufzurufen, aber selbst nicht danach zu handeln. Es reicht nicht aus, Obstbäume zu pflanzen und Tütchen mit Blumensamen zu verteilen. Wir wollen eine Stadtverwaltung, die spürbare Effekte für alle Menschen in Bochum direkt vor ihrer Haustür organisiert, damit alle merken: Klimaschutz bedeutet auch mehr Lebensqualität.

Die Linke fordert:

  • Die Einführung und verbindliche Anwendung nachhaltiger Beschaffungsrichtlinien, die sicherstellen, dass bei allen zukünftigen Anschaffungen durch die Stadt ausschließlich Produkte und Dienstleistungen berücksichtigt werden, die nachweislich umweltfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden.
  • Verbindliche Maßnahmen für jedes Amt in der Stadtverwaltung, die auf die Nachhaltigkeitsstrategie einzahlen. Nur wenn die Strategie nicht mehr ausschließlich die Angelegenheit des Dezernates für Bauen, Umwelt, Mobilität und Nachhaltigkeit ist, sondern sich auch andere Ämter darum kümmern, zum Beispiel durch mehr Energieeffizienz im Büroalltag, lässt sich mehr erreichen als Symbolpolitik.
  • Eine durchgängige Überprüfung, ob die einzelnen Punkte der Nachhaltigkeitsstrategie auch wirklich umgesetzt werden. Wenn nicht, muss die Verwaltung Maßnahmen ergreifen, um das zu ändern.
  • Eine transparente und nachvollziehbare Kommunikation dessen, was bereits erreicht wurde.
  • Ausweitung von Unterstützungs- und Beratungsangeboten im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit für die Menschen in Bochum.

Echte Beteiligung der Menschen in Bochum

Als Linke sprechen wir mit den Menschen in den Stadtteilen und hören ihnen zu, um zu wissen, was sie für ein lebenswertes Bochum brauchen. Wir nehmen diese Ideen und Notwendigkeiten mit in den Rat und die Bezirksvertretungen, um Nachbarschaften wieder lebendig zu machen und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Stadt zu stärken. Einen solchen Ansatz wollen wir auch zum Normalfall für das Handeln der Bochumer Behörden machen. Indem wir gemeinsam an einem zukunftsfähigen Bochum arbeiten, verhindern wir auch fehlende Akzeptanz für Klimamaßnahmen.

Die Linke fordert:

  • Konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz sollen gemeinsam mit den Menschen vor Ort in den Stadtteilen entwickelt werden.
  • Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen müssen einbezogen werden.
  • Informationen müssen offen zugänglich und verständlich sein. Dann können sich mehr Menschen dort einbringen, wo sie es für notwendig halten.
  • Ein begleitendes Nachhaltigkeitsforum, bei dem nicht nur Fachleute, sondern für alle Interessierten mitarbeiten können, welches die Maßnahmen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie in einem transparenten Prozess festlegt.

Kommunale Kreislaufwirtschaft

Wir setzen uns für eine kommunale Kreislaufwirtschaft ein. Rohstoffe und wertvolle Ressourcen dürfen nicht einfach in den Müllverbrennungsanlagen der USB vernichtet werden.

Die Linke fordert:

  • Förderung langlebiger und reparaturfreundlicher Produkte, auch bei Anschaffungen der Stadt Bochum.
  • Sanierung und Nachnutzung statt Abriss öffentlicher Gebäude wie des Bildungs- und Verwaltungszentrums (BVZ).
  • Einbeziehung und Förderung städtischer Netzwerke und Initiativen, die sich bereits für diese Themen einsetzen, zum Beispiel das Netzwerk Stadt für Alle, Leihläden und Repaircafés.
  • Verbesserung der Recyclingkonzepte der USB Bochum GmbH.

Natürlich muss alles dafür getan werden, um den Klimawandel so weit wie möglich zu begrenzen. Dennoch sind die Folgen längst zu spüren: Auch in Bochum treten immer häufiger Extremwetterereignisse wie extreme Hitze oder Starkregen auf. Wir alle erinnern uns zum Beispiel an die Überflutungen der Ruhr im Jahr 2021.  Lasst uns den Klimawandel aufhalten, aber wir müssen in Bochum auch mit den Versäumnissen der Weltpolitik der vergangenen Jahrzehnte umgehen lernen und uns an diese Klimafolgen anpassen.

Die Linke fordert:

  • Einen konsequenten Klimafolgenanpassungsplan für die Stadt Bochum jetzt.
  • Aktionspläne für Extremwetterereignisse und digitale Warnsysteme zum Schutz vor Hochwasser und Starkregen.
  • Ausbau Bochums zur Schwammstadt: Mehr Grünflächen und Entsiegelung, denn das verschafft Kühlung und verhindert Überflutungen.
  • Mehr Regenrückhalteflächen auch im innerstädtischen Bereich nach dem Vorbild der Hattinger Straße.
  • Für die Ruhr müssen weitere Überflutungsflächen ausgewiesen werden.
  • Einsatz von mobilem Grün im innerstädtischen Bereich.
  • Konsequente Aufforstung von Brachflächen.
  • Ausweisung neuer Grünflächen, zum Beispiel nach dem Konzept der Pocket-Parks, vor allem im innerstädtischen Bereich.
  • Begrünung möglichst aller Dachflächen, die nicht für Solarenergie genutzt werden: verpflichtend für öffentliche Gebäude und in neuen Bebauungsplänen, gefördert für den privaten Bestand.
  • Die Entsiegelung von Großparkplätzen nach dem Grundsatz Parks statt Parkplätze.
  • Weitere Wasserflächen, die Kühlung verschaffen, etwa nach dem Vorbild des Kuhhirten in der Bongardstraße.

Wir wollen eine Stadt, in der alle Stadtteile gut erreichbar sind – auch für diejenigen, die sich kein Auto leisten können oder wollen. Der Verkehrssektor macht rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emmissionen in Deutschland aus. Seit Jahren verfehlt er alle Klimaziele. Auch deswegen ist eine grundsätzlich andere Verkehrspolitik dringend nötig.

Bochum braucht eine umweltschonende Verkehrswende, die mehr Lebensqualität und ein rücksichtsvolleres Miteinander ermöglicht. Die Linke will Mobilität für alle – vernetzt, emissionsarm, barrierefrei und unentgeltlich. Rahmenbedingungen sollen so gestaltet werden, dass immer weniger Menschen aufs Auto angewiesen sind, weil zu Fuß gehen, Rad fahren oder Bus und Bahn viel attraktiver sind. Bei der Planung von Wohngebieten sollten auch zusätzliche Abstellmöglichkeiten und Verleihstationen für Fahrräder, Carsharing-Standorte und eine gut erreichbare Einzelhandels-Infrastruktur eingeplant werden.

Ein Beispiel für die menschenfreundliche Umgestaltung ist unser Vorschlag für den Bochumer Innenstadtring: Die Innenseite des Rings soll zum zweispurigen Fahrradring umgebaut werden. Die beiden Kfz-Spuren werden dann auf der Außenseite als Einbahnverkehr gebündelt. Das ist deutlich sicherer, denn Rad- und Autoverkehr sind durch einen Grünstreifen in der Mitte getrennt. Außerdem werden die Außenflächen auf der Innenseite des Rings durch den größeren Abstand zum Verkehrslärm deutlich aufgewertet. Es entsteht eine Flaniermeile mit tollen Möglichkeiten für Cafés und anliegende Geschäfte.

Nahverkehr in Bochum

Bus und Bahn sind die zentrale soziale Infrastruktur zur Sicherung von gesellschaftlicher Teilhabe sowie des Grundrechts auf Mobilität für alle. Wir wollen das Angebot des Nahverkehrs ausbauen, insbesondere an den Stadträndern. Wir wollen es außerdem so weiterentwickeln, dass es von allen Menschen gleichermaßen genutzt werden kann, unabhängig von ihrem Einkommen.

Die Linke fordert:

  • Mittelfristig eine öffentliche Finanzierung von Bus und Bahn ohne Ticketpreise. Übergangsweise fordern wir ein kostenfreies Jahresticket für Bürgergeld Bezieher*innen sowie für Schüler*innen und Auszubildende.
  • Von 6:00 bis 20:00 Uhr soll auf dem Kernnetz ein Takt von mindestens 15 Minuten und in den anderen Zeiten ein Takt von mindestens 30 Minuten gelten.
  • Rufbusse in nachfrageschwächeren Zeiten, denn die aktuellen Nachtexpresse reichen nicht aus.
  • Prüfung, wo über das bisherige Netz hinaus Linien erweitert werden können.
  • In der Verkehrsführung müssen Bus und Bahn grundsätzlich Vorrang vor privaten Autos haben, zum Beispiel durch Busspuren oder Vorrangschaltungen an Ampeln.
  • Die kommunalen Nahverkehrspläne müssen städteübergreifend aufeinander abgestimmt werden: Bochum macht sich stark für einen Regio-Takt Ruhr.

Bochum zu Fuß

Fußgänger*innen werden am häufigsten bei der Verkehrsplanung vergessen – und zugleich sind sie die schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen. In einer Stadt der kurzen Wege, wie wir sie fordern, werden jedoch viele Wege zu Fuß zurückgelegt. Im Zuge der Stadtteilentwicklung und bei Verkehrskonzepten für einzelne Bezirke muss der Fußverkehr als wertvoller Teil der Nahmobilität berücksichtigt und gestärkt werden. Konfliktpotenziale zwischen dem Fuß- und Radverkehr können durch eine Trennung der Wegführung entschärft, die Regelung „Fußweg, Radfahrer frei“ soll nicht mehr angewandt werden. Der Fußverkehr muss bei der Verkehrsplanung Vorrang genießen.

Die Linke fordert:

  • Ausweitung von Spielstraßen, verkehrsberuhigten Zonen und Fußgängerzonen.
  • Gehwegbreiten von mindestens 2,50 Meter an allen verkehrsreichen Straßen.
  • Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit im innerstädtischen Bereich.
  • Konsequent gegen Gehwegparken und Parken an Kreuzungen vorgehen.
  • Mehr Zebrastreifen, Fußgängerampeln und Verkehrsinseln, damit Straßen sicher überquert werden können.
  • Längere Grünphasen für den Fußverkehr.

Bochum auf dem Rad

Das Fahrrad ist eine zentrale Säule der klimagerechten Mobilitätswende. Wir wollen erreichen, dass immer mehr Menschen vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Bochum braucht dringend ein gut ausgebautes und sicheres Radwegenetz. Dazu ist ein massiver Ausbau bei besserer Instandhaltung der Fahrradinfrastruktur notwendig.

Die Linke fordert:

  • Auto-, Rad- und Fußverkehre müssen deutlich voneinander getrennt werden, auch wenn für diese Verbesserungen Parkplätze am Straßenrand wegfallen müssen.
  • Einheitliche, durchgehende Streckenführung für den Radverkehr.
  • Gefährliche Kreuzungen müssen entschärft werden – zum Beispiel durch indirektes Linksabbiegen oder eigene Ampelphasen für Radfahrende, die ein sicheres Anfahren ermöglichen.
  • Leihradstationen im gesamten Stadtgebiet.
  • Sichere Parkmöglichkeiten für Fahrräder an Verkehrsknotenpunkten und in der Innenstadt.
  • Einführung einer Umweltspur (nur für Bus und Rad) auf mindestens der Hälfte aller mehrspurigen Straßen.
  • Konsequente Verkehrskontrollen, um zugeparkte Radwege wieder befahrbar zu machen.
  • Bei der weiteren Ausgestaltung des Radwegenetzes müssen Bochumer Initiativen stets mit einbezogen werden.

Auto- und LKW-Verkehr in Bochum

Der motorisierte Individualverkehr verbraucht überproportional Flächen und Ressourcen und ist ökologisch kaum noch zu vertreten. Überdies mindert er die Lebensqualität in der Stadt. Wir wollen die Abhängigkeit vom Auto reduzieren und den Autoverkehr durch gute Rahmenbedingungen so weit wie möglich begrenzen. Die Nutzung von privaten Elektroautos ist keine perfekte Lösung, da auch diese wesentlich mehr Ressourcen als die Nutzung von Bus und Bahn verbrauchen. Ihr Vorteil gegenüber herkömmlichen PKW sind weniger Emissionen vor Ort. Wo das Auto trotz der Förderung von Alternativen unersetzbar bleibt, ist Elektromobilität eine sinnvolle Alternative zu Verbrennungsmotoren.

Die Linke fordert:

  • Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit, höhere Geschwindigkeiten, zum Beispiel auf großen Ein- und Ausfallstraßen, müssen ausdrücklich genehmigt werden.
  • Sanierung von Straßen und Brücken zum Erhalt der Infrastruktur. Der Aus- und Neubau von Straßen für den Autoverkehr sorgt dagegen nicht zu Entlastung, da mehr Straßen stets zu mehr Verkehr führen.
  • Bei der Sanierung von Straßen sind verkehrsberuhigende und verlangsamende Ausstattungselemente zu berücksichtigen.
  • Planung von autofreien und autoreduzierten Quartieren, die gut erreichbar und angebunden sind, und bei denen die Außenflächen sinnvoller genutzt werden können als für riesige Parkplätze.
  • Die Gebühren für Anwohnerparkplätze wollen wir nach Größe der Autos staffeln.
  • Neue Gewerbegebiete werden nur noch mit Gleisanschluss genehmigt, bestehende Gewerbegebiete werden mittelfristig entsprechend nachgerüstet.
  • Entwicklung von Alternativen zum Lkw-Chaos durch Lieferverkehr: Einrichtung von MicroHubs (innerstädtische Zwischenlager zur Effizienzsteigerung), Auslieferung zur Kundschaft per Lastenfahrrad sowie mit weiteren ökologisch vertretbaren Verkehrsmitteln.
  • Bochum soll sich im Rahmen des Regionalverbands Ruhr für eine Verlagerung des Warenverkehrs auf die Schiene und das Wasser einsetzen, inklusive der entsprechend notwendigen Infrastruktur.

Für Die Linke ist klar: Eine preiswerte und sichere Energieversorgung ist ein Grundrecht. Die realen Einkommen sinken auch in Bochum. Daher kann der Strompreis nicht stetig erhöht werden, wie es in den vergangenen Jahren auch bei den Stadtwerken Bochum der Fall war. Eine Energiewende, die zulasten der Einkommensschwächsten geht, lehnen wir ab. Gleichzeitig setzen wir uns für die weitere Förderung von erneuerbaren Energien ein. Diese sind nachhaltig, krisenfest und dauerhaft günstiger. So können wir Energiearmut auch zukünftig vermeiden.

Die Linke fordert:

  • Strom- und Gassperren bei den Stadtwerken Bochum abschaffen.
  • Ein progressiver Stromtarif mit günstigem Sockel und steigenden Preisen oberhalb des Normalbedarfs: Wer sich sehr große Häuser und beheizte Pools leisten kann, darf mehr bezahlen.
  • Kontrolle des Fortschritts bei den Klimazielen der Stadtwerke Bochum.
  • Neuinvestitionen bei den Stadtwerken ausschließlich in regenerative Stromerzeugung, Leitungsnetze, Energieeffizienz, und andere dem Geschäftszweck der Stadtwerke entsprechenden Projekte.
  • Ausweitung von Möglichkeiten zur Energieberatung, um Menschen zu helfen, ihre Energiekosten zu senken.
  • Leasing- und Finanzierungsangebote für stromsparende Elektrogeräte.
  • Förderung von Photovoltaikanlagen (auch Balkonkraftwerken), gerade für Menschen mit geringeren Einkommen.
  • Technologieoffenheit nur da, wo es Sinn gibt. Bei Wasserstoff drohen zum Beispiel Kostenexplosionen für Privathaushalte durch die direkte Konkurrenz zur Industrie.

Eine sozialverträgliche Wärmewende für Bochum

Auch die Gebäudewärme muss auf Strom umgestellt werden, sonst wird die Klimaneutralität bis 2035 als Ziel unerreichbar. Wärmepumpen verbinden die Wärme- und Energiewende: Sie nutzen grünen Strom, um Wohnungen und Häuser zu heizen. So bleiben Gas und Kohle in der Erde, und es entsteht kein klimaschädliches CO . Wohnungen auf Wärmepumpen umzurüsten kostet jedoch eine Menge Geld. Diese Investitionen müssen unterstützt werden. Wir dürfen die Menschen in Bochum, die sich das nicht leisten können, nicht darauf sitzen lassen!

Die Linke fordert:

  • Eine sozialverträgliche Gestaltung des Wärmeplans. Dieser muss auch die Bedarfe einkommensschwacher Quartiere berücksichtigen. Dezentrale Wärmepumpensysteme müssen auch dort möglich sein.
  • Soziale Absicherung durch umfassende Förderberatung bei Investitionsentscheidungen für Wärmepumpen.
  • Vonovia und Co. In die Pflicht nehmen: Zusammenarbeit mit Vermieter*innen, um Investitionen in moderne, klimafreundliche Heizsysteme ohne weitere Mieterhöhungen möglich zu machen.
  • Konsequenter Ausbau der Nah- und Fernwärmenetze.
  • Nutzung vorhandener Potentiale von Abwasser, Abwärme, Grubengas und -wasser für eine günstige Wärmeversorgung des Bochumer Stadtgebietes.

Von allen für alle – dezentrale Energieversorgung!

Das Herzstück des sozial-ökologischen Umbaus ist die Energiewende hin zu einer sozialen und demokratisch kontrollierten Energieversorgung. Die Linke steht konsequent für eine kommunale und dezentrale Energieerzeugung und -nutzung.

Die Linke fordert:

  • Unterstützung von Nachbarschafts- und Mieter*inneninitiativen sowie Genossenschaften zur Energieversorgung in Bochum.
  • Vereinfachte Gewährung von Minikrediten für nachbarschaftlich getragene Energieversorgungsprojekte.
  • Umfassende Mitbestimmungsmöglichkeiten der Menschen in Bochum zur effizienten und bedarfsgerechten Versorgung ihrer Quartiere mit erneuerbaren Energien

Die Versiegelung unserer Stadt, das große Aufkommen an Autos und die Klimaerwärmung führen zu einer großen Belastung für unsere lokale Tierwelt und Natur. Insbesondere das Stadtzentrum in Bochum gleicht dabei einer Betonwüste, in der viele Arten nicht mehr leben können. Dabei gilt: Das meiste, was gut für Natur und (Wild)Tiere ist, ist auch gut für uns!

Die Linke fordert:

  • Viele Parks, auch kleinere, in denen auch wir Menschen einander begegnen können.
  • Frischluftschneisen, die Insekten und Kleintieren Lebensraum geben, und uns Luft zum Atmen.
  • Mehr tier- und menschenfreundliche Naherholungsgebiete, in denen wir auch ohne viel Geld Zeit verbringen können.

Wildtier- und Artenschutz

Die Artenvielfalt muss auch in Bochum erhalten und gefördert werden.

Die Linke fordert:

  • Unterstützung lokaler Naturschutzverbände, Bürgerinitiativen, Nachbarschaftsvereine und Nachbarschaftsarbeit, die sich dem Arten- und Tierschutz verschrieben haben.
  • Zusammenarbeit mit lokalen Forschungsgruppen.
  • Die Berücksichtigung von Arten- und Naturschutz bei jedem kommunalen Projekt.
  • Bochumer Biotope und Grünflächen verbinden: Blühstreifen, Flugkorridore für Insekten und Leitsysteme für Kleintiere.
  • Unterstützung von Mieter*innen und privaten Hausbesitzer*innen bei der Umsetzung von Maßnahmen für Kleintier- und Insektenschutz.
  • Verbindliche Vorgaben für Konzerne: Bochum muss kommunale Möglichkeiten wie Regeln in Bebauungsplänen und der Baumschutzsatzung nutzen.
  • Einsatz von Pestiziden maximal einschränken, um Umweltbelastungen zu reduzieren.
  • Lichtverschmutzung reduzieren.
  • Tierfreundliche Populationskontrolle bei Wildtieren, zum Beispiel durch Eiertausch bei Kanadagänsen.
  • Klimaresiliente Pflanzen und Bäume sowie Beobachtung des Einflusses invasiver Arten.

Tierschutz ernst nehmen

Nicht wild lebende Tiere begleiten unser Leben überall. Auch diesen Tieren müssen wir ein möglichst gutes Leben ermöglichen.

Die Linke fordert:

  • Sozial gerechte Staffelung der Hundesteuer, weniger Hundesteuer für Hunde aus dem Tierschutz.
  • Unterstützung und Förderung des Bochumer Tierheims.
  • Einschränkung des nicht artgerechten Handels mit Tieren, keine städtischen Räume für den Handel mit Exoten und Wildtieren.
  • Stärkere Kontrollen von Tierzucht, um gegen Tierquälerei vorzugehen.
  • Keine Tierquälerei durch die Polizeireiter*innen- und Polizeihundestaffel in Bochum.
  • Stadtteilfeuerwerke und Drohnenshows zu Silvester statt unkontrolliertes Böllern, Verstärkte Kontrollen des Böllerverbots rund um Parks und Naturschutzgebiete.
  • Keine Erweiterung von Schlachthöfen und Mastanlagen, Ausweitung der veterinärmedizinischen Kontrollen.
  • Unterstützung und Ausbau solidarischer Landwirtschaft.
  • Keine Genehmigung von Zirkusvorstellungen und Volksfestattraktionen mit Tieren.

Schlusswort

Dieses Wahlprogramm ist unser Angebot. Wir wissen, dass viele Menschen unsere Vorstellung von einem guten und bezahlbaren Leben für alle in Bochum teilen. Unser Plan für Bochum unterscheidet sich grundlegend von den Vorschlägen der anderen Parteien: Wir machen Politik von unten, nicht für Konzerne, sondern für die Menschen in unserer Stadt. Während andere auf Markt und Management setzen, vertrauen wir auf Gemeinsinn, Gerechtigkeit und konkrete Hilfe im Alltag.

Die Linke will Politik anders machen, auch nach der Wahl. Während andere sich bereits auf bevorstehende Hinterzimmer-Deals vorbereiten, sagen wir: Unsere Koalitionspartner*innen sind und bleiben die Bochumerinnen und Bochumer. Wir unterstützen es, wenn sie sich einmischen, und wir wollen gemeinsam mit ihnen aktiv sein.

Wir werden daher auch im Rat und in den Bezirksvertretungen offen sein für die Positionen und den Protest der arbeitenden Menschen, ihrer Gewerkschaften, von Bewegungen, Vereinen, Verbänden, der Vertreter*innen aus Wissenschaft und Kultur, von Migrantinnen und Migranten. Ihre Ideen und ihr Engagement werden gebraucht. Das allein reicht uns aber nicht. Wir suchen auch weiterhin aktiv das Gespräch mit allen Menschen in unserer Stadt – also auch mit denen, die weniger Zeit haben sich zu organisieren, und die voll damit ausgelastet sind, irgendwie über die Runden zu kommen. Und ebenfalls mit denen, die über den klassischen Politikbetrieb zu Recht frustriert sind. Wir sind viele. Wir sind verschieden. Aber wir haben ein gemeinsames Ziel: Eine Stadt, die niemanden zurücklässt, und in der niemand Angst vor der nächsten Mieterhöhung haben muss. Eine Stadt, in der alle satt werden. Eine Stadt, in der die, die sie am Laufen halten, gut leben können.

Wir wissen: Viele der Probleme, mit denen Bochum zu kämpfen hat, entstehen durch Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene. Doch auch vor Ort braucht es Mut, sich querzustellen. Auf dieses Versprechen können sich alle verlassen: Wir stehen für eine Stadt, die sich nicht alles gefallen lässt, sondern für ihre Menschen kämpft. Die Linke Bochum wird sich unter keinen Umständen an einer Politik beteiligen, die Privatisierungen, Personal- und Sozialabbau vornimmt und die Lebens- und Arbeitsbedingungen in unserer Stadt verschlechtert. Wir werden uns diesbezüglich auch nicht enthalten. Wir machen Politik für die große Mehrheit der Menschen in Bochum, nicht für die Profite von Unternehmen.

Es lohnt, Die Linke zu wählen!